Fantasy Island (2020) – Review

Mit Fantasy Island versucht sich Regisseur Jeff Wadlow an einer Adaption der beliebten TV-Serie als Horrorfilm. Wir haben für euch die Koffer gepackt, um zu sehen, ob die Insel auch unsere Wünsche erfüllen kann.

Originaltitel:Fantasy Island
Land:USA
Laufzeit:109 Minuten
Regie:Jeff Wadlow
Drehbuch:Jeff Wadlow, Jillian Jacobs, Christopher Roach
Cast:Michael Peña, Maggie Q, Lucy Hale u.a.
VÖ:Ab 20.06.2020 als VoD

Inhalt

Fantasy Island ist eine mysteriöse Insel abseits jeglicher Zivilisation. Der zwielichtige Multimillionär Roarke (Michael Peña, The Vatican Tapes) bietet dort einen ganz besonderen Urlaub an: Er verspricht, dass auf dem Eiland die innigsten Träume und Wünsche Realität werden. Für einen Aufenthalt lässt er sich dementsprechend auch fürstlich entlohnen – oder man hat so viel Glück wie Melanie (Lucy Hale, Wahrheit oder Pflicht), Gwen (Maggie Q, Nightmare – Schlaf nicht ein!), Patrick, Brax und J. D. und gewinnt eine Reise zu der Insel. Sind die Fünf zunächst noch voller Begeisterung, merken sie schon bald, dass hinter den tiefsten Begierden oft arglistige Schatten lauern …

Kritik

Jeff Wadlow, der zuletzt für Blumhouse den halbgaren Wahrheit oder Pflicht inszeniert hatte, bringt mit Fantasy Island die beliebte Serie gleichen Namens auf die große Leinwand und verpasst ihr einen Horroranstrich.

Der große Star des Films darf sich schon in den ersten Minuten von seiner Schokoladenseite zeigen: Die Fidschi-Insel Taveuni gibt hier ihr Stelldichein als Wünsche erfüllende Oase und sieht dabei traumhaft schön aus. Nach diesem idyllischen Intro empfiehlt es sich dann auch den Film abzuschalten und sich stattdessen im Internet Bilder und Videos der Fidschi-Inseln anzusehen. Oder ihr ärgert euch die nächsten rund 100 Minuten durch diesen cineastischen Totalausfall.

Fantasy Island

Denn während Taveuni glänzen darf, gilt für die restlichen Elemente des Films leider das Gegenteil. Erzählt wird Fantasy Island, wie schon die Serie, in parallel verlaufenden Handlungssträngen pro Gast und Fantasie, die sich immer mal wieder überlappen, um am Ende selbstverständlich zu einem großen Twist zusammenzulaufen. Leider versagt das Drehbuch von Wadlow und seinen Ko-AutorInnen Christopher Roach und Jillian Jacobs, mit denen er schon bei Wahrheit oder Pflicht kollaborierte, bei diesem Vorhaben auf ganzer Linie. Die Überschneidungen der Handlungsstränge sind lächerlich überkonstruiert und der finale Twist ergibt rückblickend schlichtweg keinen Sinn. Unterboten wird dies nur noch von den grausam klischeehaften und unsäglich platten Charakterzeichnungen. Mit diesen Pappfiguren versucht der Film nun allen Ernstes emotional ergreifende Szenen zu kreieren, die ob ihrer dramaturgischen Fallhöhe einer Gehsteigkante selbstverständlich kläglich scheitern. Die Frage danach, wann man auf den Fidschi-Inseln am besten Urlaub machen kann, hat mich während des Films emotional wesentlich stärker beschäftigt als das Dahinvegetieren dieser leblosen Hüllen.

Leider bewegt sich Fantasy Island auch schauspielerisch bestenfalls auf mittelmäßigem Niveau. Michael Peña agiert zwar solide, ist aber für den halbseidenen Millionär einfach fehlbesetzt. Am Schlimmsten ist jedoch Michael Rooker (Henry: Portrait of a Serial Killer), der in einer Nebenrolle immer mal wieder komplett verloren durchs Bild stolpert, offenbar auf der Suche nach einem Film, in dem er auch wirklich mitspielen will. Bei den Plattitüden, die man den SchauspielerInnen in den Mund legt, wäre es nur allzu verständlich, wenn sich Rooker aus dem Staub machen wollen würde,  und auch einige der anderen AkteurInnen werden sich wohl gefreut haben, dass ihre Charaktere früh genug verstorben sind und dieses Trauerspiel für sie ein Ende hatte.

Fantasy Island

Als wäre das nicht schon schlimm genug, funktioniert Fantasy Island nicht einmal als stumpfer Horror-Film. Dabei wäre die Prämisse Gold wert: Aus den Träumen der Gäste könnte man mit Leichtigkeit abgefahrene Albträume kreieren und das Publikum mitnehmen auf eine höllische Fahrt hinab in menschliche Abgründe. Alternativ könnte man dem Film auch einen komödiantisch-satirischen Spin verleihen. Wadlow und Co. haben sich leider für eine dritte Option entschieden und wechseln je nach Handlungsstrang von albern über actionreich bis hin zu melodramatisch. Durch dieses Tohuwabohu unterschiedlicher Tonalitäten wirkt der Streifen atmosphärisch fragmentarisch und zerfleddert, sodass sich zu keinem Zeitpunkt ein rundes Bild ergibt. Auch dramaturgisch gelingt es dem Film nicht Spannung oder ein Bedrohungspotential aufzubauen, weil just in den unpassendsten Momenten zwischen den Handlungssträngen hin und her geschnitten wird.

Von Horror kann sowieso nicht wirklich gesprochen werden. Die Albträume, die sich entspinnen, sind überaus handzahm und würden in den meisten Fällen wesentlich besser in einen Actionfilm passen, da sie bar jeglichen Grusels daherkommen. Die wenigen eingesetzten Jumpscares zünden nicht, die Atmosphäre ist in ihrem wilden Durcheinander in erster Linie ermüdend, aber sicherlich nicht schaurig und eine wirkliche Bedrohung geht hier von niemandem aus – und selbst wenn, wäre es mir bei den Pappaufstellern von ProtagonistInnen auch egal.

Fantasy Island

Fazit

Fantasy Island verspricht ein launiges Horror-Abenteuer auf einer mysteriösen tropischen Insel. Außer der tropischen Insel bekommt man davon leider nichts geboten und deren Geheimnisse entpuppen sich als weniger mysteriös, sondern einfach nur miserabel und sinnfrei geschrieben. Die Horror-Elemente sind quasi nicht vorhanden und der Film lässt einen mit dem innigen Wunsch zurück, die Zeit doch sinnvoller vollbracht zu haben. Zum Beispiel damit herauszufinden, dass sich die Monate von Mai bis November für einen Fidschi-Urlaub besonders gut eignen würden.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
SpannungRating: 0 von 5
Härte Rating: 0 von 5
Unterhaltung Rating: 1 von 5
Anspruch rating0_5
GesamtwertungRating: 1 von 5

Ab 10.06.2020 als VoD:

Fantasy Island

Bildquelle: Fantasy Island © Sony Pictures Entertainment

Florian Halbeisen
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