Schrei, wenn der Tingler kommt (1959) – Review (Filmfestival Tag 3)

The Tingler

The Tingler bietet in William Castles Version Kino als Erlebnis und daran könnten sich viele eine Scheibe abschneiden.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

The Tingler
USA
82 Minuten
William Castle
Robb White

William Castle – Meister des Gimmick-Kinos

The Tingler wurde von William Castle inszeniert, einem der ganz großen Showmaster des Gruselkinos. Gehören seine Filme jetzt nicht unbedingt zur Crème de la Crème des Genres, so wurden seine vor allem in den 50ern und 60ern selbstproduzierten Filme zum Inbegriff des Eventkinos.

In Das Haus auf dem Geisterhügel ließ er zum großen Finale ein Skelett mit rot leuchtenden Augen über den Köpfen des Kinopublikums schweben analog zu den Geschehnissen auf der Leinwand. In 13 Geister konnten die Zuschauer wählen, ob sie mutig genug sind und die Geister sehen wollen oder nicht. Dafür gab es eine speziell entwickelte Brille, die man aufsetzen konnte. Bei Mr. Sardonicus konnte das Publikum abstimmen, ob der Bösewicht bestraft werden solle oder nicht und je nachdem wurde das entsprechende Ende gezeigt – das gnädige Ende wurde jedoch bei keiner einzigen Vorführung gezeigt.

Ohne dieses Kinoerlebnis bleibt von Castles Filmen leider nur wenig übrig, was wohl auch zu der heutzutage eher geringen Berühmtheit führte. Bekannt sind vor allem die Remakes Haunted Hill und 13 Ghosts. Dabei gehörte William Castle zu den großen Idolen von John Waters (Pink Flamingos) und Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) und war ein wichtiger Impuls für die Entstehung von Hitchcocks Psycho. Es war auch John Waters, Stargast des diesjährigen Festivals, der sich diesen Film für das Programm wünschte.

Ich selbst gehöre nicht zu den größten Fans von William Castle, halte aber gerade The Tingler für einen seiner besten Filme. Daher freute es mich natürlich besonders diesen Film endlich einmal so im Kino sehen zu dürfen – und zwar so wie er von Castle geplant war.

In The Tingler geht es grundsätzlich darum, dass der Pathologe und Forscher Dr. Warren Chapin, hervorragend gespielt von Vincent Price, versucht der Angst auf den Grund zu gehen. Er entdeckt bei seinen Untersuchungen, dass sich bei großer Angst ein langustenähnliches Wesen, der Tingler, in uns wächst, das nur mittels eines lauten Schreis wieder bezwungen werden kann.

Kino der besonderen Art

Für die Aufführung im Zuge des /slash Filmfestivals wurden einige Sitze präpariert, eine Frau fiel ihn Ohnmacht und musste von der Rettung hinausgetragen werden und selbstverständlich trieb der Tingler auch in unserem Kino sein Unwesen, worauf uns eine Einspielung von William Castle daran erinnerte so laut zu schreien wie wir nur können. Was das gesamte Kino inklusive mir natürlich auch tat und wodurch wir den Tingler mit geeinten Kräften besiegen konnten. So viel Spaß hatte ich wahrscheinlich bei einer Kinovorstellung nicht mehr seit ich zu The Rocky Horror Picture Show im Kino mit Reis und Klopapier um mich geworfen habe. Denn genau so muss Kino sein: ein Erlebnis. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich dann auch voll verstehen, welche Faszination diese Form des Kinos auf die Leute damals hatte ausüben müssen und es offenbar immer noch tut.

Aber auch abseits von Eventkino kann ich den Film durchaus empfehlen. Der in den späten 50ern entstandene Gruselklassiker lebt stark vom erhabenen Schauspiel von Vincent Price, den ich immer sehr gerne sehe. Daneben machen auch die handgemachten, wenn auch überaus billigen Effekte immer wieder Spaß  und zudem bietet der The Tingler den ersten LSD-Rausch der Filmgeschichte. Es gibt also viel zu sehen und zu entdecken.

Danach ging es weiter mit dem neusten Streich von REC-Co-Regisseur Paco Plaza: Verónica. Aber nachdem ich jetzt hier schon so viel gelabert habe, gibt es dafür einen eigenen Beitrag.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Schrei, wenn der Tingler kommt © Anolis Entertainment

Florian Halbeisen
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