Die Leichenmühle (1971) – Review

Die Leichenmühle

Die Leichenmühle verspricht Schmuddelkino par excellence, das mit seiner absolut abgefahrenen Story Neugierde zu wecken weiß. Wir haben die Leichenmühle einer Betriebsinspektion unterzogen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

The Corpse Grinders
USA
72 Minuten
Ted V. Mikels
Arch Hall, Joe Cranston
Sean Kenney, Monika Kelly, Sanford Mitchell u.a.

Man muss sich bei Die Leichenmühle bewusst sein, dass man es mit einem reißerischen Low-Budget-Horror aus den 70ern zu tun hat. Exploitation-Filmer Ted V. Mikels (Astro-Zombies – Roboter des Grauens) tut auch alles dafür, seinem Film den nötigen Sleaze-Anstrich zu verpassen. So dürfte allein schon die Geschichte für großes Interesse bei Freunden entsprechender Unterhaltungskunst sorgen: Ein Katzenfutter-Unternehmen versucht Kosten zu sparen, indem sie dem Doseninhalt gemahlene Leichen hinzufügen. Unglücklicherweise weckt das bei den Miezen dadurch die Lust auf Menschenfleisch.

Das war dann auch schon so ziemlich alles, was Die Leichenmühle an Story zu bieten hat, denn ähnlich wie andere B-Movie-Kollegen wartet auch dieser mit einer eher wirren Geschichte, uninteressanten Protagonisten und dramaturgischen Längen auf. Freunde intelligent konstruierten Erzählkinos dürfte der Film mächtig vor den Kopf stoßen, denn die Story ist nicht nur so simpel gehalten, dass sie über die Grundprämisse kaum hinaus kommt, sondern auch noch völlig spannungsfrei erzählt. Corpse Grinders – hier steht der Originaltitel tatsächlich mal hinter der deutschen Version zurück – plätschert gut 70 Minuten ohne jegliche Höhepunkte dahin, und endet ebenso unspektakulär, wie man es erwartet. Dramaturgisch ist hier wirklich nichts zu holen.

Vielen Fans gepflegter Exploitation-Unterhaltung dürfte das jedoch herzlich egal sein, solange der Film ansonsten ordentlich auf die Kacke haut. Erstaunlicherweise gerät Die Leichenmühle aber ausgerechnet hier ins Stocken, denn der krawalligen Idee und Vermarktung des Streifens steht am Ende ein Film gegenüber, dem nicht einmal der zur Hysterie neigende katholische Filmdienst wirklich böse sein kann und ihm geradezu possierlich „gehäufte Unappetitlichkeiten“ attestiert. Es ist beinahe drollig, dass das Filmplakat mit barbusiger Dame in titelgebender Leichenmühle mehr Sex und Gewalt beinhaltet als der gesamte Film. Denn während die Leichenmühle ihr Werk verrichtet, wird stets im richtigen Moment weggeschnitten, so dass allein das Ergebnis zu sehen ist. Die Obduktion einer Katze ist das Schlimmste, was einem hier zugemutet wird – denn die menschenfressenden Katzen spielen kaum eine Rolle. Und obwohl sich immer mal wieder Damen völlig grundlos entkleiden, bleibt alles im gesitteten Bereich und somit die Unterwäsche am Körper.

Die Leichenmühle

Obgleich der Film konsequent am klassischen Erzählkino vorbei inszeniert ist und die angefixten Gorebauern mit seiner fast schon biederen Zahnlosigkeit ratlos zurück lässt, hat er durchaus auch Qualitäten, die zu entdecken sich lohnt. In erster Linie ist es das absonderliche Zerrbild unserer Welt, das den Film trotz allem zu einer vergnüglichen Erfahrung macht. Vieles an Die Leichenmühle ist dermaßen grotesk, dass es dem Streifen eine angenehm surreale Atmosphäre verleiht. Vor allem der Fülle an skurrilen Nebenfiguren gelingt es, mein Interesse aufrecht zu erhalten. Das Ensemble reicht von einem leichenstehlenden Ehepaar, dessen Frau permanent eine Puppe bei sich trägt und diese wie ihr eigenes Kind behandelt, über den nekrophilen Bösewichten bis hin zu einer gehörlosen Einbeinigen, deren einzige Charaktereigenschaft genau das ist. Leider sind ausgerechnet die zwei Hauptcharaktere arg dröge geraten und ein Großteil der angesprochenen Längen geht auf deren Konto.

Dieses Manko macht sich auch inszenatorisch bemerkbar. Während die Szenen mit den Protagonisten im spießigen 70er-TV-Look daher kommen und nicht mit standesgemäßen Zooms sparen, sind die Aufnahmen mit den Nebencharakteren wesentlich experimenteller und eben dadurch auch interessanter. Allgemein kann Die Leichenmühle bei der Inszenierung mit ein paar netten Ideen aufwarten, die mich gut bei der Stange gehalten haben. Während vor allem zu Beginn viele Szenen sehr naturalistisch inszeniert wurden, steigt im Laufe des Films die Expressivität immer mehr an. Insbesondere die Aufnahmen des nebelverhangenen Friedhofs und des in unnatürlichen Rot- und Grüntönen beleuchteten Kellerraums der Leichenmühle verleihen dem Film einen künstlerischen Anstrich.

Die Leichenmühle

Fazit

Selbstverständlich würde ich Die Leichenmühle dennoch niemandem ernsthaft empfehlen, denn dafür sind die paar inszenatorischen Lichtblicke und eine Handvoll illustrer Charaktere einfach zu wenig und der Film im Endeffekt einfach erschreckend handzahm. Interessant könnte er höchstens für Menschen sein, die auch einmal etwas gediegenere Exploitation-Kost genießen wollen, eine Ted-V.-Mikels-Retrospektive kuratieren oder einfach grundsätzlich jeden Film mit Katzen schauen.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
Spannungrating1_5
Härte Rating: 1 von 5
Unterhaltung rating3_5
Anspruch rating0_5
GesamtwertungRating: 2 von 5

Bildquelle: Die Leichenmühle © CMV Laservision

Florian Halbeisen
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