12 Feet Deep (2017) – Review

12 Feet Deep

Vom Zu-lange-im-Wasser-bleiben bekommt man Schrumpelhaut an den Fingern. Das lernt man bereits als Kind. Welche Gefahren sich aber außerdem ergeben können, wenn man im Wasser eingesperrt ist, zeigt uns der amerikanische Thriller 12 Feet Deep.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

12 Feet Deep
USA
86 Minuten
Matt Eskandari
Matt Eskandari, Michael Hultquist
Alexandra Park, Nora-Jane Noone, Tobin Bell u.a.

Die beiden Schwestern Bree und Jonna wollten eigentlich vor dem Wochenende nur noch ein paar letzte Bahnen im Schwimmbad ziehen. Durch ein Missgeschick müssen beide nach Badeschluss das Becken noch einmal betreten. Der Bademeister schließt daraufhin die Bedeckung des Pools ohne zu merken, dass sich Bree und Jonna noch immer darin befinden. Panik und Verzweiflung macht sich bei den jungen Frauen breit, bis irgendwann die Nacht-Hausmeisterin auftaucht und die Rettung somit sicher scheint. Diese hat allerdings ganz eigene Pläne mit den eingesperrten Schwestern…

Soviel vorweg: 12 Feet Deep ist definitiv nicht das nervenzerrende, klaustrophobische Kammerspiel, wie es die durchaus spannende Grundidee hergeben würde. Gerade zu Beginn bewegt sich der Film fast ausschließlich auf einer psychologischen Ebene. Unmittelbar nachdem die beiden Schwestern in die missliche Lage geraten sind, bekommen wir nämlich erste Eindrücke in das Verhältnis der beiden zueinander und auch in deren Gefühlswelten serviert. Hier punktet 12 Feet Deep schon früh mit einem interessanten zwischenmenschlichen Disput und persönlichen Problemen zwischen Traumabewältigung, Neid und suizidalen Tendenzen. Reichlich früh fängt dieses Beziehungs-Konstrukt jedoch an zu bröckeln und wird mit immer mehr Klischees beladen, sodass es letztendlich unter dem vom Drehbuch aufgebürdeten Gewicht zusammenbricht. Das Bild eines alkoholabhängigen und gewalttätigen Vaters beispielsweise hat man in der hier präsentierten Form einfach schon zu häufig gesehen. An dieser Stelle ist es den beiden Darstellerinnen Alexandra Park (Ben Is Back) und Nora-Jane Noone (The Descent) zu verdanken, dass der Film nicht direkt absäuft. Diese tragen ihn mit ihrer Darstellung über weite Strecken und können die überladenen und im späteren Verlauf auch immer unglaubwürdigeren Gefühlswelten und Schicksalsschläge der Vergangenheit trotzdem noch recht authentisch rüberbringen.

12 Feet Deep

Wenn dann die bereits erwähnte Hausmeisterin ins Spiel kommt, ist das im Grunde ein vielversprechender Ansatz. Allerdings spiegeln sich hier erneut die Schwächen des Drehbuchs bei der Überkonstruktion der persönlichen Schicksalsschläge wider. Ähnlich wie die Schwestern teilt nämlich auch diese eine traurige und entmutigende Vergangenheit und benutzt die Gefangenen daher für ihre eigene perfide Traumabewältigung. War diese Art der Charakterzeichnung bei den beiden Hauptdarstellerinnen schon teils unglaubwürdig, wird die Absurdität mit dieser dritten Person förmlich auf die Spitze getrieben.

Auffällig ist bei vielen Filmen dieser Art (z.B. Devil oder Buried Alive), dass häufig mit Rückblenden, Traumsequenzen oder Szenen von außerhalb gearbeitet wird, um mehr emotionale Tiefe zu erzeugen und hin und wieder auch den Handlungsort zu wechseln. Bei 12 Feet Deep wird auf derlei Mittel erfreulicher Weise fast gänzlich verzichtet. Dass sich die Handlung über die gesamte Länge wirklich nur in dem Becken selbst oder eben am Beckenrand abspielt, ist eine erfrischende Abwechslung.
Dies sorgt hauptsächlich in der ersten Hälfte für solides Mitfiebern, allerdings gehen spätestens im letzten Drittel den Machern dann doch die Ideen für diesen einen Schauplatz aus. Allerhand Logiklöcher sorgen zudem ebenfalls dafür, dass der potentielle Spannungsbogen diverse Male abflacht. Einige Längen lassen sich trotz der relativ geringen Laufzeit von 86 Minuten ebenso wenig von der Hand weisen, wie eine zunehmende Vorhersehbarkeit.

12 Feet Deep

Durch all die vorher erwähnten Schwächen kommt 12 Feet Deep insgesamt leider nicht über ein durchschnittliches Mittelmaß hinaus. Dennoch muss man ihm zugestehen, dass er trotz der hohen Klischeedichte und der Spannungsarmut zum Ende hin doch über weite Strecken zumindest seichte Unterhaltung bietet. Wem der Trailer zusagt, der kann mit einer niedrig gehaltenen Erwartungshaltung durchaus unbedenklich zugreifen. Verpassen tut man aber definitiv auch nichts, wenn man 12 Feet Deep getrost auslässt.

 

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: 12 Feet Deep © Tiberius Film

Robert

Robert

Horrorfilme sind für mich die beste Möglichkeit, die Grenzen des Zumutbaren und des eigenen Sehvergnügens auszuloten und neu zu definieren. Außerdem gibt es kaum ein anderes Genre, das so viele verschiedene gute Ideen, Möglichkeiten und Geschichten hervorbringen kann, da, ähnlich wie im Science-Fiction, einfach alles möglich ist. Es ist faszinierend, wie stark einen gute Horrorfilme in ihren Bann ziehen können und dabei sowohl schockieren als auch unterhalten.
Robert

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