Pontypool (2008) – Review

Pontypool

Experimentierfreudiger Zombie-/Infizierten-Horror, der sich voll und ganz auf die Sprache stürzt. Sehenswert!

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:

Pontypool
Kanada
93 Minuten
Bruce McDonald
Tony Burgess
„Pontypool Changes Everything“ von Tony Burgess

Guten Morgen Pontypool, hier ist Radio 660, das Leuchtfeuer…

Pontypool basiert auf einem Buch von Tony Burgess aus dem Jahre 1995, welcher für die Verfilmung 13 Jahre später auch das Drehbuch beisteuerte. Der Film nimmt allerdings nicht die fragmentarische Story seiner Vorlage auf, was wohl eine sehr große Herausforderung gewesen wäre, sondern stellt so etwas wie ein verlorenes Kapital dar – quasi ein Teil des ursprünglichen Buches, der es jedoch nie in das Buch geschafft hat.

Dieses verlorene Kapitel dreht sich um den Radiomoderator Grant Mazzy, der nach einer zusehends verblassenden großen Karriere, in der kanadischen Kleinstadt Pontypool gelandet ist. Von Pontypool bekommen wir allerdings nicht sonderlich viel zu sehen, zu Beginn sehen wir sogar überhaupt nichts außer die Visualisierung von Mazzys Stimme. Auch wenn sich der Fokus des Films immer mehr weitet, so bleibt er doch sehr eng.
Mazzy versucht zusammen mit Produzentin Sidney Briar und Technikerin Laurel-Ann Drummond eine interessante Radioshow auf die Beine zu stellen – in einer Stadt in der eine verschwundene Katze zu den Höhepunkten des Tages zählt. Dies ändert sich jedoch als der „fliegende“ Außenreporter von Unruhen bei der lokalen Arztpraxis berichtet. Durch diverse Anrufe verdichtet sich langsam das Bild von einer infizierten, gewalttätigen Meute, der offenbar schon etliche Menschen zum Opfer wurden…

Pontypool ist dabei zumindest in der ersten Hälfte mit einer umgedrehten Zombie-Version von Orson Welles „Krieg der Welten“ von 1938 zu vergleichen. In dem Hörspiel nach einer Vorlage von H.G. Wells simulierte Welles eine Radio-Reportage, die von einer Alieninvasion handelte und bei Teilen der Zuhörer zu Panik führte, da diese das Hörspiel für echt hielten. Hier sind es allerdings nicht die Zuhörer, die sich nicht sicher sein können, sondern wir zusammen mit dem Radio-Team. Gerade die erste Hälfte in der wir komplett im Unklaren gelassen werden, ist irrsinnig spannend von Bruce McDonald (Hellions) als Kammerspiel inszeniert.

Damit sollte aber auch klar sein, dass es sich bei Pontypool in keinster Weise um einen konventionellen Zombie- oder Infizierten-Film handelt. Wer hier ein untotes Gemetzel erwartet, kann nur enttäuscht werden. Den überwiegenden Teil der gewalttätigen Szenen bekommen wir allein über Anrufe beim Radiosender mit. Pontypool ist zwar nicht komplett gewalt- und blutfrei, aber die entsprechenden Szenen sind sehr überschaubar. Die Spannung und den Nervenkitzel generiert McDonald aus dem stark beengten Setting und dem unbekannten Bedrohungsszenario, über das wir so gut wie nichts erfahren, aber deren Auswirkungen immer verheerender zu werden scheinen.

…direkt aus unserem kleinen, aber feinen Kerkerstudio

Im Mittelteil erlaubt sich das Drehbuch ein paar Stolperer bei der Erklärung der Ursache, wodurch sich dieser Handlungsstrang nicht wirklich schön in das Gesamtbild einfügen will. Die Erklärung, die Burgess und McDonald für uns bereithalten, ist jedoch durchaus noch ein paar Gedanken wert. Diese werden allerdings ein paar Spoiler enthalten:

Spoiler
Was den Virus in Pontypool so besonders macht, ist die Übertragung durch die Sprache. Die Infizierten beginnen zuerst einzelne Worte zu wiederholen und können sich schlussendlich überhaupt nicht mehr verständigen. In tiefer Verzweiflung attackieren diese nun anderen Personen.

Das Konzept, dass Sprache andere infizieren könne, lässt sich auf viele Bereiche anwenden und ist auch nicht wirklich neu. Natürlich könnte man an diverse Hetzreden denken, die manche Zuhörer mit Hass infizieren, aber zum Beispiel auch an Meme. Im Web-Kontext haben diese noch einmal eine eigene Bedeutung bekommen, aber grundsätzlich geht es um die Verbreitung von Ideen und Gedanken. Ganz im Sinne der Evolutionstheorie, werden sich die am besten angepassten Ideen durchsetzen. Wer hat noch nicht von der Katze/dem Pudel/was auch immer in der Mikrowelle gehört? Die Mikrowellen-Anekdote schafft es seit Jahren sich erfolgreich von Wirt zu Wirt zu hangeln und immer wieder neue Gedanken zu infizieren.

In Pontypool werden bestimmte Menschen von bestimmten Wörtern infiziert und auch nur dann, wenn sie deren Bedeutung erfasst haben. Wenn die Bedeutung wieder „gelöscht“ wird, kann die Infektion gestoppt werden. Der Film geht also einen sehr biblischen Weg mit dem Problem umzugehen und führt uns direkt zu Babel. Ähnlich martialisch wird das gesamte Problem schlussendlich militärisch gelöst. Inwieweit dies ein sinnvoller Lösungsansatz ist, sei mal dahingestellt.

So interessant diese Gedanken rund um Sprache auch sein mögen, dramaturgisch schießen sich Burgess und McDonald damit leider ein Eigentor, denn die Bedrohlichkeit und Spannung der ersten Hälfte, kann der hektische Abschluss leider zu keiner Zeit mehr erreichen.

Nichtsdestotrotz ist dem Team ein sehr experimentierfreudiger Horrorfilm gelungen, der dem Zombiefilm durchaus neue Seiten abgewinnen kann und zudem mit ein paar interessanten Gedanken zu Sprache aufwartet. Dass dies so gut funktioniert, liegt zu einem großen Teil am tollen Dreigespann, welches uns durch den Film führt. Vor allem Stephen McHattie (Mother!, Watchmen) als zynischer Radiomoderator ist Gold wert. Mit genau diesem möchte ich diese kleine Review auch schließen. Genau genommen mit dem wundervollen Intro zu Pontypool, visualisiert von Logan Jinks.

„Also was hat es zu bedeuten? Nun, es bedeutet, dass etwas passieren wird, etwas großartiges. Andererseits, irgendwas passiert ja immer…“

 

Bewertung

Spannung Rating: 4 von 5
Atmosphäre Rating: 4 von 5
Gewalt  Rating: 1 von 5
Ekel  Rating: 0 von 5
Story  Rating: 3 von 5

Bildquelle: Pontypool © MIG

Florian Halbeisen

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