Beautiful, Goodbye (2019) – Review

Beautiful Goodbye

Wir hatten beim 21. Japan-Filmfest Hamburg das Vergnügen, Beautiful, Goodbye zu sehen: ein Zombie-Roadmovie der ganz besonderen Art.

Originaltitel: Byūtifuru gubbai
Land: Japan
Laufzeit: 114 Minuten
Regie: Imamura Eiichi
Drehbuch: Imamura Eiichi
Cast: Takebayashi Yusuke, Bi Yo, Nakajima Koki u.a.
VÖ: Bis zum 03.09.2020 beim Japan-Filmfest zu sehen

Beautiful, Goodbye wirft einen sehr unvermittelt ins Geschehen. In einer hektisch geschnittenen, desorientierenden Collage erhaschen wir einen flüchtigen Blick auf die Welt der Hauptcharaktere. Doch ohne genau zu wissen, was überhaupt passiert ist, befinden wir uns im nächsten Augenblick schon mit Kogure Daisuke auf der Flucht aus Tokio in einem gestohlenen Wagen. Mit dem er kurz darauf wortwörtlich auf Natsuko trifft. Ein Unfall, der die junge Frau eigentlich hätte töten müssen – doch Natsuko war schon längst tot…

Ab diesem Zeitpunkt schaltet Beautiful, Goodbye in den Leerlauf und lässt sein Roadmovie beinahe schon meditativ aufs japanische Land rollen. Der Debütfilm von Drehbuchautor und Regisseur Imamura Eiichi nimmt sich dabei viel Zeit für sein ungleiches Paar. Doch während wir uns durch die japanische Landschaft bewegen und der Sommer langsam dem Herbst weichen muss, nimmt nicht nur die Vertrautheit zwischen dem schüchternen, ängstlichen Daisuke und der quirligen, lasziven Untoten, sondern auch Natsukos Verwesung stetig zu. Dies ist jedoch nicht ihr einziges Problem, denn neben der Polizei ist ihnen auch Natsukos Ex-Freund dicht auf den Fersen.

Im Laufe des Films verknüpft Imamura sein Roadmovie nicht nur mit phantastischen Komponenten des Zombiefilms, sondern verwebt dieses auch verstärkt mit Crime-Elementen. So wie die zwei Protagonisten von ihrer Vergangenheit physisch immer mehr eingeholt werden, lernen wir in Rückblenden auch immer mehr über ihre Geschichte. Wodurch sich das kryptisch angereichte Intro mit jedem Puzzlestück immer besser deuten lässt. Das zunächst geradezu idyllisch anmutende Roadmovie nimmt zudem vermehrt düstere und melancholische Züge an und es wird immer fraglicher, ob diese ungleiche Liaison sich der Gesellschaft und der eigenen Vergangenheit wirklich entziehen kann.

Beautiful Goodbye

Dabei bleibt der mutige Genre-Mix seinem gemächlichen Tempo durchweg treu – selbst wenn die Gefahr den Protagonisten im Nacken sitzt. Imamura gelingt es ausgezeichnet, die unterschiedlichen Genre-Konzepte so in seinen Film einzubinden, dass sie eine in sich stimmige Geschichte ergeben. Darauf muss man sich einlassen können und überdies eine gute Portion Geduld mitbringen, denn in den knapp zwei Stunden Laufzeit gibt es nicht viel, was die Story vorantreibt. Der Film vertraut ganz auf seinen minimalistischen Erzählstil und es ist vor allem dem einnehmenden Schauspiel von Bi Yo und Takebayashi Yusuke sowie der ruhigen Kameraarbeit von Haruki Kosuke zu verdanken, dass dies so gut gelingt.

Beautiful, Goodbye ist dadurch für all jene einen Blick wert, die sich gerne auf überaus langsam erzählte Filme einlassen und an experimentellen Genre-Konstellationen ihre Freude haben. Zombie-Fans müssen eine gehörige Portion Abenteuerlust mitbringen, denn rasante Action-Szenen und blutige Effekt-Feuerwerke werden sie hier vergeblich suchen. Dafür ist das Werk von Imamura eine faszinierende Erweiterung des Subgenres, das Mensch und Zombie überraschend zusammenführt.

 

Bewertung

Grauen Rating: 0 von 5
Spannung Rating: 2 von 5
Härte  Rating: 1 von 5
Unterhaltung  Rating: 4 von 5
Anspruch  Rating: 3 von 5
Gesamtwertung Rating: 4 von 5

Bildquelle: Beautiful, Goodbye © Imamura Eiichi

Florian Halbeisen

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