Sweet Home (2015) – Review

Sweet Home

oder: die etwas zahnlose Bedrohung der Gentrifizierung

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Sweet Home
Spanien, Polen
80 Minuten
Rafa Martínez
Angel Águdo, Rafa Martínez, Teresa de Rosendo

Horrorjob spanischer Immobilienmakler

Spanien ist eine absolut hervorragende Adresse, wenn es um Horrorfilme geht. Natürlich sind dies auch andere europäische Länder. Man denke nur an den deutschen Expressionismus der 20er, die wilden 70er in Italien oder die französische Terrorwelle im neuen Jahrtausend. Spanien im Gegensatz dazu liefert seit den 60ern kontinuierlich und es gibt wohl keine Dekade in der ich kein spanisches Horrorjuwel finden würde. Horror hat in Spanien Tradition und daher freu ich mich immer über neue Werke von der iberischen Halbinsel.

Bei Sweet Home versucht sich Rafa Martínez, der bisher eher im Filmmarketing unterwegs war, am „Home Invasion“-Horror. Dabei weicht er vom klassischen Umfeld ab und lässt uns einer jungen Immobilienmaklerin durch leicht verfallene Häuser folgen.

Lächerlichkeit anstatt Bedrohung

Wer nun gehofft oder befürchtet hat einen Horrorfilm gespickt mit Analogien zur spanischen Immobilienkrise und zu Gentrifizierung zu sehen, den muss ich enttäuschen beziehungsweise kann ich beruhigen, denn mehr als ein durchaus frischer Aufhänger für das klassische Katz- und Maus-Spiel ist es nicht.

Zusammen mit dem sehr stimmungsvollen Intro und der ansprechenden Farbgebung macht das durchaus Lust auf mehr. Gerade durch die Beleuchtung kommt sogar ein gewisser Retro-Charme auf, was zum Teil auch am gewohnten Sepia-Filter liegt. Allgemein wirkt der Film sehr hochwertig, in dieser Hinsicht gibt es schon einmal nichts auszusetzen.

Sweet HomeDas alte, etwas verfallene Mietshaus macht als Kulisse auch einiges her und bietet für einen Home-Invasion-Horror einiges an Spielraum. Dazu sind auch die Charaktere sehr sympathisch gezeichnet und solide gespielt.

Also jede Menge guter Voraussetzungen für einen spannenden Horrorfilm, der aber dennoch einfach nicht so richtig zünden will. Dies hat wie so oft mehrere Gründe. Die meisten davon wiegen für sich genommen nicht einmal besonders schwer. So wird leider aus dem alten Zinshaus und dem Untergrund nicht alles rausgeholt, die Charaktere sind für das sich entfaltende Drama dann doch etwas zu mager und der Film tut sich hin und wieder schwer die Spannung zu halten.

Dies wäre alles verkraftbar, wenn der Streifen nicht an einer entscheidenden Stelle versagen würde: bei der Bedrohung. Auch wenn der Film nicht unspannend ist, so entsteht selten eine ernsthaft bedrohliche Atmosphäre. Ein Teil der Antagonisten wirkt zu zaghaft und harmlos, der andere Teil wiederum so überzeichnet comichaft böse, dass alles hin und wieder ins Lächerliche abdriftet. Dies schadet insbesondere dem Spannungsaufbau im zweiten Akt. Regisseur Martinez gönnt seinem Publikum zudem leider auch zu viele Verschnaufpausen, die immer mal wieder zur Geduldsprobe verkommen.

Sweet Home ist kein schlechter Film und wer auf Home Invasion steht, sollte hier auf jeden Fall einen Blick wagen. Leider bremst sich der Streifen selbst etwas zu sehr aus, um wirklich aus dem Einheitsbrei hervorstechen zu können, wie es Martinez Landsmann Jaume Balagueró mit Sleep Tight gelang. Dennoch ein Regisseur den man im Auge behalten sollte.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Sweet Home © Filmax

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Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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