American Guinea Pig: Sacrifice (2017) – Review + Interview

Sacrifice

Die American-Guinea-Pig-Reihe ist ein Garant für experimentelle Splatterfilme in Tradition der japanischen Originale. Der vierte Ableger kommt interessanterweise aus Italien.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

American Guinea Pig: Sacrifice
Italien
60 Minuten
Poison Rouge
Samuel Marolla
Flora Giannattasio, Roberto Scorza u.a.

Review

Nach dem Tod seines Vaters kehrt Daniel (Roberto Scorza) in das seitdem leerstehende Familienhaus zurück. Geplagt von psychotischen Schüben und schweren Traumata geht er dort ins Badezimmer und verstümmelt sich mittels einfacher Instrumente auf grausamste Weise, um der Göttin Ishtar Opfer zu erbringen und eine Art Erleuchtung zu erfahren. Von Ishtar verspricht er sich dabei Aufklärung und Erlösung …

Wer von euch erinnert sich noch an Mutilation Man aus den 90ern? Dieser geriet damals in Verruf, weil er grausame Selbstverstümmelungen des Hauptakteurs zeigte. Mittlerweile ist Experimental-Splatter jedoch salonfähig geworden und American Guinea Pig ist ein Garant und Aushängeschild dafür.

Eingebettet in eine verhältnismäßig dünne Story, zeigt Sacrifice die extremsten Dinge, die sich ein Mensch selbst antun kann. Dass vieles dabei dem Selbstzweck dient und der Streifen für seine Spezialeffekte lebt, ist dabei nicht von großer Bedeutung. Wo AGP drauf steht ist auch AGP drin. Die Effekte sind erstklassig und sehr gekonnt in Szene gesetzt – man kann den Schmerz zeitweise sogar fast schon spüren, so nah, wie die Kamera am Geschehen dran ist.

Im Gegensatz dazu bekommt die mystische Seite der Geschichte um die Göttin Ishtar etwas wenig Raum. Wer das jedoch nach den ganzen Selbstquälereien noch in Erinnerung hat, wird zum Schluss des Films belohnt.

Alles in allem ist Sacrifice sehr unbequem und vermittelt gekonnt ein unwohles Gefühl. Und genau das ist es, was man als Fan von Sickos von einem solchen Film erwartet. Obwohl im visuellen Bereich wieder einige Grenzen deutlich überschritten werden, fehlt es Sacrifice jedoch etwas an Substanz. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich bisher mit der American-Guinea-Pig-Reihe nie so richtig warm geworden bin. Gore um seiner selbst willen ist für mich wie Studentenfutter ohne Rosinen. Dennoch ist Sacrifice ein solider Film: kurzweilig, blutig und auf den Punkt gebracht. Fans der Reihe werden in jedem Fall bestens bedient.

Sacrifice

Interview

Hallo Sarah, schön, dass du dir die Zeit nimmst, um dich meinen Fragen zu stellen. Sacrifice ist nervenaufreibend und mächtig gore-lastig. War es für dich schwierig diese extremen Szenen zu drehen?

Überhaupt nicht… ein Film ist nur ein Film und was hinter den Kulissen passiert, hat nichts damit zu tun, was das Publikum schlussendlich sieht! Wir hatten sogar wirklich viel Spaß während der Dreharbeiten.

Der Film beginnt mit einer sehr starken Szene, als Daniel in seinem Albtraum mit seinem toten Vater kommuniziert. Diese furchterregende Atmosphäre weicht im weiteren Verlauf expliziten Folterszenen. Welche Richtung willst du in Zukunft einschlagen? Fokus auf die Atmosphäre oder Torture-Porn?

Ich denke nicht, dass Sacrifice unter Torture-Porn fällt. Er unterscheidet sich sehr von den anderen Filmen von American Guinea Pig. Wir verwendeten nur einen Liter Blut und der Film beinhaltet gerade einmal fünf Gore-Szenen. Im Gegensatz zu den anderen, die einen Liter pro Minute verbrauchten. Ich glaube, was Sacrifice so stark macht, sind die tiefen, langsamen Momente – wie zum Beispiel das Opening mit dem Loch im Kopf, welches fast ein Drittel des Films einnimmt.

Der Albtraum zu Beginn ist sehr gruselig, stimmt. Im Moment habe ich keine zukünftigen Projekte für Spielfilme. Ich werde nur ein paar kurze Segmente für Anthologien machen.

Ishtar erscheint nur im Schlussakt und befreit Daniel von seiner menschlichen Hülle. Bekommt Daniel das, worauf er gehofft hat, oder handelt sie eigensinnig?

Daniel bekommt gar nichts, außer in einer Illusion zu sterben. Ishtar existiert nicht. Sein Leben war ein Haufen Scheiße und genau so ist sein Tod. Allein. Mit Maden in einem leeren Haus.

Kannst du dir vorstellen, einen weiteren Film über die Opfergöttin Ishtar zu drehen? Sie ist eine faszinierende Gottheit und kommt in Filmen etwas zu kurz.

Gottheiten sind immer mächtige Figuren in einer Geschichte. In Filmen ist es schwer diese darzustellen ohne, dass sie albern wirken. Ihr Erfolgsgeheimnis ist wahrscheinlich das Mysterium und, dass sie nur ein paar Sekunden zu sehen ist.

Ich persönlich halte Sacrifice für den besten Teil der American-Guinea-Pig-Reihe und hoffe in Zukunft noch viel von dir sehen zu können. Vielen Dank für das Interview!

Ich muss zugeben, ich hatte Angst, meinen ersten Film als Teil einer so berüchtigten Reihe zu machen. Ich bin froh, dass die Leute gut auf meine Arbeit reagiert haben! Vielen Dank!

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 5 von 5
Ekel Rating: 4 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: American Guinea Pig: Sacrifice © Extreme

Thomas Ortlepp

Horrorfilme sind für mich das einzige sinnvolle Ventil, um Frust und Aggressionen abzubauen – wenn sie gut gemacht sind. Andernfalls verhält es sich genau umgekehrt: Wenn sie schlecht sind, werde ich zum Hulk!
Thomas Ortlepp

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