Quiet Comes the Dawn (2019) – Review

Rassvet

Okkulte Sekten, Schlafdämonen und luzide Träume sind die vielversprechenden Zutaten von Pavel Sidorovs Regiedebüt Quiet Comes the Dawn. Wir haben uns ins Reich der Alpträume begeben und den russischen Horror-Thriller vorab für euch geschaut.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

Rassvet
Russland
98 Minuten
Pavel Sidorov
Evgeny Kolyadintsev
Alexandra Drozdova, Aleksandr Molochnikov, Anna Slyu u.a.
Ab 30.01.2020 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich

Inhalt

Nachdem ihr Bruder unter mysteriösen Umständen gestorben ist, wird Sveta von lebhaften Alpträumen geplagt. Beim Ausräumen seiner Wohnung stößt die junge Frau auf zahlreiche Berichte über eine religiöse Gemeinschaft namens „Sekte der Morgendämmerung“. Die Sekte verehrte einen ominösen Schlafdämon, verschwand aber nach einem Massensuizid vor einigen Jahren von der Bildfläche. Auf der Suche nach Antworten stößt Sveta auf das Institut für Somnologie, das Patienten mithilfe einer experimentellen Schlaftherapie zu heilen verspricht. Gemeinsam mit anderen Probanden versetzt man Sveta dort in einen Klartraum, in dem die Teilnehmer mit ihren Ängsten konfrontiert werden und sich gegenseitig bei deren Bewältigung helfen sollen. Doch das Institut verfolgt eigene Ziele, und so findet die Gruppe sich schon bald in einem Alptraum wieder, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Kritik

Russland ist für vieles bekannt – überragende Genre-Produktionen zählen nicht unbedingt dazu. Diesen Umstand wollen die Macher von Quiet Comes the Dawn ändern und greifen dazu auf ein klassisches Horrormotiv zurück: den Alptraum. Von Nightmare – Mörderische Träume bis hin zu Horsehead haben Filmemacher mit den Schrecken des Unbewussten gespielt, die über den Träumer hereinbrechen, sobald er vom Schlaf übermannt wurde. Die symbolisch aufgeladenen Traumwelten wachsen sich mitunter aus zu surrealen Filmgemälden, die den Zuschauer selbst in eine Art Wachtraum zu versetzen scheinen.

Bereits die alltägliche Welt wirkt in Quiet Comes the Dawn seltsam unwirklich. Die Handlung konzentriert sich zunächst auf Svetas Wohnung, in deren banaler Einrichtung vor allem die geometrisch gemusterte Tapete im langgezogenen Flur auffällt – die Kamera spielt mit diesem Detail und erzeugt so einen halluzinatorischen Sog, der dem ansonsten unauffälligen Ort einen surrealen Anstrich verleiht. Das mag auch daran liegen, dass die Protagonistin zumeist im zartfließenden Nachthemd durch die Szenerie schwebt und selbst im Wachzustand stark an eine Somnambule erinnert. In der Wohnung ihres Bruders, die sich als ausgewachsenes Kuriositätenkabinett erweist, verdichtet diese fantastische Atmosphäre sich weiter und offenbart auch ihre bedrohlichen Züge.

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Solche Schauwerte sind es auch, die den Film tragen, denn während das Set-Design von vorn bis hinten überzeugt, wirkt die Hauptdarstellerin – deren Ängste uns der Film eigentlich nahezubringen sucht – neben der bereits erwähnten Tapete relativ farblos. Außer ihrem sylphenhaften Äußeren bringt Alexandra Drozdova, die in Quiet Comes the Dawn ihr Schauspiel-Debüt gibt, wenig in die Gestaltung der Rolle ein – wobei das Drehbuch nicht gerade eine große Hilfe gewesen sein dürfte. Auch die übrigen Figuren warten zwar mit erschütternden und spannenden Hintergrundgeschichten auf, fallen aber, sobald sie im Wachtraum mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert werden, wie die Fliegen und dürfen nur zurückkommen, um als seelenlose, aber mordlustige Hüllen der Protagonistin das Leben schwer zu machen.

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Spannung kommt währenddessen trotzdem nicht auf. Das Institut für Somnologie sorgt als riesenhafter Bürokoloss, der schon am helllichten Tag wie ein Lost Place aussieht, zwar für ein Gefühl der Beklemmung, doch Regisseur Pavel Sidorov hat ein feines Gespür dafür die aufkeimende Atmosphäre durch schlecht platzierte Jump-Scares schnell wieder verpuffen zu lassen. Spätestens, wenn Sveta sich zum dutzendsten Mal mit angsterfülltem Gesicht umdrehen muss, weil irgendjemand oder -etwas hinter ihr steht, meint man eine leise Verzweiflung zu spüren. Irritierend sind auch die teils fragwürdigen CGI-Aussetzer, die zum ansonsten hochwertigen Look des Films in seltsamem Missverhältnis stehen.

Das Ende kommt dann auch wenig überraschend und bestätigt eigentlich nur, was ohnehin jedem Horrorfan längst klar war, denn natürlich dienen die Mitarbeiter des Instituts keineswegs nur der Wissenschaft. Ein Sinn lässt sich hinter dem Treiben am Ende dennoch nicht erkennen, da der Film die zahlreichen Logiklöcher großzügig unter „Traumlogik“ zu verbuchen scheint und Sidorov es schließlich wohl selbst leid war, die Fäden wieder zu entwirren – vielleicht ist er aber auch nur auf dem Regiestuhl eingeschlafen.

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Fazit

Quiet Comes the Dawn überzeugt mit hochwertigen Kulissen und spannenden Einfällen, die allerdings nur unzureichend umgesetzt werden. Der Plot hätte die Vorlage für einen spannend und unheimlich inszenierten Mystery-Thriller liefern können, doch aufgrund mangelnder Kreativität und einer ziellosen Regie sorgt der Film statt für Gänsehaut eher für ein herzhaftes Gähnen.

 

Bewertung

GrauenRating: 2 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härte Rating: 1 von 5
Unterhaltung Rating: 2 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 2 von 5

Ab 30.01.2020 im Handel:

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Bildquelle: Quiet Comes the Dawn © Eurovideo

Catherin

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