I Am Mother (2019) – Review

I Am Mother

Die Menschheit scheint ausgelöscht und ein Roboter dafür zuständig, diese wieder neu zu bevölkern. Dies ist die spannende Ausgangssituation im Sci-Fi-Thriller I Am Mother.

Originaltitel:
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Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

I Am Mother
Australien
115 Minuten
Grant Sputore
Grant Sputore, Michael Lloyd Green
Rose Byrne, Hilary Swank, Clara Rugaard u.a.
Ab 22.08.2019 im Kino

Inhalt

In I Am Mother wird ein kleines Mädchen von einem Roboter großgezogen. Beide leben in einer von der Außenwelt abgeschotteten, technologisch sehr weit entwickelten Bunkeranlage. Der Roboter, der von dem Mädchen nur als Mutter angesprochen wird, hat die Aufgabe, die Erde nach einer schweren Tragödie, welche die gesamte Menschheit auslöschte, neu zu bevölkern. In der Anlage warten unzählige Embryos darauf zum Leben erweckt zu werden – das Mädchen, das von dem Roboter nur als Tochter angesprochen wird, war einst einer davon.
Die Tochter wird von ihrer Mutter umsorgt und unterrichtet – insbesondere in Philosophie und Ethik. Gut behütet, aber ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt, wächst sie zur Teenagerin heran. Das Leben der jungen Frau wird jedoch komplett auf den Kopf gestellt, als eines Tages eine schwer verwundete Frau an die Tore der Anlage klopft. Nach anfänglichem Zögern lässt die Tochter sie herein. Wie kann die Fremde überhaupt überlebt haben, wenn die Außenwelt angeblich komplett verseucht ist? Doch nicht nur ihre Mutter, sondern auch die fremde Frau, scheinen nicht ganz ehrlich mit der Heranwachsenden zu sein. Was steck wirklich hinter der Anlage und welchen Zweck erfüllt sie?

Kritik

I Am Mother beginnt mit einer Collage, die das Entstehen und Heranwachsen der Tochter in der Obhut des Mutter-Roboters zeigt. Dem Film gelingt es gut, die seltsame Symbiose zwischen namenloser Mutter und namenloser Tochter darzustellen. Wir bekommen ihre alltägliche Routine zu sehen, aber vor allem auch einen Einblick in ihre Beziehung. Alles wirkt überaus harmonisch und sieht nach einer liebevollen, wenn auch etwas skurrilen Mutter-Tochter-Beziehung aus. Jedoch scheint schon hier durch, dass wohl nicht alles Gold ist, was glänzt und hinter der polierten Fassade des Androiden noch so manches Geheimnis lauert. Schon die kleinsten Versuchungen der Außenwelt werden konsequent von Mutter abgeblockt. Dadurch wird nicht nur die Neugierde auf das Verborgene geweckt, sondern durch den subtilen, aber aggressiven Unterton auch eine ominöse Bedrohung erzeugt. Von wem wurde Mutter programmiert, was ist ihre eigentliche Aufgabe und welche Rolle spielt Tochter dabei?

Clara Rugaard als Tochter in I Am Mother

Clara Rugaard als Tochter

Der Sci-Fi-Film bietet grundsätzlich eine überaus spannende Ausgangssituation. Gerade die abseits von anderen Menschen aufwachsende Tochter, die ihre Artgenossen nur aus einer Late-Night-Show kennt, würde sich anbieten, um die Conditio humana zu erkunden. Leider scheinen Regisseur und Co-Autor Grant Sputore und Co-Autor Michael Lloyd Green, die bislang nur mit ein paar Kurzfilmen in Erscheinung getreten sind, daran nicht sonderlich viel Interesse zu haben. Auch andere Themen rund um Künstliche Intelligenz, wie deren Fähigkeit zur Liebe, werden nur kurz angerissen, aber nie wirklich behandelt. Im Mittelpunkt steht zweifelsfrei ihr Volten schlagendes Drehbuch, welches, wie viele Debütwerke, nur so vor Ideen strotzt. Entsprechend gehetzt fühlt sich der Film zeitweise an, da in knapp zwei Stunden sehr viel untergebracht werden will. Leider gilt das in erster Linie für mehr oder weniger intelligente Plottwists, die, auch aufgrund ihrer Vorhersehbarkeit, schlussendlich etwas im Sand verlaufen. Manchmal wäre weniger mehr und eine geradlinigere Story auch dramaturgisch besser zu handhaben, als ein überambitioniertes Drehbuch, dem man letztlich nicht gerecht wird.

Gerade die drei Hauptcharaktere und deren Sehnsüchte, Wünsche und Ängste bleiben bedauerlicherweise auf der Strecke. Das Duo steckt zwar durchaus viel Zeit in die Darstellung der Mutter-Tochter-Beziehung, aber insbesondere die von Clara Rugaard verkörperte Tochter bleibt erstaunlich blass. Dies ist jedoch keineswegs der Jungschauspielerin anzulasten, die ihr Talent durchaus unter Beweis stellt. Wirklich ins Stolpern gerät die Geschichte mit der von Hilary Swank (The Gift) gespielten fremden Frau. Diese wird vom Drehbuch als Mutterkonkurrenz ins Spiel gebracht, kann diese Rolle aber nie wirklich ausfüllen, worunter die Handlungslogiken aller involvierten Charaktere merklich leiden.

Hilary Swank als die Fremde in I Am Mother

Hilary Swank als Stellvertreterin einer alten Zeit

Dem Unterhaltungswert tut das allerdings keinen allzu großen Abbruch, da im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Filmen wie Alex Garlands Ex Machina der Fokus nicht auf eine philosophische Auseinandersetzung, sondern die flotte Inszenierung eines Sci-Fi-Thrillers gerichtet ist. Gerade die klaustrophobische Atmosphäre in der Bunkeranlage wird von der Kamera sehr gut eingefangen und die Plottwists schaffen es zumindest, die Aufmerksamkeit immer wieder aufrecht zu erhalten. Von der faszinierenden Außenwelt bekommen wir, vermutlich aufgrund des moderaten Budgets, nur wenig zu sehen, doch die wenigen Aufnahmen sind dafür umso großartiger. Gerade die CGI-Effekte, für die unter anderem Peter Jacksons Weta Workshop verantwortlich war, sind auf sehr hohem Niveau. Für einen reinen Sci-Fi-Action-Thriller neigt I Am Mother schlussendlich allerdings zu sehr zum Kammerspiel und zu wenig zur Action.

Der Mutter-Roboter in I Am Mother

Der Mutter-Roboter: Sind Maschinen zu Liebe fähig?

Fazit

I Am Mother hat viele gute Ideen, macht durchaus Spaß und sieht toll aus, lässt aber im Endeffekt viel Potential liegen. Leider wirkt der Film etwas unentschlossen, wo er hin will und hat gleichzeitig zu viele Ideen, unter deren Last er schlussendlich zusammenbricht. Für einen Action-Thriller ist er zu langatmig, für ein Sci-Fi-Kammerspiel in seinen Thesen zu unausgegoren. Trotz aller Schwächen bleibt I Am Mother ein durchaus sehenswerter Sci-Fi-Streifen, dem Fans solcher Filme durchaus eine Chance geben sollten.

 

Bewertung

GrauenRating: 1 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte Rating: 1 von 5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 3 von 5
GesamtwertungRating: 3 von 5

Bildquelle: I Am Mother © Concorde Filmverleih GmbH

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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