Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie (1964) – Review

Die Maske des Roten Todes

Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie, auch bekannt als Die Maske des Roten Todes, ist eine von Roger Cormans Poe-Verfilmungen mit Vincent Price in der Hauptrolle. Dieses Mal darf die Horror-Ikone als finsterer Prinz Prospero dem Satanismus frönen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
Vorlage:

The Masque of the Red Death
USA/Großbritannien
89 Minuten
Roger Corman
Charles Beaumont, R. Wright Campbell
Vincent Price, Jane Asher u.a.
Erzählungen „Die Maske des Roten Todes“ und „Hopp-Frosch“ von Edgar Allan Poe

Hintergründe und Inhalt

Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie ist der vorletzte Film in Roger Cormans achtteiligem Poe-Zyklus, bei dem sich dieser und das Produktionsstudio AIP einigen Kurzgeschichten Edgar Allan Poes annahmen, meistens unter der Mitwirkung von Horror-Ikone Vincent Price. Darunter finden sich auch einige Werke, die heute als Klassiker des Horror-Genres gelten, wie zum Beispiel Die Verfluchten, Das Pendel des Todes oder eben Satanas. Dieser gehört trotz einem geringen Budget von 200.000 US Dollar zu einer der aufwendigsten Produktionen Cormans.

Satanas kombiniert Poes Erzählungen „Die Maske des Roten Todes“ von 1842 und „Hopp-Frosch“ von 1849. Während auf „Die Maske des Roten Todes“ die Rahmenhandlung rund um Prinz Prospero und seine Gefolgschaft beruht, die sich vor einer Seuche in Prosperos Schloss in Sicherheit bringen wollen, wird „Hopp-Frosch“ als kleiner Nebenstrang um einen verkrüppelten und kleinwüchsigen Hofnarren und eine ebenfalls kleinwüchsige Tänzerin eingefügt. Der in dieser Erzählung für seinen grausamen Humor bekannte, namenlose König verschmilzt bei Cormans Verfilmung mit Prinz Prospero.

Roger Corman kreiert rund um den von Vincent Price verkörperten Prinz Prospero einen dekadenten, verdorbenen und Satan anbetenden Hof, der im Kontrast zur tristen Welt außerhalb der schützenden Mauern in opulenten Farben erblüht. Über sein Land herrscht Prospero gnadenlos und ohne Empathie für seine Untergebenen. Zudem hält er sich einige Gefangene zur reinen Unterhaltung, wie zum Beispiel Francesca, ihren Liebsten Gino und ihren Vater Lodovico. Während Gino und Lodovico im Kerker sitzen, hat es sich Prospero zur Aufgabe gemacht, Francesca zu verderben. Der rote Tod fordert immer mehr Todesopfer, doch Prospero und seine Anhänger wähnen sich in trügerischer Sicherheit…

Kritik

Die Rolle des Prinzen Prospero wirkt wie maßgeschneidert für Vincent Price. Der Schauspieler kann hier als grausamer und exzentrischer Tyrann inmitten eines vor Dekadenz überbordenden Hofes brillieren. Mit nihilistischem Sadismus und satanischer Souveränität herrscht er über Untertanen wie Gefolgschaft zugleich und liefert dabei eine der besten Leistungen seiner Karriere ab.
An seiner Seite macht auch Jane Asher als Francesca einen hervorragenden Job, deren Rolle erfrischenderweise abseits jeglicher Damsel-in-Distress-Stereotypen angelegt ist. Ganz im Gegenteil darf sie sich als Akteurin für Geliebten und Vater opfern und sich unbeugsam Prosperos entgegen stellen.

Neben den SchauspielerInnen gehört das Set Design zu den ganz großen Stars des Films. Mit satten Farben wird eine Welt erschaffen, die mehr einem Fiebertraum als der Realität gleicht. Perfekt in Szene gesetzt von Kameramann Nicolas Roeg, der neun Jahre später mit Wenn die Gondeln Trauer tragen seinen eigenen Horrorklassiker erschuf. Allein schon die Anfangssequenz, in der wir den roten Tod kennenlernen, hat etwas Entrücktes und Märchenhaftes. Langsam gleitet Roegs Kamera durch die vernebelten und surreal beleuchteten Kulissen, einer alten Frau bei der Suche nach Holz folgend, wo sie auf den roten Tod trifft. Dieser verkündet auch schon gleich zu Beginn, dass der Tag ihrer Befreiung nicht fern sei.

Wenn der Tod von Befreiung spricht, dann sollte man das eher nicht als gutes Omen sehen. Aber auch wenn Satanist Prospero im maskierten roten Tod einen Vasallen Satans erkennen mag, der die Herrschaft seines Meisters bringt, dürfte dessen Vorfreude verfrüht sein. So bleibt am Ende von Cormans Film die fatalistische Feststellung unserer aller Sterblichkeit und der Gleichheit vor dem titelgebenden roten Tod.

Die Maske des Roten Tod

Fazit

Mit dem prachtvollen Setting, der surrealen Inszenierung, Roegs fesselnder Kameraarbeit und Price‘ Performance gehört Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie oder Die Maske des roten Todes nicht nur zu den besten Werken des Poe-Zyklus‘, sondern zu den besten Filmen von Roger Corman überhaupt. Wer schon immer mal einen Gothic-Horror im Farbenrausch sehen wollte, darf sich diese Perle nicht entgehen lassen.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie © Koch Media

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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