Misery (1990) – Review

Misery

Dass Stephen King psychologischen Horror kann, hat er bereits zuvor mit The Shining oder auch Carrie bewiesen. In Misery komprimiert er den Schrecken auf einen Raum und zwei Kontrahenten.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:

Misery
USA
107 Minuten
Rob Reiner
William Goldman
„Sie“ von Stephen King (Roman)

Der Film

Paul Sheldon ist Bestseller-Autor. Misery, Heldin seiner romantischen Bücher, hat ihn dazu gemacht. Gerade hat er den letzten Band, in dem er sie sterben lässt, beendet und ist auf einer winterlich verschneiten Straße auf dem Heimweg. Er kommt vom Weg ab und sein Auto stürzt in die Tiefe. Glück im Unglück, so scheint es, dass ihn die zurückgezogen lebende Annie Wilkes findet und pflegt. Sie ist nicht nur eine ehemalige Krankenschwester, sondern auch sein größter Fan, wie sie sagt. Annie wirkt anfänglich sehr freundlich, wenn auch etwas eigenartig. Das ändert sich schlagartig, als Sheldon ihr sein fertiges Manuskript zu lesen gibt und Annie sich daraufhin als reinblütige Psychopathin entpuppt, die ihm den Tod ihrer fanatisch geliebten Protagonistin übel nimmt…

Misery ist eine Adaption von Stephen Kings Roman „Sie“. Die Verfilmung wurde von King nur deshalb akzeptiert, weil er mit Rob Reiner aufgrund von Stand By Me sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Der Roman erschien dem Studio, diversen Hollywoodstars als auch dem eigentlich ins Auge gefassten Regisseur als zu brutal, weshalb über ein Dutzend Schauspieler sowie der eigentliche Regisseur absagten. Selbst das Drehbuch von William Goldman (Die Frauen von Stepford, Hearts in Atlantis) wurde entschärft. Stephen King war zu dem Zeitpunkt der Dreharbeiten nicht angetan von den Verfilmungen seiner Bücher, war jedoch von Misery trotz der Kürzungen begeistert.

Die Stärken

Misery ist vor allem das Duell von zwei Schauspielern. Kathy Bates (Dolores) in ihrer vielleicht stärksten Rolle als Annie Wilkes, sie hat hierfür berechtigt einen Oscar erhalten. Ihr Schauspiel ist im vorgegebenen Rahmen nuanciert und im wahrsten Sinne des Wortes furios – leidenschaftlich, hitzig, rasend. James Caan (Der Pate) spielt Paul Sheldon. Er bleibt zwar hinter Bates zurück, dennoch merkt man dem Mimen seine dreißigjährige schauspielerische Erfahrung und Routine an. Seine Verwunderung, Bestürzung und vor allem seine Angst wirken echt. Beide Schauspieler hatten kreative Differenzen am Set, die Kathy Bates auf Rat von Rob Reiner in die Rolle einfließen ließ. Kathy Bates Charakter ist furchteinflößend, sie wurde sogar vom American Film Institute als eine der größten Filmschurken bezeichnet.
Die anderen Schauspieler, Richard Farnsworth (Oscar-Nominierung für Straight Story) und Frances Sternhagen (Der Nebel) als pflichtbewusstes Sheriff-Ehepaar sowie Hollywood-Ikone Lauren Bacall (Tote schlafen fest) als besorgte Verlegerin holen alles aus dem wenigen, das ihnen das Drehbuch bietet, heraus.
William Goldman versteht es, das sehr eingeschränkte Szenario mit seinem Drehbuch filmisch auf die Spitze zu treiben. Es gibt keine unnötige Szene in dem gesamten Film.

Die Schwächen

Man könnte bemängeln, dass der gesteckte Handlungsspielraum stark limitiert und das Grundkonzept etwas weit hergeholt ist. Darüber hinaus gibt es aus meiner Sicht aber nichts, was man wirklich beanstanden könnte, ohne der Kritik wegen zu kritisieren.

Das Fazit

Nehmen wir Misery als das, was es ist. Ein Duell von zwei Charakteren, ein Duell von zwei Schauspielern. In diesem Rahmen ist Misery meisterhaftes Horrorkino. Kathy Bates hat mit ihrer Rolle Filmgeschichte geschrieben, denn erst einmal zuvor gab es für die schauspielerische Leistung in einem Horrorfilm einen Oscar. Misery ist ihr Film und dank ihr sowohl eine der besten King-Verfilmungen, als auch einer der besten Horrorfilme seiner Zeit.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Misery © MGM Home Entertainment

Stephan Lydike

Horrorfilme sind eines der Genres des Films, den ich in seiner Gesamtheit seit meiner frühesten Kindheit und der ersten Begegnung mit den Kreaturen des Ray Harryhausen fast schon abgöttisch liebe. Im Horrorfilm taucht der Zuschauer nicht nur bis zu den Abgründen der menschlichen Seele, sondern häufig weitaus tiefer.
Stephan Lydike

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