Assassination Nation (2018) – Review

Assassination Nation

Assassination Nation beginnt mit einer schnellen Montage an Triggerwarnungen: Mobbing, Drogenmissbrauch, Sex, toxische Männlichkeit, Transphobie, Nationalismus und vieles mehr. Begleitet von einem Voice Over von Lily Colson, die ihre Geschichte erzählt und darüber monologisiert, wie in der Kleinstadt Salem die Bevölkerung komplett den Verstand verliert und versucht, vier Teenagerinnen zu töten.

Originaltitel:
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Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

Assassination Nation
USA
108 Minuten
Sam Levinson
Sam Levinson
Odessa Young, Abra, Suki Waterhouse, Hari Nef u.a.
Seit 29. März auf DVD und Bluray

Einige Zeit zuvor wurden zuerst die Handys des Bürgermeisters und des Rektors der High School gehackt – danach die der gesamten Stadt. Anarchie bricht in der Stadt aus und unglücklicherweise wird Lily dafür verantwortlich gemacht. Sie und ihre besten Freundinnen Em, Bex und Sarah haben nun eine äußerst blutige Nacht vor sich…

Assassination Nation ist ein überaus selbstreferentieller Film. Er stößt uns als Publikum in jeder Sekunde mit der Nase drauf, dass das, was wir sehen, ja wirklich alles nur ein Film ist. Dies ist in erster Linie oftmals ein nettes Gimmick, wenn man fleißig popkulturelle Referenzen erkennen darf und in manchen Momenten dann sogar der Geschichte zuträglich, wenn filmische Vorlagen kritisch gespiegelt werden. So spricht Em in einer Szene davon, dass sie Filmemacherin werden will und ausschließlich Male-Rape-&-Revenge-Filme drehen wird, allerdings nicht wie in Deliverance – das sei abstoßend, es soll sexy sein.
Allerdings hätte es dem Film gut gestanden, eine Spur subtiler aufzutreten. Subtilität jedoch ist in Sam Levinsons Inszenierung allgemein ein Fremdwort und weicht einer launigen Direkt-in-die-Fresse-Mentalität, wie sie schon im angesprochenen Intro sichtbar wird. Damit mag Assassination Nation zwar hin und wieder übers Ziel hinausschießen, mich hat dieser Umstand dennoch prächtig unterhalten. Insbesondere, weil es Levinsons trotz aller Stilisierung gelingt, eine emotionale Bindung zu den Charakteren herzustellen.

Assassination Nation

Leider lässt Levinsons zweiter Spielfilm trotzdem einiges an Potential liegen. Dramaturgisch stolpert sich der Streifen mehr durch die 108 Minuten, als wirklich einen roten Faden erkennen zu lassen. So arbeitet Assassination Nation zu Beginn lieber Themen wie Transphobie und Public Blaming am Beispiel von Bürgermeister und Rektor der Schule ab, anstatt sich mehr um seine vier Protagonistinnen zu kümmern. Wir wissen nach der Einführung leider viel zu wenig über das Leben und die Sorgen der Protagonistinnen. Dass ich dennoch mit ihnen mitfiebere, ist den tollen Performances der Hauptdarstellerinnen Odessa Young, Abra, Suki Waterhouse und Hari Nef zu verdanken. Es liegt an ihnen und am gemeinsamen Hass auf einen widerwärtigen, selbstgerechten Mob, der mich die Heldinnen schlussendlich anfeuern ließ.

Im Endeffekt mag Assassination Nation weit weg von perfekt sein, was vor allem daran liegt, dass Sam Levinson stilistisch und thematisch zu viel in seinen Film reinpacken will. Dramaturgische Schwächen gehen Hand in Hand mit einigen Logiklöchern und nicht ganz nachvollziehbaren Entscheidungen bei der Inszenierung. Doch dies ist für mich alles vernachlässigbar, denn Levinsons Film hat mir eine höllische Freude bereitet. Wenn sich die vier jungen Frauen schwer bewaffnet und auf Delinquent Girl Boss verweisend aufmachen, gegen eine trans- sowie homophobe, frauenfeindliche, reaktionäre und bigotte Kleinstadt anzukämpfen, dann geht mir das Herz auf. Eine wohltuende Katharsis, die ich allen ans Herz legen möchte.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Assassination Nation © Universum Film GmbH

Florian Halbeisen
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