The Editor (2014) – Review

The Editor

Die kanadische Filmschmiede „Astron-6“ liefert mit The Editor eine liebevolle Hommage an den italienischen Giallo und trifft dabei voll ins Schwarze.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

The Editor
Kanada
95 Minuten
Adam Brooks, Matthew Kennedy
Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney
Paz de la Huerta, Adam Brooks, Matthew Kennedy u.a.

Hintergründe und Inhalt

Der Giallo, ein Subgenre des italienischen Thrillers, erfreut sich bei Cineasten bis heute große Beliebtheit. Einflussreiche Regisseure wie Mario Bava, Dario Argento, Sergio Martino oder Lucio Fulci prägten den Giallo mit ihrem völlig eigenen Stil, der Filmemacher über Jahrzehnte hinweg inspirierte. 2014 nahm sich schließlich „Astron-6“ dem Ganzen an und veröffentlichte mit The Editor eine parodistische Liebeserklärung.

The Editor erzählt die Geschichte des ehemals erfolgreichen Film-Cutters Rey Ciso, der bei einem Unfall im Schneideraum vier Finger verlor und nun ein trostloses Dasein mit dem Schneiden billiger Trash-Filme fristet. Das ändert sich aber als bei den Dreharbeiten eines Horrorfilms mehrere Darsteller Opfer eines vermeintlichen Killers werden. Da den brutal Hingerichteten ebenfalls vier Finger abgetrennt wurden, eben jene, die auch Rey vermisst, wird dieser schnell zum Hauptverdächtigen und rückt ins Zentrum der laufenden Mordermittlungen. Während Rey versucht auf eigene Faust seine Unschuld zu beweisen, beginnt er langsam aber sicher an seinem Verstand zu zweifeln. Könnte er vielleicht doch der Mörder sein, ohne sich an die Morde zu erinnern?

Kritik

Adam Brooks, Mitbegründer der Produktionsfirma „Astron-6“ (Father’s Day, Manborg), und Matthew Kennedy lassen mit The Editor den Geist des Giallos in allen Belangen hochleben und orientieren sich dabei an Klassikern wie Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe von Dario Argento oder Die Nacht der blanken Messer von Andrea Bianchi.

The Editor lebt von der klassischen Giallo-Storyline rund um einen maskierten Killer, der seine Opfer auf besonders brutale, teils recht kreative Weise um die Ecke bringt und dessen eigentliche Identität erst im Grande Finale enthüllt wird. Auch optisch bleiben Brooks und Kennedy den großen Vorbildern treu und transferieren den stilechten Retro-Look der Marke Bava oder Argento mittels satter, neongetränkter Farben auf die heimischen Bildschirme. Untermalt wird das Ganze dabei von einer synthesizerlastigen Klangwelt, die stark an Bands wie Goblin und Co. erinnert.

The Editor

Wer jedoch geglaubt hat mit The Editor einen ernstgemeinten Beitrag zum Genre geboten zu bekommen, der hat sich verschätzt. Der Film ist eine herrliche Parodie und wer mit dem Humor von „Astron-6“ vertraut ist, weiß, dass man hier in jede noch so kleine Kerbe schlägt. Überzogene Charakterzeichnung, bizarre Momente oder weibliche Full-Frontal-Nudity sind neben gewollt schlechten Darstellen, hölzernen Dialogen sowie dem klassisch überzeichneten Dubbing nur die Spitze des Eisberges, der eine Fülle von Persiflagen auf vergangene Tage bereit hält. Kenner des Genres werden ihre helle Freude haben, wenn typische Elemente bekannter Giallo-Streifen derart ins Lächerliche gezogen werden, dass man nicht anders kann, als sich vor Lachen den Bauch zu halten. Bei Genre-Neulingen werden einige Gags, vielleicht nicht ganz den Nerv treffen, den sie treffen sollten. Dennoch schafft es Brooks, dank seiner offenkundigen Zuneigung für italienische Kriminalfilme, die Zuschauer über die gesamte Spielzeit bei Laune zu halten und sie möglicherweise sogar in die mit Neonfarben durchtränkte Welt der Giallos einzuführen.

The Editor

Fazit

The Editor ist unterm Strich eine liebevoll inszenierte Hommage an den italienischen Giallo, die mittels bekannter Versatzstücke des Genres und deren parodistischer Überzeichnung nicht nur bei Fans für den einen oder anderen Lacher sorgen wird.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 3 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: The Editor © Pierrot Le Fou

Jörg

Horrorfilme sind wie Essen. Zwischen dem immer gleichschmeckenden Fast Food, gibt es auch mal kulinarische Höhepunkte, die es aber nur zu Erkunden gibt, wenn man sich auch mal traut, etwas Neues auszuprobieren.
Jörg

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