Proxy (2013) – Review

Zack Parker liefert mit Proxy einen durchaus ansehnlichen Horror-Thriller ab, der sich mit dem „Münchhausen by Proxy“-Syndrom beschäftigt.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Proxy
USA
120 Minuten
Zack Parker
Kevin Donner, Zack Parker

Esther ist im neunten Monat schwanger, als sie auf dem Heimweg ihres ärztlichen Kontrolltermines auf offener Straße niedergeschlagen wird. Als sie kurze Zeit später im Krankenhaus erwacht, muss sie feststellen, dass ihr ungeborenes Kind tot ist. Als sie sich in einer Selbsthilfegruppe seelische Unterstützung suchen möchte, lernt sie Melanie kennen, die scheinbar ein ähnliches Schicksal erlitt. Doch plötzlich beginnt die Fassade ihrer neuen Freundin langsam an zu bröckeln…

Aufmerksamkeit durch das Erfinden von Krankheiten

Das „Münchhausen by Proxy“-Syndrom ist eine seelische Erkrankung, bei der Eltern Krankheiten ihrer Kinder oder sogar schlimmeres erfinden, um Aufmerksamkeit oder ärztliche Betreuung zu erlangen. Ein durchaus interessantes Thema, das Parker für seinen Horror-Thriller Proxy aufgreift und genau deshalb ist es etwas schade, dass er eben dieses nicht genauer durchleuchtet, sondern lediglich oberflächlich als Mittel für seine Story nutzt. Während die schauspielerischen Leistungen, gerade von Alexia Rasmussen als Esther, als auch von Alexa Havins als Melanie durchaus überzeugend sind, erfahren wir als Zuschauer leider nichts über die Hintergrundgeschichten der Charaktere, sowie die Auslöser der Erkrankung. Das ist etwas enttäuschend, denn hier wäre so viel Interessantes gewesen, das sich gelohnt hätte genauer zu betrachten. So hat man letztlich das Gefühl, dass die Charaktere, sowie die Krankheit an sich, lediglich als Mittel zum Zweck dienen und deshalb keine tiefergehende Durchleuchtung erhalten.

Wann passiert denn endlich was?

Proxy wird es vor allem aufgrund seines langsamen Erzähltempos recht schwer haben, des Zuschauers Aufmerksamkeit bis an sein Ende zu halten. Auch wenn sich der Film, gerade in der ersten Hälfte, sämtliche Möglichkeiten offen hält und es durchaus schafft, einen halbwegs anständigen Spannungsbogen herzustellen, so erzeugt er vor allem durch seine ruhige Erzählweise eine gewisse Langatmigkeit, die es dem Zuschauer schwer macht, seinen Fokus beizubehalten. Dennoch werden Fans des psychologisch angehauchten Horrors ihre Freude finden, denn aufgrund seiner verworrenen Struktur erzeugt Proxy den Eindruck in nahezu jede Richtung ausschlagen zu können und bietet uns unheimlich viel Interpretationsmöglichkeiten. Letztlich war es auch genau dieser Aspekt, der in mir einen unweigerlichen Drang auslöste aufmerksam zu bleiben und dem Verlauf gespannt zu folgen.

Im Grunde will ich nicht viele Worte über Proxy verlieren, denn nur wenn man sich jeglichen Spoilern entzieht, kann der Film funktionieren. Dadurch, dass sich der Streifen alle möglichen Richtungswechsel vorbehält und keiner klaren Erzählstruktur folgt, wird er vor allem die Zuschauer, die gerne ihre Fantasie spielen lassen, für sich gewinnen. Auch wenn das vorhandene Potential leider nicht voll ausgeschöpft wird, halte ich Proxy doch für recht sehenswert. Atmosphäre, sowie Darstellerleistungen halten sich, angesiedelt im oberen Mittelmaß, über weite Strecken aufrecht. Nahezu künstlerisch angehauchte, lange Aufnahmen sind optisch eindrucksvoll und werden auch die Arthaus-Fans begeistern. Die Gewaltdarstellung ist, trotz einiger offensiver, blutiger Szenen, durchaus überschaubar und so sind es vor allem die Bilder, die wir nicht sehen, die eine enorme psychische Brutalität erzeugen.

Freunde des psychischen Horror-Kinos, abseits des Mainstreams, werden sicherlich etwas mit Proxy anzufangen wissen. Für mein Empfinden wurde hier einfach zu viel kostbares Potential verschwendet, weshalb sich Parkers Werk leider lediglich irgendwo im Mittelfeld einordnet.

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Proxy © Ascot Elite Home Entertainment

Jan Ott

Jan Ott

Als großer Fan des Horror-Kinos, insbesondere der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein Film mitgibt. Ich freue mich darauf, mich mit euch über die unendlichen Weiten des Horror-Genres auszutauschen! 🙂
Jan Ott

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