They Look Like People (2015) – Review

They Look Like People

oder: die Bedrohlichkeit des Alltags

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

They Look Like People
USA
80 Minuten
Perry Blackshear
Perry Blackshear

Ohne Budget, aber mit viel Herzblut

Perry Blackshears Debütfilm They Look Like People ist der Inbegriff des No-Budget-Indie-Horrors. Basierend auf eigenen Erfahrungen machte sich Blackshear daran ein Skript für einen psychologischen Horror zu schreiben. Mit etwas Erspartem, drei Schauspieler_innen und Blackshear als einzigem Crewmitglied fanden die Dreharbeiten abends und an Wochenenden statt, da alle Beteiligten daneben Vollzeit berufstätig waren. Mit der Zeit lernten die Akteure sogar sich selbst zu verkabeln, zu schminken und hielten teilweise selbst während ihrer eigenen Szenen die Beleuchtung. Not macht eben erfinderisch und geringe finanzielle Mittel können durchaus mit umso mehr Engagement und Herzblut aller Beteiligten kompensiert werden.

So führt uns Blackshear durch eine Geschichte rund um Freundschaft und Vertrauen. Wir folgen Wyatt, der vor übelwollenden Mächten, die die Menschen um ihn herum in böse Gestaltwandler verwandeln, nach New York, wo er Chris, einen alten Freund aus Kindertragen trifft. Von hier an folgen wir nun einer alten Freundschaft durch widrige Umstände.

Psychologischer Horror in Perfektion

Die Story könnte genauso gut als Stoff für einen effektreichen Sci-Fi-Horror dienen. Einmal davon abgesehen, dass dies budgetär kaum möglich gewesen wäre, fokussiert sich Blackshear jedoch bewusst auf einen schnörkellosen, fast schon spröden psychologischen Horror, dessen Spannung sich aus dem Alltag speist.

Dabei ist es gerade die Alltäglichkeit, die Situationen, die wir alle schon tausend Mal durchlebt haben, aus welchen die Macher eine ungeahnte Bedrohlichkeit generieren. Dies funktioniert insbesondere daher so gut, weil fast alle von uns das Gefühl von Entfremdung und Paranoia in solchen Momenten kennen. Bei wem spielte nicht schon einmal das Kopfkino verrückt, weil sich zwei Unbekannte in der Bahn unterhielten und man das Gefühl hat, dass sie dabei immer wieder zu einem herübersehen? Oder wer hat nicht schon einer Handlung einer Person eine Bedeutung beigemessen, die von der Person gar nicht beabsichtigt war? Viele von uns haben auch hin und wieder das Gefühl, dass Personen um uns herum, sei es auf Arbeit, bei Freunden oder in der Familie, uns hintergehen und betrügen – insbesondere in jenen Momenten in denen wir uns schwach und unsicher fühlen.
Genau jene Momente des Zweifels sind es auf denen Blackshears Horror aufbaut. Geschickt durch spärliche Effekte und ein herausragendes Sounddesign wird dieser Zweifel für uns als Publikum erfahrbar gemacht beziehungsweise verstärkt. Durch diesen Stil der Inszenierung wirkt die Bedrohung dazu noch unheimlich authentisch.

They Look Like People

Wyatt und Christian nach dem großen Sockenkrieg

Es ist schlussendlich vor allem auch den Hauptdarstellern Macleod Andrews und Evan Dumouchel zu verdanken, dass der Film so ausgesprochen gut funktioniert. Die Chemie zwischen den Schauspielern ist schlichtweg stimmig. Ohne auf langweilige Flashbacks zurückzugreifen, können wir eine tiefe Verbundenheit und Intimität zwischen beiden Figuren erfahren, welche letztendlich das Rückgrat der Geschichte bildet. Diese Nähe zu den Figuren macht dann auch die einfallende Bedrohung umso intensiver.

Perry Blackshear hat mich mit seinem ehrlichen, geerdeten, überaus persönlichen Film voll getroffen. Ohne Übertreibung ist dies einer der besten psychologischen Horrorfilme der letzten Jahre und würde viel mehr Aufmerksamkeit verdienen. Schaut euch den Film also unbedingt an, seid euch aber bewusst, dass es sich hierbei um keinen blutgetränkten Horrorschocker handelt, sondern um ein Horror-Drama rund um Freundschaft und Vertrauen mit nahezu Null Budget. Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt – versprochen!

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: They Look Like People © Perry Blackshear

Terror-Floh

Terror-Floh

Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
Terror-Floh

...und was meinst du?