Veronica – Spiel mit dem Teufel (2017) – Review (Filmfestival Tag 3)

Veronica

Erwachsen werden, spanische Rockbands und ein Ouija-Brett. Klingt doch nach einer spannenden Mischung.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Véronica
Spanien
105 Minuten
Paco Plaza
Fernando Navarro, Paco Plaza

Wie gestern im Tingler angekündigt, ging es am dritten Tag weiter mit dem neuesten Streifen von Paco Plaza. Den Ouija-Horror aus Spanien hatte ich mir hauptsächlich aus einem einzigen Grund ausgesucht, nicht etwa weil ich nicht genug von diesen Geister-Filmen bekommen kann, sondern weil angekündigt wurde Paco Plaza würde anwesend sein und den Co-Regisseur von REC wollte ich dann doch einmal gerne live erleben. Tja, blöd gelaufen, Plaza war nicht da, hatte keine Zeit.

Nun saß ich also bei einem Film im Kino, der mich nicht so wirklich interessierte. Na gut, ist jetzt auch nicht das erste Mal, aber normalerweise bin ich dann wenigstens gleich schon in der richtigen Stimmung. Also eher schlechte Ausgangsposition für Véronica.

Meine Laune hob sich allerdings beträchtlich als ich Héroes del Silencio vernahm. Wird vielen jetzt vermutlich gar nichts sagen, aber für mich als Kind der 80er und 90er sind die eine wirkliche Größe, weshalb ich euch auch sogleich mit dem wohl bekanntesten Song beehre, welcher im Film allerdings nicht vorkommt:

Nicht nur mir haben es die spanischen Helden der Stille angetan, sondern sie sind auch die Lieblingsband der titelgebenden Véronica. Vero ist Teenagerin anno 1991 und hat nicht nur ihr Zimmer mit Postern ihrer Lieblingsband zugepflastert, kämpft mit dem Erwachsenwerden und fragilen Freundschaften, sondern muss sich auch um ihre Schwestern und ihren Bruder kümmern, während ihre Mutter permanent in der eigenen Bar am Arbeiten und der Vater vor längerer Zeit verstorben ist. In ihrer Not beschließt die an Okkultismus interessierte Vero zur Sonnenfinsternis Kontakt mit ihrem Vater mittels eines Ouija-Brettes aufzunehmen. Damit klopft man jedoch oftmals an Türen, die man lieber hätte geschlossen lassen und so nimmt die Geistergeschichte ihren Lauf…

Paco Plaza nimmt sich mit Véronica viel Zeit, um die Geschichte sich langsam entfalten zu lassen. Der Fokus liegt zuerst stark auf Vero und ihren alltäglichen Kämpfen, das Böse nistet sich nur sehr langsam ein. Bei einer nicht zu knappen Laufzeit von 105 Minuten wird das insbesondere der Fastfood-Fraktion wohl zu langatmig sein. Zu viel Charakterzeichnung, zu wenig Buh! Dabei machte es zumindest mir viel Spaß der Newcomerin Sandra Escacena durch ihren Alltag zu folgen. Mit ihrer starken Leinwandpräsenz schafft sie es auch gut einen Sog um ihre Person entstehen zu lassen.

Bei der Inszenierung agiert Plaza zwar souverän, aber auch etwas uninspiriert. Über die üblichen Schockeffekte kommt Véronica leider kaum hinaus. Dafür macht der Film dramaturgisch so einiges richtig. Neben der ausführlichen Einführung hält der Film uns lange im Unklaren was wirklich vor sich geht. Durch den starken Aufbau fällt das Finale dann leider umso enttäuschender aus. Hier wird noch einmal alles an Klischees aufgeboten was die Mottenkiste so hergibt.

Dennoch überwiegen für mich schlussendlich die positiven Aspekte und machen Véronica zu einem überdurchschnittlichen Vertreter des Okkutlismus-Horrors. Also auch Menschen, die dem Subgenre nicht unbedingt wohlwollend gegenüber stehen, kann ich das neueste Werk von Paco Plaza durchaus empfehlen. Vergesst aber schon einmal nicht vorsorglich euer Ouija-Brett bereit zu stellen.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Veronica – Spiel mit dem Teufel © Film Factory Entertainment

 

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?