Prospect (2018) – Review

Prospect

Inspiriert von Sci-Fi-Filmen aus den 70ern und 80ern wie Star Wars, Alien oder Blade Runner wollten Christopher Caldwell und Zeek Earl mit ihrem Debüt-Spielfilm Prospect etwas Originäres erschaffen. Nach vier Jahren harter Arbeit war der Film endlich und das Ergebnis solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen.

Originaltitel:
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Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

Prospect
Kanada/USA
100 Minuten
Christopher Caldwell, Zeek Earl
Christopher Caldwell, Zeek Earl
Sophie Thatcher, Jay Duplass, Pedro Pascal u.a.
Ab 26. Juli 2019 im Handel

Teenagerin Cee ist mit ihrem Vater Damon unterwegs zum fernen Mond Bakhroma Green, der mit einer äußerst üppigen wie auch giftigen Flora ausgestattet ist. Die gesamte Atmosphäre ist voll von toxischen Sporen, wodurch das Betreten des Mondes nur in Schutzanzügen möglich ist, die die Luft filtern. In diesen unwirtlichen Teil des Universums treibt sie die Suche nach wertvollen Mineralien, die aufwendig aus schleimigen, knollenartigen Lebewesen extrahiert werden müssen. Doch sind sie nicht die einzigen, die die weiten Wälder des fremden Gestirns durchforsten und hier am Rande des erforschten Universums gilt das Recht des Stärkeren…

Caldwell und Earl, in deren Händen Regie, Drehbuch, Musik und Kamera lagen, wollten mit ihrem Budget von knapp vier Millionen US Dollar hoch hinaus. Dafür gründeten sie kurzerhand ihr eigenes Production Design Studio und scharrten handwerklich begabte, kreative Köpfe um sich, darunter auch viele Freunde und Bekannte, um mit ihnen die nächsten sieben Monate Sets zu bauen, Kostüme zu entwerfen und Props zu gestalten. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen und lädt in seiner Detailverliebtheit zum Schwärmen ein. Durch die DIY-Herangehensweise, unterstützt durch die ästhetische Inspiration von Sci-Fi-Streifen aus den 70ern und 80ern, fühlt sich Prospect von Anbeginn sehr organisch und greifbar an. Zu Beginn sehen wir die Raumkapsel von Cee und Damon, die definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat und direkt aus Star Wars stammen könnte. Durch ein verschmiertes Fenster, das mich an alte Regionalzüge erinnerte, wird uns ein prächtiger Blick auf fremde Planeten gewährt, bevor sich die Kamera dem liebevoll gestalteten Interieur der Kapsel zuwendet. Spätestens wenn knisternd Rita Chaos 60er-Pop-Hit „Crying in a Storm“ erklingt, macht sich in mir ein wohliges Gefühl der Nostalgie breit.

Prospect

Es dauert dann auch nicht lange bis unsere Protagonisten sich in ihre aufwendig designten Anzüge zwängen und wir endlich den fremden Trabanten betreten dürfen. Gedreht wurden die Außenaufnahmen allesamt im Hoh-Regenwald im US-Bundesstaat Washington, der eine beeindruckende Kulisse bietet, aber zugleich auch das Drehen erschwerte. Es war für die Schauspielerinnen eine große Herausforderung in den schweren Anzügen und mit beschränkter Sicht durch diesen Dschungel zu stapfen und nicht alle fünf Meter auf die Fresse zu fliegen. Caldwell und Earl gelingt es mit vielen kleinen Details den Hoh-Regenwald in Bakhroma Green zu verwandeln, wie zum Beispiel die omnipräsent durch die Luft schwebenden Giftsporen oder die zu erntenden Mineralien.

Prospect gelingt es erstaunlich gut eine fremde Welt zu erschaffen und mich in deren Bann zu ziehen. Dies liegt an dem bereits angesprochenen Design und der Location, aber vor allem an dem was nur angedeutet wird, denn Caldwell und Earl erschufen mit ihrem Debüt nicht nur einen kleinen netten Sci-Fi-Western, sondern gleich ein ganzes Universum mit ökonomischen Strukturen, unterschiedlichen Kulturen und ganz viel eigener Geschichte. Dafür erdachten die zwei auch viele Kleinigkeiten wie eine eigene Zeichentrickserie, um sie auf einen Pyjama drucken zu können oder eine eigene Schrift, die beide nur für ein paar Momente zu sehen sind, jedoch sind es genau diese Momente, die die Geschichte zu etwas viel Größerem öffnen. Diese Einbettung der Geschichte in ein vielfältiges, facettenreiches Universum, ohne dieses komplett auszubuchstabieren, macht den Film so lebendig und das Eintauchen in die ausgebreitete Welt so einfach.

Prospect

Trotz dieser Vielfalt wird im Kern von Prospect eine schnörkellose und spannend inszenierte Coming-of-Age-Geschichte erzählt, bei der im Endeffekt drei Charaktere im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Alle drei Charaktere sind authentisch geschrieben, bieten Identifikationspotential und machen eine Entwicklung durch, die zum Mitfiebern einlädt. Die Newcomerin Sophie Thatcher (Serie The Exorcist) ist dabei ein wahrer Glücksgriff als Cee und meistert ihre erste Hauptrolle in einem Spielfilm mit Bravour. An ihrer Seite sehen wir Jay Duplass (Transparent), Pedro Pascal (Game of Thrones) und in einer Nebenrolle Andre Royo (The Wire), die allesamt einen tollen Job machen und ihre Charaktere mit Leben füllen können.

Fazit

Prospect bietet eine spannende, aufs Wesentliche konzentrierte Story und gleichzeitig diesen üppigen Background, der alles so viel üppiger wirken lässt. Mit einer starken Location, detailverliebten Designs und einem starken Cast kann das Debütwerk von Christopher Caldwell und Zeek Earl auf ganzer Linie überzeugen und ich hoffe sehr, dass ich noch mehr Geschichten aus diesem Universum zu sehen bekomme.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte Rating: 0 von 5
Unterhaltung Rating: 5 von 5
Anspruch Rating: 3 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Ab 26. Juli 2019 im Handel:

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Bildquelle: Prospect © Capelight Pictures

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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