Boar (2017) – Review

Boar

Boar bringt frischen Wind ins Tier-Horror-Genre. Ob euch der Killer-Keiler aus Down Under vom Sofa verjagt oder ihr euch freiwillig verspeisen lasst, erfahrt ihr hier.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Boar
Australien
96 Minuten
Chris Sun
Kirsty Dallas, Chris Sun
Bill Moseley, Nathan Jones, John Jarratt u.a.

Mit Boar hat der australische Filmemacher Chris Sun seinen ersten Tierhorror-Film gedreht. Dank Filmen wie dem Folterstreifen Daddy’s Little Girl oder dem Slasher Charlies Farm hat er bereits erste Gehversuche im Genre absolvieren können.

Das Tier-Horror-/Creature-Feature-Genre zeichnet sich durch trashige Viecher aus, die harmlos wie eine Maus sein können, aber auch fiese Mutationen durch x-beliebige Einflüsse aufweisen können. Boar setzt auf ein Wildschwein, was wirklich eine Marktlücke in diesem Subgenre darstellt. Außer dem bekannten australischen Klassiker Razorback und wenigen weiteren kenne ich keine Filme in welchen es um eine verrückte Killer-Wildsau geht. Das ist vorteilhaft und ob Sun dies für sich nutzen kann, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Die Handlung ist schnell erzählt. Eine australische Familie möchte Abstand vom alltäglichen Leben gewinnen und freut sich auf einen gemeinsamen Urlaub im Hinterland des Kontinents. Doch etwas macht ihnen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Ein riesiges Killer-Wildschwein hat dort sein Revier und unter anderem steht auch Menschenfleisch auf seiner Speisekarte. So wird aus Erholung und Party ein Kampf ums Überleben.

Bevor es aber so richtig losgeht passiert erstmal lange gar nichts. Die Charaktere werden langsam eingeführt und der Plot plätschert so vor sich hin. Das mag zwar für die Smartphone-Fraktion vorteilhaft sein, weil man nicht viel verpasst, wenn man der Handlung nicht folgt, aber eine gelungene und spannende Einführung sieht anders aus. Dafür gibt es ein paar sehr schöne Aufnahmen zu sehen, bei denen ich mich anfangs gar nicht wie in Australien fühle.
So gegen Ende der ersten Hälfte machen dann die Menschen Bekanntschaft mit der Kreatur, die vorher sporadisch Vieh auf den Weiden der umliegenden Höfe reißt. Der Keiler sieht sehr bedrohlich aus und ist vor allem eines: riesig! Das Monster tobt sich bei den Menschen so richtig aus. Sie werden zerfleischt, mit den Stoßzähnen aufgespießt, umher geschleudert und noch vieles mehr. Sehr positiv finde ich, dass das Monster und auch viele der Effekte plastischer Natur sind und nicht mithilfe von CGI erstellt wurden. Dadurch sieht das Vieh noch etwas realistischer und beeindruckender aus. Es ist löblich, dass es bei Suns Film im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres deutlich blutiger zugeht. Nur die eine oder andere Szene ist dermaßen dunkel, dass man, außer etwas rotem Saft und Silhouetten, wenig erkennen kann. Dasselbe Problem gab schon bei Charlies Farm und wurde in Boar leider nicht besser. Ich weiß nicht, ob es budgetbedingt war, von den ca. 3 Millionen Dollar Budget hätte man vielleicht mehr in die Special-FX investieren können, aber das sei mal dahingestellt.
Die Handlung bietet im weiteren Verlauf außer der Kills leider nichts mehr weiter. Die Spannungskurve ist sehr niedrig und auch das Finale ist sehr unbefriedigend.

Boar

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Cast. Es ist zwar schön, dass bei einem Aussie-Film auf nationale Schauspieler gesetzt wird, aber die Auswahl bei diesem Film ist wirklich zum Großteil Wildschweinfutter. Die meisten spielen auf Amateur-Niveau, was man bei Trash-Filmen leider häufiger vorfindet. Bei so einer lieblosen Performance fällt es mir schwer, mit den Personen mitzufiebern und man will sie lieber sofort dem Vieh zum Fraß vorwerfen. Nathan Jones finde ich völlig deplatziert. Sein Rambo-mäßiger Charakter passt einfach nicht in das Setting, zumal seine Leistung nicht sonderlich ist. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber noch: John Jarratt! Jarratt, der Veteran im Outback, der seit seinen Mick-Taylor-Auftritten des Wolf-Creek-Franchise ein Publikumsliebling des Genres geworden ist, ist auch mit von der Partie. Jarratt spielt meiner Meinung nach die anderen Schauspieler, inklusive Bill Moseley, in Grund und Boden. Auch wenn der Horror-Fan ihn eher als kaltblütigen Killer kennt, kann man sich in seine ungewohnt „normale“ und hilfsbereite Rolle hineinversetzen. Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Seine Mimik und Gestik, dazu die treffsicheren Sprüche, machen ihn zu dem Star des Filmes und erinnern mich immer wieder an Harrison Ford.

Sun hat in Boar zwar gute Ansätze, steuert den Film aber mit dem hanebüchenen Plot und der miserablen Cast-Auswahl regelrecht gegen den Ayers Rock. Dafür kann der Film mit dem „Aussie Han Solo“ John Jarrat und einem äußerst wütenden Wildschwein auf Drogen sowie mit einigen blutigen Kills punkten.

 

Bewertung

SpannungRating: 1 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt rating4_5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 1 von 5

Bildquelle: Boar © OZPIX Entertainment

Robin

Robin

Horrorfilme sind die Filme, die mich am meisten faszinieren, da sie einfach meist die Filme sind, die mit Liebe und Leidenschaft geschaffen werden.

Ob komplexe und präzise Kunstwerke auf Zelluoid oder kurzweiliges Gruselkino, die Vielseitigkeit der Filme sollte jeden ansprechen.

Sie können einen verstören, schlaflose Nächte bereiten, zu komplexen Diskussionen anregen, zum Lachen bringen oder als Stimmungskanonen für Parties fungieren.
Robin

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