Surreales Double Feature: ISI (2019) und Love Affair (2019) – Review

ISI - Love Affair

Das Japan-Filmfest Hamburg widmet eine ganze Schiene dem japanischen Arthousefilm. Darunter auch einige überaus spannende Kurzfilme wie ISI und Love Affair.

Vom 19. August bis zum 02. September findet zum 21. Mal das Japan-Filmfest Hamburg statt. Dieses Jahr mit einer Besonderheit: Aufgrund der Corona-Pandemie findet es als Online-Festival statt. Das heißt, selbst wenn ihr nicht aus dem hohen Norden kommt, könnt ihr euch an den Filmen aus Fernost erfreuen.

Mit über 50 Filmen dürfte da auch für alle etwas dabei sein. Wir hatten die Gelegenheit, vorab etwas in das Programm hineinzuschnuppern und möchten euch schon einmal zwei der Kurzfilme aus der Arthouse-Schiene vorstellen.


ISI (2019)

Im 15-minütigen Kurzfilm von Fujimoto Mei begleiten wir einen Teenager während eines ganz gewöhnlichen Tages. Doch während das Frühstück noch sehr gewohnt seinen Lauf nimmt, kippt der Film danach immer mehr in eine surreale Traumwelt.

Fujimoto versteht es sehr gut mit den beschränkten Mitteln zu haushalten und ihrem Film einen hochwertigen Look zu verpassen. Schon rund um den Frühstückstisch glänzt ISI mit einigen interessanten, abwechslungsreichen Kameraeinstellungen und –fahrten. Dazu gesellt sich ein hypnotischer, von Percussions dominierter Synth-Score, der dem Film von Anbeginn einen treibenden Rhythmus verleiht.

ISI arbeitet im weiteren Verlauf viel mit desorientierenden Detaileinstellungen und POV-Shots, um uns schlussendlich mit verstärkt verfremdenden Stilelemente endgültig den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Damit gelingt Fujimoto mit einem geringen Budget ein mitreißender Kurzfilm, der einerseits zum wilden Interpretieren einlädt, aber auch einfach nur ob seiner Ästhetik genossen werden kann.

Love Affair (2019)

Tsuchiyama Akinori erzählt in Love Affair, fast komplett ohne Worte, die Geschichte eines Menschen, der zwischen Baumwurzeln erwacht und sich aufmacht. Wohin bleibt offen.

Während ISI noch in der Realität verwurzelt ist, bedient sich Tsuchiyama einer wesentlich abstrakteren Form und lässt dabei viel Spielraum für Interpretationen. Tsuchiyama taucht seinen neunminütigen Kurzfilm in allerlei künstlich wirkende Farben und gibt dem Geschehen Zeit sich zu entfalten. Dazu passt auch der reduzierte Score mit Akustikgitarre. Leider kommt es in der Mitte des Films zu einem stilistischen Bruch, der mir persönlich weniger zugesagt hat.

Nichtsdestotrotz ist auch Love Affair ein beeindruckender Beitrag, der mit wunderschönen Bildern in eine fremde Welt entführt.

Florian Halbeisen

...und was meinst du?