A Tale of Two Sisters (2003) – Review

The Tale of Two Sisters

In A Tale of Two Sisters wird eine zerrüttete Familie von Geistern heimgesucht, die eng mit deren unaufgearbeiteten Vergangenheit verbunden sind. Wir haben den Film für euch genauer unter die Lupe genommen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

Janghwa, Hongryeon
Südkorea
110 Minuten
Kim Jee-woon
Kim Jee-woon
Lim Su-jeong, Moon Geun-young, Yeom Jeong-a
Ab 29.11.2019 als Mediabook erhältlich

Inhalt

Die Schwester Su-mi (Lim Su-jeong, I’m a Cyborg, But That’s OK) und Su-yeon (Moon Geun-young) kehren nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nach Hause zurück. Das Familienhaus liegt inmitten einer grünen Idylle und sollte sich eigentlich besonders gut für eine weitere Genesung eignen, wäre da nicht die neue Frau des Vaters (Yeom Jeong-a, Three… Extremes). Das Verhältnis ist angespannt und an ein harmonisches Familienleben ist nicht zu denken. Vor allem Su-mi begegnet der Stiefmutter mit Misstrauen und Verdächtigungen. Die Situation spitzt sich immer weiter zu und schlussendlich kommt ein Familiengeheimnis ans Licht, das sorgsam im Haus verschlossen war.

Kritik

Die Inspiration für A Tale of Two Sisters entstammt dem koreanischen Volksmärchen „Janghwa Hongnyeon jeon“ aus der Joseon-Dynastie. Dieses handelt von dem Konflikt der beiden Schwestern Janghwa und Hongryeon mit ihrer Stiefmutter, der ein trauriges Ende nimmt. Es ist ein eher nachdenkliches Märchen, mit einem bittersüßen Schluss. Kim Jee-won (I Saw the Devil) hat sich für seinen Film nicht nur der tragischen Geschichte bedient, sondern auch der märchenhaft Atmosphäre.

Ähnlich wie die traditionelle Form des Märchens, das Volksmärchen, verbindet auch A Tale of Two Sisters Grauen mit sentimentaler Schönheit. Das Haus besitzt mit seiner viktorianischen Fassade, der knalligen, farbigen Tapete und den dunklen, schweren Möbeln einen dominierenden Charakter. Kim Jee-woon und sein Artdirektor Cho Geun-hyun haben ein Auge für die kleinsten Details, sodass ein außergewöhnliches Set-Design entstanden ist. Das extreme Spiel mit Farben und Mustern erinnert zeitweise an die Optik des italienischen Giallo.
Für die zerrüttete Familie ist das Haus zwar der Ort, an dem Albträume wahr werden, aber auch gleichzeitig der Schlüssel zur Auflösung des familiären Konflikts. Es ist wahrlich ein Geisterhaus, denn es hält vergangene Ereignisse gefangen, die nicht aus den Köpfen der Protagonisten verschwinden.

The Tale of Two Sisters

Während das Haus als eine Art Konservendose für das Trauma wirkt, das sich dort abgespielt hat, sind die Familienmitglieder durch eben dieses miteinander verbunden. Der Zuschauer erfährt erst im Laufe des Films, was sich in dem Haus abgespielt hat und wieso das Verhältnis so zerrüttet ist. Die unangenehme Atmosphäre wird von Beginn an kontinuierlich auf die Spitze getrieben.

Insbesondere gelingt dies durch die eindrucksvollen Darstellungen von Lim Su-jeong und Moon Geun-young. Beide verstehen es, den inneren Schmerz und die Verwirrung ihrer Figuren einfühlsam darzustellen. Sie sind misstrauisch und trotzig, signalisieren den Menschen in ihrer Umgebung aber durch kleine Gesten, dass niemand das starke emotionale Band zwischen ihnen durchbrechen kann.

Ihnen gegenüber steht die ebenfalls emotional angeschlagene Stiefmutter. Bereits in der Begrüßungsszene mit den Schwestern, gleitet sie als eine elegante, geisterhafte Erscheinung durch das Haus. Aber ihre selbstlos Art trügt, denn sie hat ihrem Ehemann und den Haushalt fest im Griff, die Mädchen scheinen ihr wohlbehütete Ordnung nur zu gefährden. Somit wird die Beziehung zwischen Kindern und Stiefmutter von einer unheilvollen Dynamik, aber auch gleichzeitig von einer kommunikativen Barriere bestimmt. Weder der Stiefmutter noch den Schwestern gelingt es, sich mit dem jeweils anderen auseinanderzusetzen, die drei Frauen sprechen miteinander, reden aber aneinander vorbei. Diese Sprachlosigkeit visualisiert der Regisseur durch die Albträume der Schwestern, die übernatürlichen Gestalten und Halluzinationen. Der Horror wird nicht durch billige Jumpscares oder ausufernde Gewalt dargestellt, sondern entspringt den Persönlichkeiten der Figuren. Der Vater, der den Konflikten lieber aus dem Weg geht und alles verdrängt, die destruktive Stiefmutter, die durch Manipulation ihre Stellung innerhalb der Familie aufrechterhält, und die Schwestern, die sich an die Vergangenheit klammern. Verbale und körperliche Gewalt sind am Ende nur Symptome dieser Abwärtsspirale.ataleoftwosisters

Fazit

Kim Jee-woon hat einen starken Genremix aus Familiendrama und asiatischer Geistergeschichte geschaffen, der seinen Zuschauer durch die albtraumhafte Atmosphäre in den Bann zieht. Die Geschichte um die zwei Schwestern besticht durch komplexe Symbolik, eine vielschichtige Komposition und eine spannende Narrative, die keine Eindeutigkeit erlaubt. So ist es möglich, den Film mehrmals anzusehen, um immer wieder einen neuen Blick auf die Geschichte zu bekommen. Man kann der Narrative nicht trauen und sollte eigene Schlüsse ziehen.

Bewertung

GrauenRating: 4 von 5
SpannungRating: 4 von 5
HärteRating: 1 von 5
UnterhaltungRating: 5 von 5
AnspruchRating: 4 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Ab 29.11.2019 von Capelight als Mediabook (Bluray + DVD) erhältlich.

Das Mediabook ist mit deutschem und koreanischem Ton in HD-DTS MA 5.1 ausgestattet sowie mit deutschen Untertiteln.

Bonusmaterial:

  • 24-seitiges Booklet
  • Audiokommentar von Regisseur Kim Jee-woon und den Darstellern Yeom Jeong-Ah und Lim Soo-jung
  • Einstündiges Making-of über die Entstehung von A TALE OF TWO SISTERS
  • 12 nicht verwendete Szenen mit Audiokommentar von Kim Jee-woon + Szenenvergleich
  • Ausführliche Interviews mit den Darstellern
  • Eine Analyse von Regisseur Kim Jee-woon
  • Kim Jee-woon über die Faszination des Horrorfilms
  • Der Film aus der Sicht eines Psychiaters
  • Eine Nachricht von Su-Yeon
  • Eine Nachricht von Su-Mi
  • Originaler Kinotrailer

Bildquelle: A Tale of Two Sisters © capelight pictures

Jana

Horrorfilme… sind für mich eine Möglichkeit, Angstsituationen zu erleben, ohne die Kontrolle zu verlieren. Es ist eine positive Art der Angst, da sich ein Glücksgefühl einstellt, sobald man die Situation durchgestanden hat. Es ist nicht real – könnte es aber sein. Das ist furtchteinflößend und gleichzeitig faszinierend.
Jana

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