Let Me In (2010) – Review

Let Me In

Nach dem großen Erfolg des schwedischen Vampirfilms So finster die Nacht war es nicht verwunderlich, dass bald mit Let Me In ein US-amerikanisches Remake folgte. Doch kann dieses mit dem Original mithalten?

Originaltitel:
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Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:
Cast:

Let Me In
USA/Großbritannien
116 Minuten
Matt Reeves
Matt Reeves
Roman „So finster die Nacht“ von John Ajvide Lindqvist
Kodi Smit-McPhee, Chloë Grace Moretz u.a.

Hintergründe: Roman und erste Verfilmung

2004 debütierte der schwedische Schriftsteller John Ajvide Lindqvist mit dem Vampirroman „Låt den rätte komma in”. Das Buch war in Schweden ein Bestseller und wurde in etliche Sprachen übersetzt, unter anderem auch ins Deutsche. Hier erschien die Geschichte rund um die Beziehung zwischen dem 12-jährigen Oskar und dem jahrhundertealten Vampir Eli unter dem Titel ”So finster die Nacht”. Lindqvist greift in seinem Roman einige schwer verdauliche Themen wie soziale Isolation, Mobbing, Pädophilie, Genital- und Selbstverstümmelung auf.

Thomas Alfredson (Schneemann) verfilmte den Stoff basierend auf einem Drehbuch von Lindqvist im Jahr 2008 und schuf mit So finster die Nacht einen der besten Vampirfilme in der Geschichte des Genres. Nur zwei Jahre später folge ein US-amerikanisches Remake unter dem Titel Let Me In. Regisseur Matt Reeves (Cloverfield) überarbeitete dafür das Skript von So finster die Nacht, wodurch es sich beim Film von 2010 vielmehr um ein Remake, als um eine Neuverfilmung des ursprünglichen Stoffes, handelt. Zuerst hatten die Produzenten bei Alfredson selbst angefragt, der aber mit der Begründung ablehnte, dass er zu alt sei, um den gleichen Stoff zwei Mal zu verfilmen und er andere Geschichten zu erzählen habe.
Produzent Simon Oakes machte schnell klar, in welche Richtung das Remake gehen soll: ansprechender für die breite Masse. So muss schon zu Beginn die ruhige, verschneite Einführung des Originals einer rasanten Autofahrt weichen, um etwas mehr Schwung in die Erzählung zu bringen. Die langsame Erzählweise des Originals geht zwar nicht vollends verloren, wird aber allgemein deutlich gestrafft. Die stärksten Vereinfachungen erfahren jedoch die Charaktere. Dies lässt sich sehr gut an Oskars Peinigern sehen, die im Original noch eine, wenn auch nur angedeutete, durchaus interessante Gruppendynamik aufweisen. Im Remake bleibt davon in erster Linie das Klischee des Psychopathen mit seinen treudoofen Anhängern übrig.

Let Me In

Owen mit seinen Peinigern

Das Remake

Let Me In ist kein schlechtes Remake, aber ein vollkommen unnötiges. Es kann dem Original nichts Neues hinzufügen und die Veränderungen, die vorgenommen wurden, nehmen der Geschichte und den Charakteren nur an Tiefe. Doch auch wenn Let Me In als Remake in keinster Weise überzeugen kann, so ist er als eigenständiger Film dennoch äußerst sehenswert.

Dies liegt natürlich in erster Linie an der tollen Grundlage von John Ajvide Lindqvist, aber auch daran, wie Matt Reeves dieses aufbereitet hat. Abgesehen von den Zugeständnissen an ein breiteres Publikum, bleibt Reeves dem Grundton des Originals treu.
Für das Remake wurden Oskar in Owen und Eli in Abby umbenannt sowie der Handlungsort von Schweden in die USA verlagert. Ansonsten bleibt die Story gleich: Owens Eltern sind geschieden und er lebt allein mit seiner Mutter. In der Schule wird er von drei Mitschülern tagein tagaus gequält. Owens Leben ändert sich jedoch grundlegend, als das Vampirmädchen Abby mit ihrem „Vater“ gegenüber einzieht. Zuerst distanziert, beginnen die Zwei von der Gesellschaft ausgeschlossenen sich jedoch schnell näher zu kommen, was Owens Leben auf den Kopf stellen wird…

Reeves‘ Let Me In bleibt ein außergewöhnlicher Vampirfilm, der nach wie vor wesentlich mehr Coming-of-Age-Drama als Horrorfilm ist. Im Zuge des höheren Budgets wurden die Make-up- und Spezial-Effekte erheblich verbessert, was den Film unterm Strich nicht zwingend gruseliger macht, aber den Härtegrad etwas anhebt.
Wie oben bereits erwähnt, ist Reeves‘ Version wesentlich flotter erzählt, was die Spannung hoch hält und keine Zeit für Leerlauf lässt. Mit der Tristesse der lokalen Bewohner hält sich der Film nicht lange auf. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass der eingeschobene Polizisten-Subplot keinen anderen Zweck erfüllt, als die Geschichte am Laufen zu halten.
Doch trotz der härteren und schnelleren Gangart bleibt Let Me In seiner ruhigen, poetischen Vorlage grundsätzlich treu.

Die größte Stärke des Remakes sind zweifelsfrei seine JungschauspielerInnen Chloë Grace Moretz (Carrie, 2013) und Kodi Smit-McPhee (The Road), die hervorragend miteinander harmonieren. Moretz hat eine anmutige Präsenz, die ausgezeichnet zu ihrer Rolle als jahrhundertealte Vampirin passt; umso erschreckender brechen die Momente über mich herein, in denen sie zur Bestie wird. Dies wird auch hervorragend von den subtilen, aber äußerst wirkungsvollen Make-up-Effekten unterstützt. Ob die starken Stimmverzerrungen nötig gewesen wären, sei mal dahingestellt, aber sie haben mich zumindest nicht sonderlich gestört. Smit-McPhee macht ebenfalls eine auffallend gute Figur als schmächtiger Außenseiter, der allein schon von seiner Statur her einen Kontrast zu Dylan Minnette (Don’t Breathe, 13 Reasons Why) bildet, der seinen Peiniger Kenny spielt.

Fazit

Let Me In ist eine glattgebügelte Version von So finster die Nacht, die dem Original keine neuen Facetten abgewinnen kann. Der Film bleibt jedoch so nah am Original, übernimmt ganze Einstellungen und Dialoge, sodass der Film durchaus sehenswert bleibt; insbesondere aufgrund des stark aufspielenden Casts.
Wem das schwedische Original etwas zu zähflüssig war, könnte mit dem Remake glücklich werden. Und wer von der Geschichte rund um Oskar und Eli nicht genug bekommen kann, kann guten Gewissens auch noch das US-amerikanische Remake nachschieben, welches als eigenständiger Film immer noch einen großen Teil der Genrekonkurrenz hinter sich lässt.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Let Me In © Wild Bunch

Florian Halbeisen
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