ReGOREgitated Sacrifice (2008) – Livebericht

Titelbild ReGOREgitated Sacrifice

oder: kunstvoll in Kotze ertränkt, das Déjà-vu.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Studio:

ReGOREgitated Sacrifice
Kanada
65 Minuten
Lucifer Valentine
Lucifer Valentine
Kingdom of Hell Productions

Live-Bericht

TwinsWeiter geht es mit der Vomit Gore Trilogie, obwohl mir der erste Teil, Slaughtered Vomit Dolls, nicht sonderlich zugesagt hat. Man hat mir allerdings nahe gelegt, dass ich auf jeden Fall die weiteren Teile anschauen soll, da die sooo viel besser seien. Ich lass mich mal überraschen. Nachdem es sich wieder um einen Live-Bericht handelt, gibt es natürlich Spoiler, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es hier überhaupt etwas zu spoilern gibt.

Also Teil 2: ReGOREgitated Sacrifice. Wieder von Lucifer Valentine und wieder mit Ameara Lavey. Titel und Coverart sind wieder sehr ansprechend und der Titel ist natürlich Programm. Denn regurgitate heißt nichts anderes als kotzen, womit wir wieder bei Vomit Gore wären.

Wir starten mit einem Monolog von Angela Aberdeen über ihre Kindheit, Missbrauch und wie sie das so fand. Schnitt auf die Kindheitsaufnahmen – kennen wir ja schon. Schnitt. Handkamera in dunklem Wald. Gewackel. Siamesische Zwillinge? Ok – erste Splatterszenen. Die Zwillinge werden getrennt. Die Special Effects können sich echt sehen lassen.
Das Sounddesign ist übrigens wieder ähnlich atmosphärisch wie beim ersten Teil.

TwinsNachdem ich den ersten Teil ja absolut furchtbar fand, bin ich bisher positiv überrascht. Handwerklich ist dies ein immenser Fortschritt. Ausgeleuchtet wird zwar offenbar immer noch ausschließlich mit dem Kamerascheinwerfer, aber davon abgesehen besteht die Kameraführung nicht mehr nur mehr aus Handkameragewackel. Auch das konfuse Schnittstakkato ist verschwunden und führt nicht mehr zwingend zu Kopfschmerzen.

Die verzerrten Stimmen wurden beibehalten, was ich schon im ersten Teil eher als nervtötend, denn verstörend empfand.

Nudity scheint mir hier auch expliziter zu sein, als im Vorgänger. Bisher schon einige Lesben-Szenen, welche für Lucifer Valentine offenbar die einzige Form von Sexualität darstellen. Das könnte man jetzt analysieren, ich werde es aber lassen.

Minute 13 und das Würgen fängt an. Bald gefolgt von Kotzen. Diesmal wird auch mal rückwärts gekotzt. Lucifer Valentine macht eben Filme für seinen Fetisch.

Aber ich muss noch einmal erwähnen dieser Industrial-Noise-Soundteppich ist wirklich ansprechend.

MjamDer Film ist auch nicht mehr ganz so konfus. Nach wie vor weit weg von jeglicher konventionellen Erzählweise, aber zumindest ist eine Narration zu erahnen, was mir grundsätzlich dabei hilft bei der Sache zu bleiben.

Inzwischen bei Minute 25 angekommen und jetzt wird auch gepisst. Warum auch nicht?

Neben etwas Hintergrundgeschichte zu Angela Aberdeen, haben wir jetzt auch einen Satanisten der anscheinend Prostituierte Satan opfert. So zumindest meine Interpretation.

Wie schon im ersten Teil wird wieder auf eine Glasfläche gekotzt und dies von unten gefilmt. Sehr eklig.

Das gleiche Problem, das ich schon beim ersten Teil hatte. Ich kann die unterschiedlichen „Schauspieler“ oft nicht auseinanderhalten. Aber ich glaube derzeit haben wir Angela, diverse Zwillinge und einen mordenden Satanisten. Wer was miteinander zu tun hat, war bisher für mich nicht wirklich ersichtlich.

OctopusDie Hälfte habe ich jetzt schon wieder hinter mir und ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Beim ersten Teil war ich an der Stelle schon unheimlich entnervt. Nicht falsch verstehen, der Streifen ist nach wie vor weit weg von gut, aber zumindest konsumierbar. Liegt neben den schon genannten Punkten sicher auch daran, dass die Kotzerei bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Derzeit in Minute 36 ist eine sehr ausgiebige Splatterszene. Die damit endet, dass die Aufgeschlitzte mittels ihres eigenen Darmes zum Erbrechen gebracht wird. Ich glaub wir haben hier wieder den Schädelkotzer vom ersten Teil, der sich über die Innereien hermacht und alles vollkotzt.

Es wird gepisst. Dieses Mal in ein Glas und dann getrunken. Dann gekotzt. Jetzt pisst eine Person auf die Andere. Dafür kotzt die Bepisste auf die vorher Pissende. Karma, Bitch!
Ich hoffe das geht jetzt nicht noch in Richtung 2 Girls 1 Cup. Dann würde es wirklich hart werden durchzuhalten. Laut Interviews mag Herr Valentine ja auch das ganz gerne.

ThronIch habe den Film wohl etwas zu früh gelobt, befürchte ich. Die letzten 10 Minuten waren wieder random Vomit, Gore & Nudity. Wie schon im ersten Teil beschränken sich die Nacktszenen auf Frauen. Ob sich Lucifer Valentines Vomit-Gore-Fetisch ausschließlich auf Frauen bezieht? Oder wird er auch davon angeturnt, wenn Männer kotzen?

Die Folter-Kotz-Zwillinge sind weiterhin unterwegs und kriegen immer wieder Unterstützung vom Schädelkotzer. Da war gerade eine Szene, die das weibliche Geschlechtsorgan, eine Tarantel, sowie Nadel und Faden beinhaltete. Kopfkino an!

Die letzten Minuten ziehen sich jetzt etwas schleppend hin. Die Luft ist raus und das Interesse dahin. Ah ja, Kurt Cobain spielt auch wieder eine Rolle. Warum? Eine Frage, die hier definitiv nicht zum Ziel führt.

Alles nur ein Missverständnis?

Laut Lucifer Valentine bezieht sich „Vomit Gore“ übrigens nicht darauf, dass ein Film zu einem überwiegenden Teil aus Kotze und Gore besteht, sondern, dass er sich frei von Normen, Zwängen und Konventionen künstlerisch austoben kann, egal was für ein Unsinn dabei auch rauskommt, um sein inneres, kindliches Gefühl manischer, kreativer Gewalt und persönliche Abgründe auszudrücken. Hm, ich dachte bisher das nennt sich Experimentalfilm.

Der Splatterfilm als Fetischporno

deathOhne Zweifel ist ReGOREgitated Sacrifice ein enormer Schritt nach vorne verglichen mit dem grottigen Slaughtered Vomit Girls. Wie schon erwähnt sind besonders die Kameraführung und der Schnitt kaum mit dem Vorgänger zu vergleichen. Aus diesem Grund sind auch die Splatter- & Gore-Szenen besser zu erkennen und so wird deutlich: die Effekte sind richtig gut gemacht.

Trotz allen Lobes ist dies nach wie vor weit davon entfernt unterhaltsamer oder sogar guter Horror zu sein und auch als Kunstobjekt provoziert der Film bei mir schlussendlich auch wieder nur Langeweile. Es bleibt unterm Strich eben doch ein Fetisch-Lesbenporno mit Splattereinlagen, der wohl immer nur eine sehr kleine Gruppe an Personen ansprechen wird.

Ich wäre allerdings an einem Film von Lucifer Valentine interessiert, der kein Fetisch-Porno ist. Da könnte durchaus ein ganz guter Experimental-Splatter rauskommen. Audiovisuell sind einige Szenen durchaus sehr gelungen, aber diese ersaufen leider in literweise Blut, Pisse und ganz, ganz viel Kotze.

 

Bewertung

Spannung
Atmosphärerating1_5
Gewaltrating4_5
Ekel
Storyrating0_5

Bildquelle: ReGOREgitated Sacrifice © Black Lava Entertainment

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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