Conjuring – Die Heimsuchung (2013) – Review

Conjuring

Zu Beginn der 2000er Jahre kam es im Horrorgenre zu einem starken Anstieg an Haunted-House-Filmen, der noch bis vor wenigen Jahren angehalten hat. Durch den Erfolg von Paranormal Activity und Insidious wurde Anfang der 2010er der Auftrieb dieses Genres noch einmal beflügelt und es wurden erneut unzählige solcher Filme gedreht. Neben den genannten gehört aber auch James Wans Conjuring – Die Heimsuchung zu den Highlights dieser Periode. Wir haben geschaut, was es mit dem Erstling der beliebten Reihe auf sich hat.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

The Conjuring
USA
112 Minuten
James Wan
Chad Hayes, Carey Hayes
Vera Farmiga, Patrick Wilson u.a.

Hintergründe & Inhalt

Während beispielsweise die letzten Paranormal-Activity-Filme zwar an den Kinokassen nach wie vor rentabel waren, aber nicht mehr die Relevanz von einst besitzen, erfreuen sich die Geschichten rund um das Geisterjäger-Paar Warren und deren Ableger nach wie vor großer Beliebtheit bei den Kinogängern. Die aktuellsten Ableger Annabelle 3 und The Nun konnten zusammen immerhin fast 600 Mio. Dollar einspielen und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass mit The Nun 2Conjuring 3 und The Crooked Man bereits drei weitere Ableger dieses Universums in den Startlöchern stehen. Grund genug also, sich knapp sechs Jahre nach Erscheinen noch mal mit dem Startschuss der Reihe auseinander zu setzen.

In Conjuring – Die Heimsuchung geht es um Carolyn und Roger Perron, die mit ihren fünf Töchtern ihr neues Heim in einem alten Farmhaus in Rhode Island beziehen. Obwohl der Hund der Familie sich bei der Ankunft weigert, das Haus zu betreten, geht der Einzug ansonsten ohne nennenswerte Vorkommnisse vonstatten. Direkt am nächsten Morgen hat Carolyn jedoch einen merkwürdigen Bluterguss an ihrem Arm und auch von dem verängstigten Hund fehlt zunächst jede Spur. Als sich danach bedrohliche paranormale Erscheinungen häufen, engagiert die Familie das Geisterjäger-Ehepaar Warren, das sich nach entsprechenden Tests sicher ist, dass die Perrons einen Exorzisten benötigen…

Kritik

So weit, so bekannt. Allein aufgrund der generischen Inhaltsangabe könnte man verständlicherweise geneigt sein, den Film beiseite zu legen und sich eines anderen Horrorfilms anzunehmen. Zu Unrecht, wie der Streifen eindrucksvoll beweist. Denn Conjuring – Die Heimsuchung gelingt etwas, was vielen aktuellen Vertretern des Genres missglückt. Angefangen bei der Charakterzeichnung, die rundum gelungen ist. Zu Beginn werden noch die Mitglieder der Familie Perron als Hauptfiguren eingeführt, während sich gegen Mitte des Films dann die Warrens zum Ensemble der Sympathisanten dazugesellen. Dass diese, ähnlich wie im Original von Poltergeist, stellenweise noch mehr in den Fokus gesetzt werden als die eigentlichen Protagonisten, erweist sich auch hier als ein grandioser Kniff: Der Großfamilie nimmt man ihre Angst und die wachsende Panik zu jeder Zeit ab, kann sie nachempfinden. Wenn jedoch selbst ein vermeintlich mit allen paranormalen Wassern gewaschenes Expertenpaar es mit blanker Furcht zu tun bekommt, dann weiß man, dass es wirklich ernst wird.

Conjuring - Die Heimsuchung

Dieses enorme Gefühl der permanenten Bedrohung schlägt mit voller Kraft zu und ergießt sich ungebremst über die unvorbereiteten Zuschauer. Es ist Wan hoch anzurechnen, dass er seine Spannung nicht zu überkonstruiert durch loses Bedienen von generischen Jumpscares forcieren will. Stattdessen erschafft er eine Spannungskurve, die durch Zuhilfenahme von klassischen Haunted-House-Motiven und einem straffen Tempo maximal ausgereizt wird und webt seine Schockmomente wohl dosiert aber mit größtmöglicher Intensität in die Geschichte ein. Es ist erfrischend und befreiend zugleich zu sehen, dass eigentlich gängige Muster von Jumpscares nicht ihrer selbst wegen benutzt werden, um für künstliche Momente des bloßen Erschreckens zu sorgen. Stattdessen werden sie gekonnte dafür genutzt, um dem allgemeinen Bedrohungsszenario in die Hände zu spielen und den Zuschauern keinerlei Verschnaufpausen zu gewähren. Es wirkt beinahe so, als hätte Wan die großen Haunted-House-Klassiker der 60er Jahre mit penibler Präzision auseinandergenommen, um sie in der bestmöglichen Konstellation erneut zusammenzusetzen und zu beweisen, dass altbewährte Mittel und Motive auch im Jahr 2013 nichts von ihrer Wirkung und ihrem Gruselfaktor einbüßen müssen.

Conjuring - Die Heimsuchung

Fazit

James Wans Conjuring – Die Heimsuchung ist in beinahe jeder Hinsicht ein Film, der aus der Flut an Haunted-House-Filmen der 2000er und 2010er Jahre herausragt. Zum einen verneigt er sich vor seinen großen Vorbildern und ist sich seiner Wurzeln zu jedem Zeitpunkt spürbar bewusst. Zum anderen gelingt es ihm scheinbar mühelos, die „altmodischen“ Stilmittel perfekt in die Neuzeit zu adaptieren und aus altbekannter Rezeptur das Maximum an Effizienz rauszuholen. Tadellos agierende Darsteller treffen auf eine zielgerichtete und effektive Charakterzeichnung, eine unheimliche Atmosphäre sorgt mit nervenzerfetzender Spannung für unweigerliches Nägelkauen. Insofern kann Conjuring – Die Heimsuchung schon beinahe als Paradebeispiel für den modernen alten Horrorfilm gesehen werden, denn es gelingt ihm trotz seines leider etwas schwächeren Endes etwas, was mittlerweile nur noch wenige Filme schaffen: Er ist durch die Bank weg einfach verdammt gruselig.

 

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 5 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung Rating: 5 von 5
Anspruch Rating: 0 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: Conjuring – Die Heimsuchung © Warner Home Video

Robert

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