Tales from Deep Hell (2018) – Review

Tales from Deep Hell ist italienischer Arthouse-Underground mit ausgeprägtem Hang zu Schmerz und Lust. Klingt kryptisch. Wir haben uns den Italiener genauer angesehen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Tales from Deep Hell
Italien
76 Minuten
Davide Pesca
Davide Pesca

Bei Tales from Deep Hell handelt es sich grob gesagt, um einen Episodenfilm, der ganz klassisch von einer kleinen Rahmenhandlung zusammengehalten wird. Dabei ist „Handlung“ schon etwas hoch gegriffen und stattdessen sollte Arthouse stark betont werden, denn bei dem Werk vom Italiener Davide Pesca fühle ich mich oft eher an Performance-Kunst erinnert, denn an einen konventionellen Spielfilm. Was allerdings in keinster Weise negativ gemeint ist, aber ihr sollt wissen worauf ihr euch hier einlässt.

Do you feel the desire of pain? Do you feel?

In seinen vier Episoden, Peep Show, Philosophy of Beauty, Life Death and Sins und Cuts ofTales from Deep Hell Me, beschäftigt sich Pesca mit Körperlichkeit, Schmerz und Lust. Bei Tales from Deep Hell sind zwar alle Episoden von ein und demselben Regisseur dennoch gilt wie üblich: Qualität schwankend. Die Episoden wurden auch nicht alle extra für diese Produktion gedreht. Peep Show erschien schon als Teil von Pescas Anthologie 17 a mezzanotte von 2014 und fällt etwas aus dem Rahmen. Die Geschichte, um die Ware Mensch, war für mich auch ein eher schwerer Start in den Film, aber zeigte schon einmal, dass mich durchaus ordentliche Effekte erwarten werden und die Inszenierung überaus kunstvoll daher kommt. Mit den folgenden Episoden wurde ich dann jedoch wärmer mit Tales from Deep Hell. Wobei der Hauptteil Life Death and Sins darstellt, welcher sich wiederum in sieben Kapitel unterteilt, die mich unterschiedlich stark ansprechen konnten.

Allgemein kommt der Film fast ohne Dialoge aus, also ihr müsst hierfür nicht extra eure Italienischkenntnisse auffrischen. Dem Schmerz und der Lust gibt man sich in erster Linie nonverbal hin. Tendenziell ist es bei Pesca so, dass es wirklich um die Lust am Schmerz geht, um die Entdeckung des Körpers, der Lust und des Schmerzes. Im Gegensatz zu einem Großteil der Horrorfilmen wird hier die Zerstörung des Körpers und der Schmerz vielfach nicht als gewalttätiger Übergriff dargestellt. Dadurch ergibt sich ein über weite Strecken erstaunlich gewaltfreier Film. Ganz im Gegenteil rückt sogar die eigene Souveränität in den Vordergrund, auch wenn dafür der eigene Körper überwunden werden muss.

Do you feel the desire to discover pleasure? The pleasure of flesh?

Mit der Zeit kommen jedoch deutliche Ermüdungserscheinungen zum Tragen. So fällt es mir irgendwann schwer aufmerksam zu bleiben, wenn schon wieder Blut auf nackte, bevorzugt weibliche, Haut geschmiert wird oder diese, wiederum bevorzugt weibliche, Haut abgezogen wird. Hier hätte dem Film etwas mehr Abwechslung in seinen Darstellungen gut getan. Dann wiederum schafft Pesca toll eingefangene, überaus starke Szenen, die mich immer wieder in ihren Bann ziehen und ich bin wieder voll da.

Tales from Deep Hell ist damit ein ganz besonderer Ritt in die Welt von Lust und Schmerz. Warnen möchte ich aber dennoch noch einmal alle, die sich konventionelles Erzählkino oder eine Schlachtplatte erwarten. Beide Gruppen werden wohl so ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben. Wer sich allerdings auf abgefahrene Arthouse-Filme einlassen kann und sich für die Thematik interessiert, dem sei dieses Werk von Davide Pesca ans Herz gelegt.

 

Bewertung

Spannung Rating: 2 von 5
Atmosphäre Rating: 3 von 5
Gewalt  Rating: 3 von 5
Ekel  Rating: 2 von 5
Story  Rating: 3 von 5

Bildquelle: Tales from Deep Hell © Black Lava Entertainment

Ab 31.01.2018 bei Black Lava Entertainment erhältlich. Jetzt vorbestellen.

Florian Halbeisen

...und was meinst du?