A God Without a Universe (2015) – Review

AGWAU

Mit A God Without a Universe präsentiert uns Kasper Juhl seinen nunmehr dritten Film. Während Monstrosity und Madness of Many wohl eher zu den Schlachtplatten im Filmgenre zählen, lässt es AGWaU um einiges ruhiger angehen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Gudsforladt
Dänemark
94 Minuten
Kasper Juhl
Kasper Juhl

Kasper Juhls drittes Machwerk erzählt uns die Geschichte von Anders und seiner Schwester. Während Mia ihre Kindheit lang unter dem sexuellen Missbrauch ihres Vaters litt, sah ihre Mutter nur unbeteiligt zu. Erst als ihr Bruder Anders zum äußersten greifen und schließlich wegen Vatermordes 10 Jahre hinter Gitter musste, nahmen die qualvollen Jahre ein Ende. Als Anders nach einem Jahrzehnt wieder auf freiem Fuß ist, träumt Mia von einem Neuanfang. Das Schicksal lässt nicht lange auf sich warten und schon bald werden die beiden erneut den Dämonen ihrer Vergangenheit ausgesetzt.

Ruhig und intensiv, statt gnadenloser Offensive

Ausschließlich kurz informiert und fast gänzlich unvorbelastet widmete ich mich also A God Without a Universe. Entgegen aller Erwartungen und dem Hörensagen aufgrund Kasper Juhls Vorliebe bezüglich Darstellung und Intensität seiner Filme, wurde mir schon nach den ersten 30 Minuten klar, dass ich hier wohl eines besseren belehrt werde. Juhl liefert mit seinem aktuellsten Film keinen ambitionierten Horrorschocker ab, der versuchen will, die Zuschauer durch Zurschaustellung intensiver Gewaltszenen ins Endstadium des absoluten Unwohlseins zu versetzen. Vielmehr könnte man A God Without a Universe als kontroverses Drama mit leichten Horroranteilen bezeichnen. „Kontrovers“ ist hierbei das Stichwort. Während der durchaus simplen und überschaubaren Rahmenhandlung der Geschichte über Mia und ihren Bruder Anders schleudert uns Kasper Juhl so ziemlich jedes gesellschaftliche Tabuthema um die Ohren, mit dem man grundsätzlich eher ungern konfrontiert wird. Jedes Mal wenn man denkt, dass es die beiden Geschwister schlimmer nicht treffen könnte, kommt Juhl daher und schlägt uns förmlich mit der flachen Hand in den Nacken.

Amateurarbeit? Nein, nicht hier!

Natürlich merkt man A God Without a Universe an, dass Kasper Juhl kein Regisseur ist, A God Without a Universeder mit Millionenbeträgen um sich werfen kann. Dennoch wäre der Begriff „Amateurfilm“ hier ganz falsch. Kameraarbeit sowie Schnitttechnik sind qualitativ deutlich höher anzusiedeln, als man es im Vorhinein vermuten mag. Die Bildsprache ist absolut fantastisch. Man merkt deutlich, dass der Herr hinter der Kamera etwas von seinem Job versteht. Ganz deutlich hervorzuheben sind außerdem die, wenn auch recht unbekannten Darsteller, die ausnahmslos eine grandiose Arbeit abliefern. Die beiden Hauptdarsteller, Anne Sofie Adelsparre als Mia sowie Johannes Nymark als Anders, verstehen es eindrucksvoll ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen. So schaffen es die beiden durchaus schnell ein authentisches Erscheinungsbild zu erzeugen und uns Schmerz, Trauer und Aussichtslosigkeit zu präsentieren.

Eine simple Story, untermalt mit einer intensiven Inszenierung

Auch wenn uns in A God Without a Universe keine überraschenden Handlungswenden erwarten, merkt man doch deutlich, dass uns der Film urplötzlich und etwas unvorbereitet vom einen ins nächste kontroverse Szenario wirft und so den Ablauf trotz seines durchaus langsamen Erzähltempos leicht erschwert. So hätte dem Streifen ein deutlicherer roter Faden gut getan, der das Ganze etwas geradliniger abspult. Dennoch schafft es Juhls Werk mich durchaus mitzureißen. Das mag vor allem an der kontroversen Themenwahl liegen, die mich im Laufe des Films immer wieder vor den Kopf stößt, aber auch an den außerordentlich guten Darstellern, die es durch ihre authentische Art nahezu unmöglich machen, den Ablauf langweilig erscheinen zu lassen.

Fazit

Kasper Juhl liefert mit seinem aktuellsten Streifen etwas ab, das so mancher Anhänger bestimmt nicht erwartet hätte. Ein optisch eindrucksvolles und schmerzhaft inszeniertes Drama, das nur gelegentlich zur altbekannten intensiven Gewaltdarstellung greift und hauptsächlich versucht auf psychischer Ebene zu schocken. Das Werk schafft es zwar nicht mit einer kreativen Story aufzuwarten, punktet dafür aber vor allem in Sachen Inszenierung, Kamera- sowie Schauspielarbeit. Während die Gorehounds unter euch wohl eher enttäuscht sein dürften, werden Freunde des schwer verdaulichen Dramas voll auf ihre Kosten kommen. Wer also kein Problem mit einer simplen, dafür aber hervorragend inszenierten Story hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer vor allen Dingen Fan von Filmreihen wie Kino Kontrovers oder Störkanal ist, dem wird A God Without a Universe wie auf den Leib geschneidert sein.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: A God Without a Universe © Black Frame Cinema/Hellbound Productions

Jan Ott

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