Hounds of Love (2016) – Review

Hounds of Love

David und Catherine Birnie vergewaltigten und ermordeten 1986 in Australien vier junge Frauen. Hounds of Love nimmt sich dieser grausamen Geschichte an.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Hounds of Love
Australien
108 Minuten
Ben Young
Ben Young
Emma Booth, Ashleigh Cummings, Stephen Curry u.a.

Hounds of Love basiert auf den Morden des australischen Ehepaars David und Catherine Birnie – hier umbenannt in John und Evelyn White. Das Spielfilmdebüt von Ben Young dreht sich um die Teenagerin Vicki, die bei ihrer Mutter in einer US-amerikanischen Vorstadt lebt und auf dem Weg zu einer Party in die Fänge der Whites gerät. Gefangengehalten in deren Haus wird sie gequält und erniedrigt. Ihre einzige Überlebenschance sieht sie darin einen Keil zwischen das Ehepaar zu treiben…

Filme dieser Art bergen immer das Risiko in sich, dass sie reales Leid zu unserer Erregung ausschlachten. Gerade Werke im Horrorgenre neigen dazu, junge, hübsche Frauenkörper zu zerstören – und dies vielfach, wie es scheint, zum reinen Selbstzweck. Der Horrorfilm als Projektionsfläche für die eigenen destruktiven Triebe und Gelüste? Natürlich ist es nicht so einfach und dies ein ausgesprochen spannendes Thema, über das man lange diskutieren kann und durchaus auch sollte. An dieser Stelle interessiert mich jedoch vielmehr die Frage: wie geht Hounds of Love damit um?

Denn genau diese destruktive Sensationslust wurde dem Film von mehreren Seiten vorgeworfen. Ich halte diesen Vorwurf allerdings aus zweierlei Gründen nicht für gerechtfertigt.
Zum einen suhlt sich Ben Young nicht in der Inszenierung von Qual und sexueller Gewalt, wie dies andere Genre-Beiträge tun. Auch wenn Young keinen Zweifel daran aufkommen lässt, welche Torturen die Opfer im Haus des Paares durchstehen müssen, so überlässt er diese Szenen dem Kopf des Publikums. Somit ist der Film schon einmal formell weit weg von jeglichem Exploitationkino.
Zum anderen geht der Film auch inhaltlich eigene Wege indem er sich für eine doch eher unkonventionelle Perspektive entscheidet. Denn der Film nimmt nicht, wie man es erwarten könnte und auch gewohnt ist, die Sicht des Opfers ein; nicht einmal die Perspektive des Peinigers, sondern die der Komplizin, der Zulassenden: die von Evelyn White. Sie ist Täterin und Opfer zugleich. Darin liegt eine große Stärke des Films und auch die stärksten Szenen speisen sich aus den daraus entstehenden Konflikten. Und eben weil Young den Fokus nicht auf die sadistische Interaktionen zwischen Täter und Opfer, sondern auf diese zerstörerische Beziehung des Killerpaares legt, ist Hounds of Love eben viel mehr als nur die Ausschlachtung von Leid und Schmerz.

Hounds of Love

Emma Booth (Glitch, One Upon a Time) hat in Hounds of Love entsprechend auch die schwerste Aufgabe, indem sie die Zerrissenheit von Evelyn entsprechend darstellen muss – und dies gelingt ihr mit Bravour. John White und sein junges Opfer Vicki sind hingegen eher flach gezeichnet und verlangen Stephen Curry (Rogue) und Ashley Cummings (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle) wesentlich weniger ab. Was jedoch nicht heißen soll, dass diese eine schlechte Performance abliefern. Das Drehbuch gibt ihnen einfach nur weniger, mit dem sie arbeiten könnten.

Obwohl der Fokus stark auf Evelyn und ihrer Beziehung liegt, so lässt es sich Young doch nicht nehmen, einen knüppelharten, dreckigen Horror zu inszenieren, der es mächtig in sich hat. Dies macht er mit Bravour und man möchte sich vor unerträglicher Spannung die Finger teilweise bis zu den Knochen abnagen. Die richtige Balance zwischen Drama- und Horror-Elementen hält Young zwar nicht durchgehend, aber das ist Jammern auf ganz hohem Niveau.

Im Endeffekt macht Hounds of Love verdammt vieles richtig, auch wenn es hie und da etwas an der Feinabstimmung mangelt. Für ein Debütwerk kann ich an dieser Stelle allerdings nur meinen Hut ziehen. Da will ich gar nicht lange auf kleineren Schwächen rumreiten, sondern sage guten Gewissens: merkt euch diesen Regisseur und schaut euch diesen Film an!

 

Bewertung

SpannungRating5_5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt rating4_5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Hounds of Love © Indeed Film

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?