Painless – die Wahrheit ist schmerzhaft (2012) – Review

Painless

Spanien zur Bürgerkriegszeit. Kriegsverbrechen, Folter und ein paar wenige, spezielle Kinder, die noch viel mehr zu ertragen haben als das. Klingt nach Guillermo Del Toro? Stimmt! Es ist jedoch das Spielfilm-Debüt von Juan Carlos Medina.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Insensibles
Spanien/Frankreich/Portugal
100 Minuten
Juan Carlos Medina
Luiso Berdejo und Juan Carlos Medina

Inhalt

In einem kleinen Dorf in Spanien entdecken Bewohner Anfang der 30er Jahre, dass einige Kinder schmerzunempfindlich sind. Dies gleich als Krankheit einordnend, werden die Kinder in eine Nervenklinik verfrachtet, von der Außenwelt abgeschottet und für grauenhafte Tests missbraucht.

Viele Jahrzehnte später wird bei dem Neurochirurgen David Martel Lymphknotenkrebs festgestellt. Nur die Knochenmarkspende eines Elternteils kann ihm noch das Leben retten. Diese Hiobsbotschaft wird der Anlass für eine tiefschürfende Erforschung der eigenen Familiengeschichte, die viel mehr Grauen und Schrecken bereithält, als Anlass auf Hoffnung für die Rettung gibt…

Kritik und Exkurs

Medina hat zwei Handlungspfade geschaffen. Zum einen die Suche Martels nach der Geschichte seiner Familie und zum anderen die Geschehnisse um die isolierten Kinder.

Auf diesen beiden Pfaden begegnen dem Zuschauer die Verbrechen des Bürgerkrieges sowie die Folgen dieser. Vor allem das Trauma nach dem Franco-Regime wiegt schwer.

Doch was ist in Spanien Mitte der 30er genau passiert? Im Jahr 1936 gab es einen Putsch rechtsgerichteter Teile der Armee unter Führung von Francisco Franco mit Hilfe der Verbündeten aus Deutschland und Italien gegen die demokratisch gewählte linke Regierung und löste so den Bürgerkrieg aus. Franco war erfolgreich und seine Diktatur endete erst 1975. Der Sieg Francos kostete Hundertausenden das Leben.

Spanien entschied sich aber über die Gräueltaten und Verbrechen Francos nicht zu sprechen und zog 1977 mit Hilfe eines Amnestie-Gesetzes einen Schlussstrich unter alles, was dem Land und der Bevölkerung widerfuhr.

Somit handelte Spanien anders als z.B. Deutschland, welches alle Verbrechen des NS- Regimes versuchte aufzuklären und motiviert war die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Painless

Hier werden Parallelen zu Werken wie Pans Labyrinth und The Devil’s Backbone von Del Toro deutlich. Er widmet sich in diesen Filmen ebenfalls dem Trauma des Franco-Regimes und verdeutlicht dies mit Hilfe geschundener, unschuldiger und missachteter Kinderseelen.

Und damit schlage ich wieder einen Bogen zu den Geschehnissen im Film. Während also Martel nach der Geschichte seiner Familie forscht, wird ihm genau dieses Trauma eine große Hürde. Sein Vater, der in einer Verbindung zu der Nervenklinik steht, will nicht über die Geschehnisse in der Vergangenheit sprechen. Stellvertretend für das ganze Land, mag mancher Zuschauer vermuten.

Der gefühllose Umgang mit den Kindern rührt mich. Und dieses Gefühllose ist es, was Insensibles (so der Originaltitel dieses Film) ausmacht. Insensibles lautet übersetzt empfindungslos oder gefühllos. Die Kinder spüren keine Schmerzen und Gefühle werden ihnen auch keine entgegengebracht.

Am Ende verschmelzen die zwei Handlungspfade miteinander und das Tempo, welches im Mittelteil des Films etwas zu wünschen übrig ließ, wird jetzt leider umso mehr an den Tag gelegt. Martel hat seine Nachforschungen in einem flotten Finale beendet.

Was er erfahren hat, verändert sein Leben. Hat der Film auch mein Leben verändert? Nein. Ich fand ihn aber sehr sehenswert. Freunde von morbiden und düsteren Geschichten mit Bezug zu Historie werden auf ihre Kosten kommen. Juan Carlos Medina hat hier ein erfolgreiches Filmdebüt abgeliefert.

 

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: © Senator Home Entertainment

 

Fred
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