Joe D’Amato (Insel der Zombies, Man-Eater, Sado) – Pieces

Insel der Zombies, Man-Eater, Sado

Joe D’Amato ist berümt-berüchtigt für seine Mischung aus Sexploitation und Splatterfilm – immer auf der Suche nach der nächsten Provokation. Wir haben uns drei Filme des Italieners genauer angeschaut.

Joe D'Amato

Joe D’Amato (Olivier Strecker CC SA-BY 3.0)

Joe D’Amato, als Aristide Massaccesi in den 30ern in Rom geboren, war einer der größten Vertreter des europäischen Exploitation-Kinos und drehte nahezu 200 Filme. Diese waren überwiegend im Porno-, Horror- oder Splatter-Bereich angesiedelt. Aber D’Amato drehte auch Fantasy-Abenteuer (Ator), Kriegsfilme (Die Aasgeier kommen – Killer Mission), SciFi-Actionfilme (Endgame) und war auch als Produzent (Troll 2), Kameramann und Drehbuchautor tätig.

Mitte der 70er machte sich D’Amato mit seinen Sequels für die Softporno-Reihe Black Emmanuelle einen Namen (deutscher Titel Foltergarten der Sinnlichkeit), womit er auch in den Pornobereich einstieg. Hauptdarstellerin dieser Softpornos war Laura Gemser, welche später in dem von D’Amato co-produzierten Troll 2 als Kostümdesignerin mitwirkte. Wenn D’Amato Black Emanuelle auf Kannibalen treffen lässt, erkennt man schon hier die Vorliebe des Regisseurs für schockierende Stoffe.

Viele seiner Werke sind von seinen zwei Lieblingsgenres geprägt: Erotik und Horror. So schuf er einige kuriose Hybride, bis er schließlich in den 1990ern aus finanziellen Gründen nur noch Hardcore-Pornos drehte. Wir wollen uns drei seiner bekanntesten Werke genauer anschauen.

Insel der Zombies (1981)

Insel der Zombies war vor ein paar Jahren mein Einstieg in das Horror-Sexploitation-Genre. Der Originaltitel Porno Holocaust ist hier gar nicht so verkehrt, denn dieser vermittelt direkt, um was es geht. Horror, Porno, Provokation und die Kopie vorhandener Ideen.

Wobei das irreführend ist, da zwar von Anfang an viel Sex vorkommt, aber nicht auf der Insel und schon gar nicht mit Zombies. Die Story ist dabei ebenso hanebüchen wie unlogisch; egal ob auf deutsch oder italienisch, aber das war bei einem Porno-Splatter mit dem wohlklingenden Namen Porno Holocaust auch nicht zwingend zu erwarten. Nach einer nicht enden wollenden Einführungen mit ein paar Sexszenen geht es endlich auf DIE INSEL! Wo wiederum etliche Minuten verstreichen, in denen sich alle furchtbar lieb haben. Mit seiner 70er-Jahre-Softporno-Atmosphäre hat dies jedoch sogar einen gewissen Charme.

Anstrengend wird es dann allerdings, wenn sich nach über einer Stunde endlich der Holocaust zum Porno gesellt. Die Intention ist wohl, zu provozieren, stattdessen ist es jedoch nur langweilig und schlecht inszeniert. Zudem irritiert es, wenn der „Zombie“ unvermittelt in das Geschehen eingewoben wird, denn dieser steht auf etwas andere Weise auf Menschenfleisch. So geht es dann weiter mit Sex, Sex, Sex, Sex, Gewalt und Zombies bis man irgendwann eingeschlafen ist oder abgeschalten hat.

Man-Eater – Der Menschenfresser (1980)

Gab es zuvor noch Sex und Gewalt bei Porno Holocaust, können wir uns hier auf eines von beiden konzentrieren. Da D’Amato bei dem Inselzombie ja insbesondere beim Horrorteil versagte – also er versagt ja bei allem, aber wenn es um Angst und Schrecken geht, wird es wirklich ganz schrecklich –  wollte ich natürlich davon mehr. Die logische Konsequenz konnte nur die Sichtung von D‘Amatos Kultfilm sein. D’Amato sagte in einem Interview einmal, dass er nicht sehr begabt darin sei, Spannung zu erzeugen, und verwies dabei auf Man-Eater, weshalb er zum Ausgleich den Gore-Gehalt ordentlich nach oben schraubte.

Zu Insel der Zombies tun sich dennoch sogleich Parallelen auf. Nein, nicht die dilettantische Kameraarbeit und der grausame Schnitt, wobei die natürlich auch, sondern das einfach nichts passiert. Eine Stunde vertrödelt er … ja, mit was eigentlich? Nachdem der Anatomieunterricht dieses Mal ausfällt, laufen die ProtagonistInnen eben einfach so eine Stunde durch die Gegend. Also zuerst an Land und dann auf einer Insel – wie üblich. Dann kommt irgendwann die berühmt-berüchtigte, schockierende, alle Tabus brechende, die BPjM zum Kotzen bringende Szene, die abgesehen von den miesen Effekten ganz ok ist und dann ist der Film auch schon zu Ende.

Grundsätzlich ist es auf jeden Fall bei D’Amato kein Schaden, Filme zu wählen, die einen anständigen (Soft-)Porno-Anteil haben. Wenn die Filme auch nicht zwingend besser sind, so haben die SchauspielerInnen zumindest während der ersten Stunde wieder etwas zu tun.

Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)

Was soll ich sagen? Auch Buio Omega, so der Originaltitel bietet die übliche krude Mischung aus Gore- und Softporno-Elementen, die wie immer grottenschlecht in Szene gesetzt ist. Insbesondere bei der Dramaturgie tun sich wieder riesengroße Schwächen auf und ich langweile mich von Titten zu Gedärmen und wieder zurück.

Dennoch hat der Film für mich den anderen Werken von Joe D’Amato zumindest ein bisschen was voraus: 1. zumindest ein Grundgerüst einer Story und 2. der Soundtrack von Goblin. Damit schafft D’Amato es zumindest teilweise, trotz der offensichtlichen Schwächen bei mir Interesse für die Geschichte und die Charaktere zu wecken. Selbst atmosphärisch kann Sado hin und wieder an das großartige italienische Horror-Kino seiner Zeit anknüpfen.

Damit gehört Sado wahrscheinlich zum besten, was D’Amato im Horrorbereich je geschaffen hat. Dies soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst dieser ein höchstens durchschnittliches Splatterfilmchen ist, welches nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit verdient hätte.

Fazit

Joe D’Amatos Filme haben neben den provokativen Exploitation-Elementen und dem inszenatorischen Unvermögen (ganz schlimm bei Kamera und Schnitt), insbesondere eines gemeinsam: es passiert einfach nichts. D’Amatos Werke sind geprägt von einer unfassbaren inhaltlichen Leere und fehlenden Dramaturgie. Irgendwie kommt man von Schauwert zu Schauwert, egal ob Porno oder Splatter, und wundert sich, was jetzt eigentlich dazwischen passiert ist. Dies dürfte das Vergnügen leider auch für die Blut&Beuschel-Fraktion sowie für Trash-Freunde stark minimieren.

Es wird zu einem großen Teil an der Zensur-Geschichte vieler seiner Filme liegen, dass diese noch nicht völlig in der Versenkung verschwunden sind. So sind zum Beispiel SadoMan-Eater/Antropophagus und Absurd/Antropophagus 2 in ihren ungekürzten Fassungen in Deutschland nach wie vor beschlagnahmt.

Wer jetzt trotzdem Lust auf mehr bekommen hat, dem würde ich definitiv noch Papaya – Liebesgöttin der Kannibalen (einer meiner absoluten Lieblinge unter den deutschen Verleihtiteln) und Woodoo Baby empfehlen. Wobei ich empfehlen hier in Anführungszeichen setzen sollte, denn die „Empfehlung“ gilt natürlich nur für ausgesprochene Freunde des Masochismus – für diese hält das Schaffen D’Amatos jedoch so einiges bereit.

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?