Der Exorzismus von Emily Rose (2005) – Review

Inspiriert von einem wahren Fall erschafft Regisseur Scott Derrickson mit Der Exorzismus von Emily Rose einen Horrorfilm, der zwei Welten aufeinanderprallen lässt und auf mehreren Ebenen überzeugen kann.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

The Exorcism of Emily Rose
USA
119 Minuten
Scott Derrickson
Paul Harris Boardman, Scott Derrickson
Jennifer Carpenter, Tom Wilkinson u.a.
24.11.2005

Priester Richard Moore sitzt vor Gericht, angeklagt der fahrlässigen Tötung der jungen Emily Rose. Eine außergerichtliche Einigung verweigert der Gläubige. Sein einziges Anliegen ist, dem Gericht seine Sicht der Geschichte zu präsentieren, völlig egal, welche Konsequenz diese Darstellung für ihn hat…

Kritik

Mit Der Exorzist öffnete William Friedkin 1973 die Türen zu einem Subgenre, das viele Nachfolger inspirierte. Der Exorzismus von Emily Rose ist einer davon und funktioniert, anders als andere Genrevertreter, gleich auf mehreren Ebenen. Auch, wenn Scott Derrickson den tragischen Fall der Anneliese Michel nie direkt als Vorbild für seinen Film nennt, so gibt er dennoch zu, dass ihn ein wahrer Fall für das Drehbuch seines Werkes inspiriert hat. Doch was steckt hinter dem Film? Ein weiterer, durch Jumpscares verkorkster Gruseler, der nur darauf aus ist, dem Zuschauer auf möglichst plumpe Art und Weise diverse Schockmomente zu servieren? Falsch gedacht! Der Exorzismus von Emily Rose ist so viel mehr, als eine Gruselgeschichte. Derrickson kreuzt Horrorfilm mit Gerichtsdrama, lässt zwei grundverschiedene Ansichten aufeinanderstoßen und knallt dem Zuschauer Interpretationen vor den Kopf, bei denen er selbst entscheiden muss, was davon er glauben soll.

Im Vordergrund steht nicht etwa die Zurschaustellung des Exorzimus‘ selbst, sondern die Gerichtsverhandlung um Pater Moore. Regisseur Derrickson spielt mit der gerichtlichen Argumentation, lässt religiöse Ansichten gegen medizinische Untersuchungen antreten und konstruiert dabei ein Horrordrama, das religiösen Glauben und realistische Annahmen geschickt gegeneinander ausspielt. Während des gesamten Ablaufs setzt der Filmemacher nicht etwa darauf, uns einen übernatürlichen Horrorschocker zu servieren, sondern stellt die Ansichten zweier völlig verschiedener Parteien einander gegenüber und zwingt uns nicht dazu, etwas zu glauben, was nur fernab jeglicher Realität funktioniert.

Während der Rückblenden, der Dokumentation des Exorzismus‘, erzeugt der Film eine unglaublich dichte Atmosphäre, wirkt ungemein bedrückend und lässt mir nach wie vor das Blut in den Adern gefrieren. Auf Jumpscares wird nahezu komplett verzichtet, dafür setzt Derrickson auf eine möglichst realistische Inszenierung der Besessenheit, spielt mit extrem wirkungsvollen Licht- und Soundeffekten und kreiert eine durchgehende Anspannung, die dermaßen niederschmetternd auf mich wirkt, wie es kaum ein anderer Horrorfilm vermag. Neben der Inszenierung ist Jennifer Carpenter dafür hauptverantwortlich, die für ihre Verkörperung der Emily Rose unter anderem mit dem MTV Movie Award für “Angsteinflößende Darstellung” ausgezeichnet wurde. Was diese Frau hier abliefert, ist eine nahezu perfekte schauspielerische Leistung, die ihresgleichen sucht.

 

Fazit:

Der Exorzismus von Emily Rose ist ein intelligent konstruiertes Horrordrama, das einen Exorzismus sowohl aus religiöser als auch aus medizinischer Sicht durchleuchtet. Derrickson erschafft ein kleines atmosphärisches Meisterwerk, das durch seine exzellent ausgelegte Argumentationsebene überzeugt und sich deshalb meilenweit von anderen Vertretern des Themas abhebt. Wer also etwas mit der Thematik anfangen kann und müde geworden ist, Menschen Wände hochkrabbeln zu sehen, der sollte hier unbedingt reinschauen. Um es mit den abschließenden Worten der Anwältin Erin Bruner zu sagen: ”Ich bitte Sie nicht darum, an das zu glauben, was Pater Moore glaubt. Ich bitte Sie, an Pater Moore zu glauben.”

 

Bewertung

SpannungRating5_5
AtmosphäreRating: 5 von 5
GewaltRating: 1 von 5
EkelRating: 1 von 5
StoryRating: 4 von 5

Im Handel:

Bildquelle: Der Exorzismus von Emily Rose © Sony Pictures Releasing GmbH

Jan Ott

Als großer Fan des Horror-Kinos, insbesondere der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein Film mitgibt. Ich freue mich darauf, mich mit euch über die unendlichen Weiten des Horror-Genres auszutauschen! 🙂
Jan Ott

...und was meinst du?