Flatliners (2017) – Review

Flatliners

Flatliners ist das Remake des 90er-Horrorstreifens gleichen Namens von Joel Schumacher. Wir haben einen Blick gewagt, ob sich der Neuaufguss lohnt.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Flatliners
USA, Kanada
109 Minuten
Niels Arden Oplev
Ben Ripley

Wie im Original von 1990 folgen wir auch dieses Mal wieder einigen Medizinstudierenden, die weiter gehen wollen als das was sie im Studium geboten bekommen. So lassen sie künstlich ihren Herzschlag aussetzen, um mittels Nahtoderfahrung hinter den Vorhang zu blicken, der die Lebenden von den Toten trennt. Doch leider öffnen sie damit eine Tür, die sie besser nicht geöffnet hätten…

Das 1990er-Original von Joel Schumacher (The Lost Boys) und Peter Filardi (Der Hexenclub) mit seinem starken Cast rund um Julia Roberts, Kiefer Sutherland und Kevin Bacon ist schon alles andere als ein Meisterwerk, aber durchaus solide inszeniert und er hat einen gewissen Charme, der mich immer schon Ansprach. Da der Film allerdings noch viel Luft nach oben lässt, sah ich einem Remake durchaus optimistisch entgegen. Das Remake beweist schlussendlich aber nur, dass auch noch verdammt viel Platz nach unten ist.

Dabei hat die Grundidee nach wie vor seinen Reiz und man hätte mit dem Remake sogar an das Original anknüpfen können. Denn von der ursprünglichen Runde darf auch Kiefer Sutherland wieder antreten, doch leider nicht in seiner alten Rolle, wodurch leider auf mögliche Querverbindungen, die den Film durchaus interessanter hätten machen können, verzichtet wurde. Leider ist dies nicht der einzige Punkt auf den verzichtet wurde.

Kiefer Sutherland in Flatliners

Kiefer Sutherland in seiner Rolle als Dr. Barry Wolfson

So mangelt es der Umsetzung vor allem an einer Exposition, die einem die Charaktere näher bringt. Ohne viel über die handelnden Personen zu wissen, springt man sofort ins Geschehen. Die Motivation der Charaktere wird relativ billig über Rückblenden gelöst, die in den seltensten Fällen über reine Klischees hinausgehen. Dem Film gelang es ein einziges Mal eine emotionale Bindung aufzubauen und diese hatte mit der Story dann zudem wenig zu tun.

Dies erweist sich allgemein als Kernproblem des Films. Handlungsfäden werden ausgeworfen, aber nie weiter verfolgt. Aufzeichnungen der Gehirnaktivitäten zu Forschungszwecken? Spielt keine Rolle. Rays neun Jahre als Feuerwehrmann? Bedeutungsschwanger eingestreut, aber ohne Einfluss auf Story oder Charakterentwicklung. Dies hat dann auch zum Ergebnis, dass der Film trotz seiner relativ langen Laufzeit dramaturgisch sehr gehetzt wirkt und vor allem die Auflösung komplett überstürzt daher kommt. Anstatt sich auf relevante Punkte in der Geschichte und in der Ausgestaltung der Charaktere zu konzentrieren, verrennen sich Regisseur Niels Arden Oplev (Verblendung) und Drehbuchautor Ben Ripley (Source Code) in unwichtigen Details und unnötigem Leerlauf.

Einmal davon abgesehen, dass die Auflösung nicht schön aufgebaut wird und sehr überhastet wirkt, soll sie unter anderem darauf aufmerksam machen, welche Folgen es haben kann, wenn man im Leben Abkürzungen nimmt und dass diese einen immer wieder einholen. Diese Kalenderspruch-Moral gibt ja ohnehin schon nicht sonderlich viel her, aber ist zudem noch dermaßen plump und todernst inszeniert, dass es mir die Fremdschamesröte ins Gesicht treibt.

Nina Dobrev in Flatliners

Nina Dobrev wird als Marlon von ihrem schlechten Gewissen geplagt

Am meisten scheitert der Film allerdings an seinen Horrorelementen. Dies liegt weniger an den Sequenzen selbst, die zum Teil wirklich traumhaft schön in Szenen gesetzt sind, als am dramaturgischen Aufbau. Diese Szenen sind in den meisten Fällen klar als Halluzinationen gekennzeichnet, was die Bedrohlichkeit der Situationen doch stark nach unten schraubt, vor allem weil selten der Eindruck entsteht, dass die Personen durch diese realen Schaden nehmen können. Dazu kommen noch unfassbar dämliche Jumpscares. Und mal ehrlich, welchen Sinn soll es bitte schön ergeben, wenn das personifizierte schlechte Gewissen, dass die Protagonisten heimsucht, im Hintergrund rumschleicht, wo wir es als Publikum zwar sehen können, aber nicht die Personen, die es quälen will. Brauchen die einfach Auslauf oder was soll der Unsinn? So wirken die Szenen leider oft lieblos und sinnfrei aus Versatzstücken zusammengeschustert.

Schauspielerisch kann man der agierenden Truppe hingegen wenig Vorwürfe machen. Sie tun ihr bestes ihre Charaktere mit Leben zu füllen, scheitern aber schlussendlich an unzureichenden Charakterzeichnungen.

So bleibt am Ende leider eine vergebene Chance auf ein tolles Remake. Flatliners ist leider in allen Belangen vollkommen unnötig und kann dem Original nichts Neues hinzufügen. Schade drum.

 

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Flatliners © Sony Pictures Releasing

Florian Halbeisen
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