One Cut of the Dead (2017) – Review

One Cut of the Dead

Zombie-Horror-Comedy made in Japan. Das Budget: niedrig. Der Regisseur: perfektionistisch und cholerisch. Die Stars: untalentiert und streitsüchtig. Die richtigen Zombies: hungrig. Der Film: One Cut of the Dead.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Kamera o tomeru na!
Japan
96 Minuten
Shin’ichirô Ueda
Shin’ichirô Ueda
Takayuki Hamatsu, Yuzuki Akiyama, Harumi Shuhama u.a.

Inhalt

Schauspieler in Horrorfilmen sind nicht zwangsläufig mit schauspielerischem Talent gesegnet. Allerdings ist für den Regisseur Higurashi das, was seine beiden Darsteller leisten, einfach nur gruselig. Selbst im 42. Take einer Szene schafft es die Darstellerin nicht, ihre Angst glaubwürdig darzustellen, und lässt den Filmemacher wieder mal aus der Haut fahren.

Der Hauptdarsteller verkörpert zwar seinen Zombie recht glaubhaft, widerspricht ihm aber ständig. Bevor ein Streit zwischen den beiden eskaliert, einigt sich das Team auf eine Pause. Das Team lästert heimlich über den abwesenden perfektionistisch-cholerischen Regisseur; dabei kommen sie auch auf die Vergangenheit des unheimlichen Drehortes zu sprechen.

Urbane Legenden erzählen, dass das Militär dort Experimente durchführte, bei denen angeblich Tote wiederbelebt wurden. Während sich das Team unterhält, tauchen richtige Zombies auf. Erst unbemerkt, wird dies dem Film-Team jedoch schmerzhaft bewusst, als einer von ihnen gebissen wird. Die Legenden sind grausame Realität – nun wird aus einem billigen Filmdreh ein blutiger Überlebenskampf. Und der Regisseur filmt fleißig mit, schließlich darf die Kamera nichts verpassen. Zu wertvoll ist die Möglichkeit, nackte, ungespielte Angst und realen Todeskampf auf Zelluloid zu bannen …

Higurashi knöpft sich seine Hauptdarstellerin vor.

Kritik

Schauspieler in Horrorfilmen sind nicht zwangsläufig mit schauspielerischem Talent gesegnet, das gilt auch für One Cut of the Dead. Auch die Kamera-Arbeit lässt zu wünschen übrig, man sieht sogar in einer Szene, wie das Kunstblut von der Linse gewischt wird. Dass der Kameramann teilweise sogar im Weg zu stehen scheint und man so den Eindruck gewinnen könnte, als würde er mitspielen, ohne mitzuspielen, setzt dem ganzen die Krone auf. Die Szenerie ist extrem billig, eine Ausstattung praktisch nicht vorhanden, selbst das Bild wirkt kalt, karg und billig.

Immerhin spart der Film nicht mit Blut, Gewalt und abgetrennten Gliedmaßen, ist stellenweise rasant, dynamisch und schafft es sogar, Spannung aufzubauen. Das knapp bemessene Budget ist dem Zombie-Film allerdings deutlich anzumerken, zumal es sich hier um das Drehbuch- und Regiedebüt von Shin’ichirô Ueda handelt. Dennoch gelingt Ueda das Kunststück, den Film nicht nur in Echtzeit, sondern auch in einer einzigen Einstellung gedreht zu haben, einer Einstellung, die … 37 Minuten dauert … bei einem Spielfilm, der 96 Minuten läuft.

Wer nicht gespoilert werden möchte, sollte genau hier aufhören zu lesen und auch den Trailer nicht weiter als bis zur 47. Sekunde sehen, da dieser Spoiler enthält.

 

Inhalt (zweiter und letzter Akt)

Ein Monat vor Beginn der Dreharbeiten. Wir erleben Higurashi bei dem, was er beruflich macht. „Billig, schnell, aber durchschnittlich“, so lautet sein Berufsmotto, unter dem er Filme für alle Anlässe dreht. Da bekommt er das Angebot, für einen frisch gegründeten Zombie-TV-Kanal einen billigen Kurz-Film zu drehen, der in einem Cut und in Echtzeit gedreht werden soll; er kann das Angebot nicht abschlagen und nimmt das Drehbuch mit nach Hause.

Dort gerät es auch seiner Ehefrau unter die Finger, die arbeitslos ist und vor lauter Langeweile von Hobby zu Hobby springt, was gerade Karate ist. Zudem macht es Higurashi zu schaffen, dass er Probleme mit seiner jugendlichen Tochter hat. Immerhin spielt deren Pop-Idol jedoch die Hauptrolle.

Bereits bei den Proben kommt es zu leichten Schwierigkeiten innerhalb des Teams. Als die Dreharbeiten beginnen sollen, fehlen zwei der Darsteller. Kurzerhand übernehmen Higurashi und seine Frau die Rollen. Seine Frau war Schauspielerin, hatte jedoch ein Problem mit ihrem Temperament. Einer der Schauspieler ist sturzbetrunken, ein anderer hat massive Magenprobleme. Die Dreharbeiten beginnen und die Situation gerät zusehends außer Kontrolle. Und der TV-Sender filmt fleißig mit …

Kritik (erster, zweiter und letzter Akt)

Der twistige Perspektivwechsel und das Hinzufügen der zweiten Handlungsebene kommen äußerst überraschend. All die kritisierten Schwächen des Horrorfilms, des „Film im Film“, wenn auch für einen Low-Budget-Film durchaus erklärbar, machen nun tatsächlich Sinn. Der billige Look, die deplatzierte Kamera, die billige Szenerie, alle diese bewussten Schwächen sind beabsichtigt. Wenn es hier auch dem Umstand geschuldet, dass der Film live übertragen wird – sie spiegeln die (mögliche) Situation einer Low-Budget-Produktion wieder. Häufig gibt es nur einen Cut, denn ein zweiter wäre zu teuer. Da können die Dinge durchaus auch chaotisch oder außer Kontrolle geraten. Der Film gerät so zu einer Auseinandersetzung mit der Materie Film und dem Low-Budget-Film an sich.

Die Schauspieler sind durchaus sympathisch, machen ihre Sache gut, auch wenn man hier gelegentlich merkt, dass lediglich zwei der Nebendarsteller bereits in mehreren Filmen mitspielten. Das fällt allerdings nicht weiter negativ ins Gewicht, zumal es vor allem dem Low-Budget-Horror-Part Glaubwürdigkeit verleiht. Sehr positiv ist es, dass Ueda versucht, vor allem seinem Hauptcharakter Profil zu verleihen, was ihm auch gelingt. Higurashi wandelt sich vom augenscheinlichen Soziopathen zu einem Sympathie-Träger. Ueda versteht es auch, die Nebencharaktere treffend zu skizzieren.

Higurashi samt Frau und den beiden Hauptdarstellern

Darüber hinaus hat er die beiden Handlungsebenen meisterhaft miteinander verbunden, so kommt selbst kleinen Details eine Bedeutung zu. Während der erste Teil dem Horror-Genre zuzuordnen ist, im Mittelteil der Handlung noch das familiäre Drama im Mittelpunkt steht, steigert sich das Finale zu der fantastischen Farce eines furiosen Film-Drehs.

Im Finale spürt man deutlich den Einfluss der klassischen Slapstick-Komödie, denn der Humor ist vor allem auch ein körperlicher. In den beiden letzten Akten erinnert er an amerikanische Filme wie State and Main oder Abgedreht, die sich ebenfalls mit dem Thema Film auseinandersetzten.

Man spürt, mit wie viel Herzblut Ueda sein Regie-Debüt anging und es ist großartig zu sehen, wie er von seinem Team dabei unterstützt wurde. So einen Film für 27.000 US-Dollar zu produzieren ist eine Meister-Leistung, die in Japan zum Kinohit avancierte und international für einiges Aufsehen sorgte. Ein Highlight des Horrorfilms und auch eine der besten Komödien des Filmjahres 2018.

Fazit

One Cut of the Dead ist brutal und blutig, clever konzipiert und urkomisch, dabei insbesondere für einen Low-Budget-Film insgesamt schlichtweg brillant. Eine „Zombie“-Komödie mit viel Herz und Hirn, die Appetit auf mehr macht.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: One Cut of the Dead © Koch Films

Stephan Lydike

Stephan Lydike

Horrorfilme sind der Stoff aus den Albträumen, der im besten Fall zu dem Stoff in den Albträumen wird.
Stephan Lydike

Letzte Artikel von Stephan Lydike (Alle anzeigen)

...und was meinst du?