Interview mit Lucifer Valentine (Vomit Gore Trilogie)

Vomit Gore Trilogie

Zur Veröffentlichung von Black Metal Veins, des 2012 erschienenen Werkes des Underground-Regisseurs Lucifer Valentine, freuen wir uns sehr euch ein Interview mit eben jenem präsentieren zu dürfen.

Wir lieben unser vielseitiges Horror-Genre! Neben all den guten Klassikern, Mainstream-Slashern und deren Kumpanen gibt es aber noch eine dunklere Nische: den Underground. Diese Art von Filmkunst beinhaltet oft jene Abgründe, die alle anderen meiden. Wenn wir sonst von Blut und Schrecken schon das blanke Grauen erfahren, ist es hier fast unmöglich dem Gesehenen einen Stempel aufzudrücken. Es sei erwähnt, dass sich zartbesaitete Horrorfans vorab informieren sollten, denn Filme wie die des Regisseurs Valentine (Vomit-Gore) spielen stark an der Grenze des Zumutbaren.

Und nun viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Hallo Lucifer, schön, dass Du dir die Zeit für ein paar Fragen genommen hast, ich weiß wie viel du im Moment zu tun hast.
Ich glaube, dass die meisten unserer Leser mit deiner Arbeit vertraut sind, aber für diejenigen, die es nicht sind, würdest Du dich und deine Kunst kurz vorstellen?

Ich bin Luzifer Valentine, ein Filmemacher, hahaha.

Kurz und bündig.
Deine Filme sind ziemlich abstrakt. Wie kann ich mir den Entstehungsprozess deiner Filme vorstellen?
Arbeitest du mit einem ausführlichen Drehbuch oder gibt es nur eine Idee, von der aus du arbeitest? Hast du schon ein paar exakte Bilder im Kopf?
Und wie viel Einfluss haben Cast und Crew auf den kreativen Prozess?

Nun, ich habe nie ein Drehbuch, aber ich mache mir Notizen über bestimmte Szenen, wenn es eine bestimmte Idee gibt und ich nicht vergessen möchte, was ich tue, oder ich mache einfach eine Liste der Szenen, welche ich aus rein praktischen Gründen in einer bestimmten Reihenfolge in einer Nacht drehen will.
Wenn es bestimmte Dialoge gibt, die ich einem Darsteller sagen lassen möchte, schreibe ich diese nieder und am Set lasse ich den Darsteller sie ziemlich genau diesen Text wiedergeben. Zum Beispiel besteht Ameara LaVeys „Pakt mit dem Teufel- Szene in Slaughtered Vomit Dolls aus sehr viel Text.  Anstatt sie alles auswendig lernen zu lassen, habe ich Spickzettel (Cue-Cards) erstellt, damit ich ihr den Text nach Bedarf „füttern“ kann.
Ja, oft habe ich ein bestimmtes Bild, das ich einfangen möchte, welches entstand als mir die grundsätzliche Idee zu dem Film in den Sinn kam und manchmal versuche ich dieses Bild in die Realität zu übertragen. Aber meistens ist es so, dass ich und ein Darsteller einen Rahmen bilden in dem dann spontan die Handlung stattfindet, welche ich dann festhalte. Die Art und Weise wie wir diesen Rahmen festlegen, geht vorab in die Tiefe und kultiviert unsere Beziehung im beruflichen Kontext, aber vor allem auch jene als zwei enge Freunde, die an einem Kunstprojekt zusammenarbeiten. Normalerweise sprechen wir aus Bequemlichkeit online oder per E-Mail oder SMS und dann am Tag des Drehs setzen wir uns noch einmal zusammen und reden über Dinge. Es geht also mehr darum eine angemessene Atmosphäre zu schaffen, welche Aspekte der Geschichte anstimmt und diese dann natürlich stattfinden lässt.

Ich liebe dein Sounddesign. Was sind deine Hauptinspirationen dafür?

Nun, während meiner Jugendzeit liebte ich immer sehr harte Musik sowie experimentelle Drone- und Noise-Projekte von unterschiedlichen Künstlern. Wenn ich meine Filme also in der Postproduktion entstehen lasse, beginne ich normalerweise damit, den Film auf eine überschaubare Größe zu bringen. Aber immer noch bei ungefähr der doppelten Länge, die er am Ende haben wird, zum Beispiel werde ich ihn auf 3 Stunden reduzieren, wissend, dass ich ihn tatsächlich eineinhalb Stunden haben will und dann anfangen Notizen zu machen und Klänge aufzunehmen, die ich zu den Bildern des Filmes in dieser längeren Fassung ergänzen möchte.
Die Erstellung des Sounddesigns ist einer der lohnendsten und spannendsten Aspekte des Filmemachens, da ich das Zusammenspiel der Emotionen und Bilder mit den Stimmen der Darsteller vermischt mit den Klängen, die ich hinzugebe, wirklich sehen kann. Es ist ein wirklich wunderschöner Prozess.

Wie spiegelt deine Kunst, die persönliche Sicht auf die Menschen und auf die Welt wider?

Nun, eine der wichtigsten Haltungen, die ich in meine Kunst einbringe, ist
die unvermeidliche Zerstörung der menschlichen Form: also der physischen Formen, wie wir in den „Vomit Gore“-Filmen besonders sehen, haha, und vielleicht noch wichtiger, die Zerstörung mentaler/emotionaler/psychologischer Formen. Was ich damit meine ist, dass meine Filme ein wirkliches Portal in den Bereich des nicht rationalen Geistes sind, was Carl Jung als das Unbewusste bezeichnet, in dem sich Aspekte der eigenen wahren Natur, die auch die ursprüngliche Natur von „Dunkelheit“ im Universum ist, ungehemmt durch die Grenzen des standardisierten menschlichen Denkens zeigen.
Das zeigt sich in meinen Filmen als eine verstärkte visuelle Veränderung der menschlichen Natur und vielfach in einer sehr extremen und surrealen, physikalischen Darstellung von grausamer Gewalt. Ein gutes Beispiel dafür ist in ReGOREgitated Sacrifice. Wir sehen Hank Skinny, einer Personifizierung von Bulimie, die Eingeweide einer Schönheitskönigin namens Miss Lake Washington, Amy Lee, herauszureißen und sie dann zu zwingen ihre eigenen Innereien zu fressen, damit sie in ihren weit offenstehenden Bauch kotzt. Diese Szene bezieht sich auf den archetypischen Hauptcharakter Angela Aberdeen als verlorenes Mädchen; die missbrauchte, vernachlässigte, traumatisierte, von zuhause ausgerissene Teenagerin, welche ihren Niedergang und ihre Abwärtsspirale in die Hölle auf der Straße und in Hotelzimmern auf Grund von Drogenabhängigkeit und dem Leben als Stripperin und Prostituierte wahrnimmt.
Meine Filme bestehen also daraus unterschiedliche groteske, physikalische Manifestationen von seelischem und emotionalem Schmerz, Dunkelheit und Zerstörung zu zeigen. In den „Vomit Gore“-Filmen geht dies aus dem Geist und der Seele von Angela Aberdeen hervor. Angelas Bulimie wird gezeigt als wirkliches Monster in physischer Form und es zeigt den erschreckend ekligen und zerstörerisch endlosen Kreislauf von hemmungslosem Fressen und Kotzen. Dafür bedient es sich Amy Lees Körper, um die „geschlachtete Kotz-Puppe“ (=Slaughtered Vomit Doll) alias Angela Aberdeen zu repräsentieren.

Einige Leute meinen du gehst mit deiner Kunst zu weit. Gibt es für dich selbst Grenzen? Ist irgendwas tabu?

Meine Kunst war immer sehr extrem und grausam, klar, haha. Sogar in einem jungen Alter interessierte ich mich total für sehr düstere Themen und es ist einfach der natürlichste und wahrhaftigste Weg, um mich selbst auszudrücken wie ich wirklich bin. Daher versuche ich mir nicht im Weg zu stehen und es natürlich fließen zu lassen, wenn ich mich künstlerisch betätige. Das heißt ich hindere mich selbst nicht daran, dass mein wahres Ich zum Vorschein kommt und sich manifestiert. Das Ergebnis wird dann von mir sozusagen in ein Kunstwerk geformt, das sich für im Kontext meiner Persona Lucifer Valentine richtig anfühlt. Welcher ein Charakter ist, den ich spiele als Regisseur meiner Filme, um einen passenden Kontext für die Charaktere und Geschichten zu bieten.

Ich danke Dir für deine Zeit und freue mich auf neue Projekte von Dir.


Abschließend möchte ich noch sagen, dass Lucifer Valentine keinesfalls das Monster ist für das ihn einige halten mögen.
Seid aufgeschlossen seinen Filmen gegenüber und urteilt nicht vorschnell.
Mit offenen Augen und wachem Geist sieht man oftmals mehr als nur das flimmernde Bild vor dem Gesicht.

Hier geht es zum englischen Original.

...und was meinst du?