The Bad Man (2018) – Review

The Bad Man

The Bad Man konnte sich durch enorme Zensur-Schnitte in Deutschland schnell einen gewissen Ruf erarbeiten. Doch ist dieser auch gerechtfertigt? Wir haben uns das neuste Werk von Scott Schirmer angesehen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

The Bad Man
USA
106 Minuten
Scott Schirmer
Scott Schirmer
Ellie Church, Arthur Cullipher, Jason Crowe u.a.

Inhalt

Das Pärchen Mary und PJ will das Hotel von Marys verstorbener Großmutter auf Vordermann bringen und Weihnachten darin feiern. Die beiden nehmen einen Fremden ins Hotel mit auf, als dieser nach einem Zimmer fragt. Was sie nicht wissen ist, dass Lawrence ein Psychopath ist, der es auf die beiden abgesehen hat. Von nun an werden die jungen Hotelbesitzer von diesem sadistischen Wahnsinnigen terrorisiert, um deren Willen zu brechen. Dafür werden sie einer ganzen Reihe von Erniedrigungen, Demütigungen und sexueller Gewalt ausgesetzt, mit dem Ziel sie als „Puppe“ und „Hund“ an einen ganzen Zirkel von BDSM-Psychos zu versteigern. Mary hält an ihrer Menschlichkeit fest und sucht verzweifelt nach einem Weg, der Qual zu entkommen, während PJ in seinem eigenen Wahnsinn gefangen ist und nach der „Behandlung“ nunmehr als „Hund“ sein Dasein fristet…

Kritik

Klingt an sich erst mal nicht verkehrt. Erinnert vom Plot her ein wenig an Funny Games und andere ähnlich harte Home-Invasion-Vertreter. Um aber eines gleich vorweg zu nehmen: The Bad Man ist nicht die Gore-geladene Steigerung von Terrifier oder Trauma, wie sich das viele erhofft hatten! Blutige und ekelerregende Spezialeffekte gibt es, obwohl der Film in Deutschland für eine FSK-18-Freigabe um über 20 Minuten geschnitten werden musste, fast gar nicht zu sehen. Die Gewalt und der Terror sind vielmehr psychischer als physischer Natur. Daher werden wohl die Gorehounds etwa nach einem Drittel des Films enttäuscht das Weite suchen.
The Bad Man punktet mehr im psychologischen Bereich und plätschert nicht nur an der Oberfläche vor sich hin. Jedoch polarisiert The Bad Man, indem der Inhalt zu speziell ist, um die breite Masse zu begeistern. Ein schlechter Film ist er dadurch aber noch lange nicht. Diejenigen, die sich auf den Streifen einlassen, werden ihn noch lange nach der Sichtung im Kopf behalten.

The Bad Man

Statt Splattereffekten am Fließband punktet der Film mit darstellerischen Glanzleistungen und einer fast schon unerträglichen Aneinanderreihung von Demütigungen und Erniedrigungen des Paares durch die Peiniger. Und das ist alles andere als harmlos! Auch sexuell wird sich an beiden abreagiert, jedoch wird dies nur angedeutet und nicht wirklich gezeigt. Die durchweg überzeugenden Schauspieler tragen den Film bis hin zu seinem Finale und manche Worte oder Szenarien hallen bis jetzt noch in meinem Kopf nach. Einen durchgehenden Spannungsbogen sucht man indes allerdings vergeblich. Dies ist in diesem Fall wohl nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass der Film keine geradlinige Handlung hat. Allerdings ist es gerade das, was die Attacken so unerträglich macht: Man wünscht sich, dass alles kurz und schmerzlos abläuft und dann schnell vorbei ist, jedoch ziehen sich die unterschiedlichen Szenarien fürchterlich hin, bis am Ende der Prozedur wider Erwarten doch noch ein Funken Hoffnung erscheint. Bis dahin ist es aber ein langer Weg, den der Zuschauer ebenso wie die Protagonisten beschreiten muss.
Beim Soundtrack gibt es auch nichts zu beanstanden; das Hauptthema ist herrlich düster, die Musik wird verhältnismäßig sparsam eingesetzt und wirkt trotzdem stets richtig platziert und dosiert.

Fazit

Insgesamt kann ich hier also von einem grandios aufeinander abgestimmten Gesamtwerk sprechen. Nur handelt es sich eben um einen kontroversen Film über Demütigungen und ist nicht die nächste Splattergranate, wie die Berichte über die Kürzungen hätten vermuten lassen.

 

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: The Bad Man © Scott Schirmer

Thomas Ortlepp

Horrorfilme sind für mich das einzige sinnvolle Ventil, um Frust und Aggressionen abzubauen – wenn sie gut gemacht sind. Andernfalls verhält es sich genau umgekehrt: Wenn sie schlecht sind, werde ich zum Hulk!
Thomas Ortlepp

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