8 (2019) – Review

Im Horrorthriller 8 wird eine Familie mit den fremdartigen Einflüssen lange für überwunden gehaltenen, schaurigen Aberglaubens konfrontiert. Denn in der verwunschenen Abgelegenheit der alten Familienfarm sind halbvergessene Legenden immer noch lebendig. Wir haben für euch diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag aus Südafrika gesichtet.

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VÖ:

8 – A South African Horror Story
Südafrika
100 Minuten
Harold Hölscher
Harold Hölscher
Tshamano Sebe, Inge Beckmann, Chris April u.a.
Ab 27.02.2020 im Handel

Inhalt

William (Garth Breytenbach, Starship Troopers 3: Marauder) und Sarah Ziel (Inge Beckmann, Escape Room) sehen sich aus finanziellen Gründen gezwungen, mit Adoptivtöchterchen Mary auf die alte, verwilderte Farm „Hemel op Aarde“ in Südafrika zu ziehen, die einst Williams verstorbenem Vater gehörte. Bald machen sie Bekanntschaft mit dem mysteriösen Herumtreiber Lazarus (Tshamano Sebe, The Piano Player), der vorgibt, für den einstigen Hausherren gearbeitet zu haben. Die introvertierte Mary schließt Freundschaft mit dem Sonderling, dessen Naturverbundenheit und Spiritualität sie teilt. Teils aus Mitleid mit dem Streuner stellen die Ziels Lazarus erneut zur Arbeit auf der Farm ein, ahnen jedoch nicht, dass dieser ein finsteres Geheimnis in dem Sack auf seinem Rücken herumträgt…

Hintergrund und Kritik

Südafrika ist nicht unbedingt für seine quantitative Fülle oder den internationalen Erfolg seiner Genreproduktionen bekannt, Indieperlen wie der Westernthriller Five Fingers for Marseilles oder die internationale Co-Produktion Dust Devil verbleiben bis heute Geheimtipps. Mit 8 legt nun der Kapstädter Filmemacher Harold Hölscher sein Leinwanddebüt – hierzulande leider nur für den heimischen Bildschirm – vor, das gleich auf den ersten Blick mit visuell beeindruckender Hochwertigkeit auftrumpft. Der südafrikanische Cast, allen voran Tshamano Sebe in seiner Rolle als geheimnisumwitterter Lazarus, besticht trotz unbekannter Gesichter inmitten wundervoller Landschaftsaufnahmen.

Sorgsam breitet Hölscher die verschiedenen Elemente seines atmosphärischen Gruseldramas vor dem Zuschauer aus, das – wie so oft – mit dem Bezug eines abgelegenen, bröckelnden Landhauses seinen Anfang nimmt. Ein einnehmendes Set Design und eine wohlgeführte Kamera bestimmen den gedämpft-trügerischen Grundton von 8, der den Film bis zum Finale trägt und nur selten unterbrochen wird. Ab dem Mittelteil ist es vor allem Sebes hervorragende Performance als gottverlassener, rastloser Bürdenträger, der diese geheimnisvolle Aura in sich bündelt. Verstärkt wird Lazarus‘ eigenartige Strahlkraft durch geschickte, traumhaft anmutende Kamerashots, fremdartige Klänge und den Einsatz mehrschichtiger Insektenmetaphorik. Lazarus fühlt, sieht und erlebt anders als die weißen Protagonisten des Films, einzig Töchterchen Mary, weit feingeistiger veranlagt als ihre Stiefeltern, vermag seine Weltsicht im Ansatz zu teilen. Die titelgebende, verschlungene Ziffer 8 symbolisiert die beiden unterschiedlichen Realitäten, die sich ausgerechnet am Standort der Ziel-Farm miteinander verkreuzen und den Spuk ermöglichen, der bald über die Familie hereinbricht.

Larven, Raupen und Motten in den verschiedenen Stadien ihrer Metamorphose werden vor den Augen des Zuschauers Träger der Geheimnisse, die den düsteren Wanderer Lazarus umgeben. Hölscher bezog seine Inspiration aus der indigenen Folklore Südafrikas, in der Geisterglaube, Seelenwanderung und Tiersymbolik bis heute eine Rolle spielen. Wie in Dust Devil ist es diese den Weißen völlig fremde und nur eingeschränkt verständliche Realität, die den empfundenen Horror mitträgt. Und obwohl die subtilen Andeutungen eines sich zuspitzenden, lauernden Grauens gut funktionieren, liegt in der Gemächlichkeit von 8 leider auch dessen größte Schwäche. Bei allem handwerklichen Können gelingt es Hölscher nämlich nicht, aus seiner stimmigen Ausgangsposition eine Inszenierung zu schaffen, die mehr als nur mäßig interessant ist.

Symbolismen, gelungenes Kammerspiel und trügerische Entschleunigung wirken zwar wie aus einem Guss, kommen jedoch zu mutlos und introvertiert daher, um länger zu fesseln. Dazu kommt, dass der Filmer sein eigenes Ungeheuer zu missverstehen scheint oder kontraintuitiv konzipiert. Fixt die starke Anfangsszene von 8 den Zuschauer noch sehr an, indem er nur teilweise – gerade genug, um ein Schaudern zu erzeugen – den monströsen Inhalt von Lazarus‘ Sack preisgibt, krabbelt und schleicht dieser bald als Motor halbgarer Jumpscares herum und führt deplatzierte Dialoge. Ohne dabei wirklich gut auszusehen oder eine spannende Figur zu sein. Langweilig ist 8 zwar zu keiner Zeit, dennoch vollbringt er es so auf verwirrende Weise, aus seiner Grundprämisse etwas viel Uninteressanteres zu machen, als sie sein könnte.

Schade – denn es hätte alles so schön sein können. Im Gegensatz zu den Motten im Film gelingt es Harold Hölschers Leinwanddebüt jedoch nicht, sich vollständig aus dem Kokon seiner eigenen Beschränkungen zu befreien – ein wenig mehr Kraft, ein wenig mehr Mut und Risikobereitschaft, und 8 wäre ein wirklich toller Film geworden.

Fazit

8 ist ein atmosphärischer Folklore-Gruselthriller, der ein im Genre unterrepräsentiertes Land mit seinem beeindruckenden Handwerk bereichert. Die immense Strahlkraft seiner zerrissenen, ambivalenten Hauptfigur Lazarus und deren Darstellers trägt den Film maßgeblich und wird durch einen überaus stimmigen Cast, tolles Set Design und ein Gespür für die Erzeugung schauriger Atmosphäre abgerundet. Leider fehlt es 8 jedoch an entscheidenden Stellen an Eigenständigkeit, Dynamik und faszinatorischer Sogkraft. Als Erstlingswerk beeindruckt er, vor allem technisch, jedoch überaus – einen Blick ist er allemal wert und man darf gespannt sein, welche Projekte Hölscher als nächstes angeht.

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung rating3_5
Anspruch Rating: 3 von 5
GesamtwertungRating: 3 von 5

Ab 27.02.2020 im Handel:

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Bildquelle: 8 © Black Hill Pictures/Koch Media

 

Alexander
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