Das Böse (1979) – Review

Das Böse

Don Coscarellis Phantasm – Das Böse ist eine Phantasmagoria par excellence: rund um den Tall Man (Angus Scrimm), fliegende Killer-Sphären und reanimierte Mörderzwerge.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Phantasm
USA
88 Minuten
Don Coscarelli
Don Coscarelli

Nach dem Tod seiner Eltern lebt der 13-jährige Mike Pearson bei seinem Bruder Jody in einer kleinen Stadt in Oregon. Eine Reihe von seltsamen Todesfällen stört die Kleinstadtidylle des Ortes. Allmählich drängt sich Mike der Verdacht auf, dass der mysteriöse Bestattungsunternehmer, den aufgrund seiner riesenhaften Erscheinung alle nur den Tall Man nennen, damit in Verbindung steht. Er ermittelt auf eigene Faust und dringt in das Bestattungsunternehmen ein. Dort erkennt er, dass der Tall Man ein Wesen aus einer anderen Dimension ist, welches die Verstorbenen reanimiert, um sie daraufhin zu versklaven. Der Tall Man bemerkt sein Eindringen und fortan sieht er sich von mordenden Zwergen, fliegenden Sphären und dem schier übermächtigen Tall Man gejagt…

Don Coscarelli wollte nach dem Erfolg der Jump Scares seines zweiten Films zunächst „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ von Ray Bradbury verfilmen, jedoch waren die Filmrechte bereits vergeben. Inspiriert von Dario Argentos Suspiria und William Cameron Menzies Invasion vom Mars entschloss er sich, ein eigenes Drehbuch zu schreiben. Mit einem privat finanzierten Budget von etwa 300.000 Dollar machte er sich mit Cast und Crew, die aus Familienmitgliedern, Freunden und ambitionierten Filmanfängern bestand, daran, sein Projekt umzusetzen. So war Angus Scrimm, der mit dem „Tall Man“ zu einer Ikone des Horrorfilms aufstieg, ein Journalist, der Covertexte für LPs verfasste, wofür er sogar einen Grammy erhielt. Scrimm schauspielerte nur nebenbei und bekam von Coscarelli das Rollenangebot eines „Aliens“, was im Englischen sowohl Alien als auch Ausländer bedeutet. Scrimm konnte mehrere Sprachen sprechen und war daran interessiert, einen Ausländer zu spielen. Jedoch war er recht irritiert, als er erfuhr, woher sein „Ausländer“ kam. Reggie Bannister, der den Eisverkäufer und Hobbymusiker Reggie spielt, war professioneller Musiker und trat zum Beispiel mit Sonny und Cher und Stevie Wonder auf. Da auch die anderen Beteiligten beruflich beschäftigt waren, wurde der Film innerhalb eines Jahres in Arbeitsphasen von teilweise bis zu zwanzig Stunden gedreht.

Nach Abschluss der Dreharbeiten stand eine etwa dreistündige Rohfassung zu Verfügung, die allerdings nicht genügend Tempo besaß. Zudem war diese Fassung ein Genre-Mix, der nur wenig Erfolgschancen gehabt hätte, auch tauchte der Tall Man erst nach der Hälfte auf. Coscarelli schnitt den Film um die Hälfte, was der traumartigen Atmosphäre zuträglich war, die er bei Suspiria bewunderte. Eben diese Atmosphäre ist es, die einen großen Teil zu dem immensen Erfolg beitrug und ihn über die Zeit zu einem Kultfilm werden ließ, dem bis heute vier Fortsetzungen folgten.

Phantasm

Einem aufgrund der vielen Sprünge surreal anmutenden Kultfilm, der gut gealtert ist, ohne dabei seine Qualitäten zu verlieren. Der Spannungsbogen ist äußerst gelungen. Ebenso versteht es Coscarelli, die stetig wachsende Bedrohung, die sein Protagonist erlebt, für den Zuschauer spürbar zu machen. Zudem verzichtet er weitestgehend auf Gewalt und setzt dafür mehr auf Handlung. Schauspielerisch ragt Angus Scrimm heraus, auch aufgrund seines Charismas.

Zu den Qualitäten zählt aber auch vor allem das Spiel mit Traum und Realität, bei dem der Zuschauer bis zum Ende nicht weiß, was Einbildung und was Wahrheit ist. Phantasm leitet sich von dem Wort Phantasmagorie ab, das ist nicht nur eine jahrhundertealte Darstellungsform von gruseligen Trugbildern, wo im Schein von Laternen u.a. Skelette zum Leben erweckt wurden, sondern auch eine zufällige Kette von assoziativen Bildern in der Medizin.

Spoiler
Mike muss eben nicht nur den Tod der eigenen Eltern verarbeiten, sondern, so sagt es Reggie zum Ende hin, auch den Tod seines Bruders in der Realität. Insofern ist der Tall Man nichts anderes als der personifizierte Tod, der sich in Mikes Vorstellung seine Familie und Freunde holt und sie sich sozusagen zu eigen macht (Stichwort: Einbalsamierung). Und all das, was Mike im Kopf erlebt, ist Teil des Verarbeitungsprozesses eines verstörten Heranwachsenden und findet tatsächlich nur in seinem Kopf statt.

Das Böse – Phantasm ist derart gelungen, dass sogar die FSK trotz des deutlichen Verzichts auf Gewalt den Film Anfang der 90er-Jahre in ihre Lieblingsliste der verbotenen Filme aufnahm.

Man kann nicht anders, als zu sagen, dass Don Coscarelli im Alter von 22 Jahren einen der besten Independent-Filme im Horrorgenre gedreht hat.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Das Böse © Black Hill Pictures

Stephan Lydike

...und was meinst du?