Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte (2010) – Review

Rare Exports

Der finnische Rare Exports ist trotz Santa Claus und Elfen der etwas andere Weihnachtsfilm. Einer den ihr nicht verpassen solltet.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Rare Exports
Finnland
154 Minuten
Jalmari Helander
Jalmari Helander, Juuso Helander
Onni Tommila, Jorma Tommila u.a.

Eine Warnung gleich vorweg: Die Review wird Spoiler enthalten!

Hintergründe

Rare Exports basiert auf einem Kurzfilm von 2003 rund um ein Unternehmen, welches sich auf die Jagd und Dressur von Weihnachtsmännern spezialisiert hat. Mit diesem Kurzfilm versuchten die Brüder Jalmari und Juuso Helander Investoren für einen Spielfilm zu finden. Rare Exports und der zwei Jahre später veröffentlichte Rare Exports: The Official Safety Instructions liefen sehr erfolgreich auf diversen Festivals. Da in der Zwischenzeit YouTube gegründet wurde, hatten sie nun auch eine passende Plattform, um sie unters Volk zu bringen und sich eine große Fangemeinde anzueignen.
Doch trotz des Erfolges hatten sie mit ihrer sehr unkonventionellen Idee weiterhin Schwierigkeiten Investoren zu finden.Es dauerte noch einmal zwei Jahre ein Produktionsstudio zu finden, welches sich der Story annahm. So konnte ein Budget von rund zwei Millionen Dollar aufgestellt werden und der Spielfilm sollte als Prequel zu den Kurzfilmen dienen.

Inhalt

Für das Prequel bedient sich Rare Exports der alten finnischen Sagen und Legenden rund um Joulupukki, der inzwischen mit dem Weihnachtsmann gleichzusetzen ist. Nach einigen alten Sagen entspricht dieser eher einem dämonischen Wesen mit Hörnern, das sich während des Sommers in den Bergen und tiefen Wäldern versteckte. Während der Adventszeit näherte es sich immer mehr den Dörfern, bis er am Heiligabend in die Häuser der Menschen eindrang, um unartige Kinder mit der Rute zu verprügeln.
In Rare Exports wurde nun dieser Weihnachts-Dämon vor langer Zeit von den Lappen im Norden Finnlands im ewigen Eis gefangen. In der Gegenwart ist jedoch ein Unternehmen dabei, diese Gefangenschaft zu beenden. Durch die Befreiung des Weihnachtsmannes erwachen allerdings auch Hunderte seiner Elfen aus einer Art Winterschlaf, um ihren Meister aus dem Eis zu befreien.
Dem stellen sich einige lokale Rentier-Jäger entdecken…

Die Mythologie hinter Rare Exports

Die Wurzeln des Joulupukki oder Julbock gehen wahrscheinlich weiter zurück als Weihnachten oder gar dem nordischen Wintersonnwendfest Jul und zwar zu einem Erntedankfest welches Kekri gewidmet war. Dieser galt als Beschützer von Vieh und Getreide und wurde durch Kekripukki, den Kekri-Bock, repräsentiert. Kekri fand zwischen September und November statt (abhängig von der Zeit der fertigen Ernte) und diente einerseits als Erntedankfest und andererseits als Ritual für ein gutes folgendes Erntejahr. Die Feierlichkeiten wurden von einer Art Krampuslauf unterbrochen. Angeführt von Kekripukki – gespielt von einem lokalen Junggesellen, verkleidet in Tierfelle und mit Hörnern bestückt – zog eine Gruppe aus ebenfalls verkleideter, junger Männer und auch Frauen von Hof zu Hof und verlangte nach Alkohol oder Essen.
Aus einer ähnlichen Tradition rund um ein Wesen namens Nuuttipukki entstand schlussendlich der Brauch, dass artige Kinder mit Süßigkeiten belohnt und unartige mit der Birkenrute verprügelt wurden.

Durch den größeren Einfluss des Christentums in Finnland wurden diese Bräuche verboten und zunehmend mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Zu dieser Zeit verschmolzen Kekripukki und Nuuttipukki zu Joulupukki, dem Jul- oder Weihnachtsbock. Joulupukki wurde immer mehr zu einer dämonischen Schreckensgestalt, welche kurz vor den Festlichkeiten erschien, um Opfergaben zu verlangen und unartige Kinder zu bestrafen oder gar zu fressen.

Mit Ende des 20. Jahrhunderts hatte sich Joulupukki stark geändert. Vom gehörnten Ziegendämon blieb wenig übrig und er wurde zu einer großväterlichen Figur mit langem weißen Bart und rotem Anzug und wurde so schlussendlich eins mit Santa Claus.

Rare Exports

Pietari geht den gehörnten Ursprüngen des Weihnachtsmannes auf den Grund

Kritik

Regisseur Jalmari Helander gelingt es, in seinem finnischen Überraschungshit Rare Exports die alten finnischen Mythen rund um Joulupukki aufleben zu lassen. Gleichzeitig thematisiert er die Verschmelzung von Joulupukki und Santa Claus, wozu er eine fiktive Hintergrundgeschichte bietet. Wie der alte gehörnte Joulupukki und seine Helfer im Film schlussendlich gezähmt und kommerzialisiert werden, so erging es auch dem alten Brauchtum.

Besonders bemerkenswert ist, dass Rare Exports selbst ohne dieses Hintergrundwissen rund um Joulupukki einwandfrei funktioniert. Die Geschichte ist herrlich skurril und das Setting im finnischen Lappland ist herrlich erfrischend. Zudem bietet der Film eine gute Mischung aus handgemachten Effekten und CGI. Die computergenerierten Effekte sehen dabei atemberaubend aus, insbesondere wenn man das kleine Budget bedenkt. Bei Sharknado sieht man, was andere Leute mit dem gleichen Budget zu Stande bringen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das Team nach einer Drehzeit von 17 Tagen fast sieben Monate mit der Post-Production beschäftigt waren, um jeden einzelnen Frame zu perfektionieren.

Trotz aller Skurrilität ist Rare Exports zu keiner Zeit ein alberner Film. Helander und sein Team behalten durchgehend eine ernsthafte Stimmung bei, was dem Film sehr zu Gute kommt. Die Geschichte nimmt sich zudem Zeit auf die Charaktere und die familiären Dramen in der Geschichte einzugehen. So wird besonders der Vater-Sohn-Beziehung viel Platz eingeräumt, gespielt vom echten Vater-Sohn-Gespann Jorma und Onni Tommila, was die authentische Wirkung erklärt.

Unterm Strich bietet Rare Exports eine ungewöhnliche Geschichte rund um den finnischen Weihnachtsmann, eine wundervolle Szenerie, eine eisige Atmosphäre und ein überaus gelungenes Creature Design. Beste Unterhaltung für ein besinnliches Julfest!

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Rare Exports © Splendid

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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