Beauty Water (2020) – Review

Beauty Water

Beauty Water ist ein südkoreanischer Animationsfilm und basiert auf dem gleichnamigen Webcomic rund um ein revolutionäres neues Schönheitsprodukt. Wir zeigen uns von unserer schönsten Seite und verraten euch, was der Body Horror zu bieten hat.

Originaltitel:Beauty Water
Land:Südkorea
Laufzeit:85 Minuten
Regie:Cho Kyung-hun
Drehbuch:Lee Han-bin
Cast:Moon Nam-sook, Jang Min-hyuk, Cho Hyun-jung u.a.

Von der Comic-Serie zum Animationsfilm

Manhwa ist koreanisch für Comics und während im Koreanischen der Begriff Comics aller Art bezeichnet, werden außerhalb von Korea damit spezifisch koreanische Comics bezeichnet analog zum japanischen Manga. Obwohl Manhwas eine lange Tradition in Korea haben, erlebten sie aufgrund einer strikten Zensurpolitik erst nach der Demokratisierung Südkoreas einen Aufschwung in den 90ern. Immer beliebter wurden dabei digital veröffentlichte Comicserien, sogenannte Webtoons. Eine der beliebtesten Comic-Serien ist dabei Oh Sung-daes Horror-Anthologie „Tales of the Unusual“, dessen erste Staffel von 2013 bis 2019 lief und 75 in sich geschlossene Geschichten verteilt über 278 Folgen beinhaltet. Die „Tales of the Unusual“ gibt es in einer englischen Übersetzung gratis im Internet und kann ich nur wärmstens empfehlen.

Da sich die Webcomics vor allem in China großer Beliebtheit erfreuten, wollte Produzent Jeon Byung-jin Kapital daraus schlagen und einen koreanischen Animationsfilm produzieren. Am besten verkaufte sich damals Sexklamauk oder Horror-Thriller. Geworden ist es schlussendlich eine Geschichte aus Ohs „Tales of the Unusual“, die damals in China gerade sehr populär war: „Beauty Water“. Dies war anno 2013 und es sollte noch sechs Jahre dauern, bis Beauty Water endlich das Licht der Welt erblickt.

Comic-Serie und Spielfilm erzählen beide die Geschichte rund um ein Schönheitsprodukt namens „Beauty Water“. Dieses erlaubt es Haut, Gewebe und sogar Knochen neu zu formen, als ob man Ton modellieren würde. Die Anschaffung ist jedoch sehr kostspielig und Anwendung durch Laien endet schnell mal in einer Katastrophe. Die junge, dicke Frau Yae-ji erkennt darin die perfekte Chance, endlich ihr unglückliches Leben hinter sich zu lassen. Doch die Anwendung ist nicht ungefährlich, voller Nebenwirkungen und Yae-ji ohne Skrupel, wenn es darum geht, ihr neues Leben zu behalten…

Verwässert und entschärft

Ohs Comic erzählt sehr reduziert von den Auswirkungen des Schönheitsprodukts auf Yae-ji und ihre Beziehungen, wagt sich dabei in äußerst düstere Ecken des Body Horrors vor und lässt zum Ende hin dem Wahnsinn freien Lauf. Regisseur Cho Kyung-hun ist dies jedoch offenbar zu wenig und so wird nicht nur einiges der Geschichte komplett über den Haufen geworfen, sondern auch ein völlig neuer Erzählstrang rund um Promis aus der Welt der Reichen und Schönen eingewebt. Es ist begrüßenswert, wenn ein Künstler sich fremdes Material aneignet und sein eigenes draus macht, dennoch komme ich nicht umhin, mich zu wundern, warum manche Änderungen vollzogen wurden. Denn in Beauty Water ergibt leider keine einzige der inhaltlichen Änderungen auch nur ansatzweise Sinn. Die stringente Story der Comics wird durch wirre Nebenhandlungen verwässert, die auch nicht zu Ende gedacht werden, sondern teilweise einfach irgendwo im Sand verlaufen. Schlimmer trifft es nur noch die Charaktere, deren Grundmotivation in küchenpsychologischen Albernheiten begründet wird. Laut den Filmemachern geschah dies mit der Intention, die Handlungsmotive der Protagonisten für das Publikum nachvollziehbarer zu machen – und daher ist Beauty Water auch ein Paradebeispiel dafür, was herauskommt, wenn man sein Publikum für zu dumm hält, einfachste Schlüsse selbst zu ziehen.
Doch nicht nur auf der inhaltlichen und dramaturgischen Ebene wurden überaus seltsame Entscheidungen getroffen, auch entscheidende Body-Horror-Elemente der Vorlage wurden ersatzlos gestrichen oder stark entschärft. Dabei dienen diese nicht nur als reiner Schockeffekt, sondern bestimmen auch entscheidend das Verhältnis von Yae-ji zu ihrer Umwelt. Dafür wurden andere Body-Horror-Szenen hinzugefügt, die der Geschichte rein gar nichts hinzuzufügen wissen.

Beauty Water

Lichtblicke

Als Adaption seiner Vorlage versagt Beauty Water somit auf ganzer Linie, aber die besagten Probleme einer wirren Story, lächerlichen Charakterzeichnung und fragwürdigen Einbindung der Horror-Elemente lasten auch auf dem Film, wenn man die Vorlage nicht kennt. Nichtsdestotrotz ist die Prämisse der Geschichte so faszinierend, dass diese selbst mit den Änderungen noch spannend genug ist, um am Ball zu bleiben, und auch dem starken, wahnwitzigen Ende ist man glücklicherweise halbwegs treu geblieben. Wer also das Thema spannend findet und schon immer mehr Animationsfilme aus Südkorea sehen wollte, könnte hiermit durchaus glücklich werden. Der Animationsstil ist zwar gerade bei Bewegungen etwas steif und die Kombination aus Gemaltem und CGI wirkt meist reichlich unrund, aber davon abgesehen schafft Beauty Water mit dem tollen Einsatz von natürlichen und neon-leuchtenden künstlichen Lichtquellen eine ganz eigene Atmosphäre, die dem Film sehr in die Hände spielt.

Beauty Water

Fazit

Beauty Water scheitert zwar an seiner Vorlage mit einer Menge an komplett sinnfreien Änderungen, könnte aber für alle, die die Vorlage nicht kennen, aber am Thema interessiert sind, dennoch ganz spannend sein. Cho Kyung-hun ist mit seinem Debütfilm sicher kein Meisterwerk gelungen, aber es wird trotzdem spannend zu beobachten sein, was er zum aufstrebenden südkoreanischen Animationsfilm noch alles beizutragen hat.

 

Bewertung

GrauenRating: 2 von 5
SpannungRating: 1 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung Rating: 2 von 5
Anspruch Rating: 1 von 5
GesamtwertungRating: 2 von 5

Bildquelle: Beauty Water © Ningxia Film Group

Florian Halbeisen

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