German Angst (2015) – Review

German Angst

Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall präsentieren uns mit German Angst einen Episoden-Horror aus dem deutschen Untergrund.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

German Angst
Deutschland
112 Minuten
Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marschall
Jörg Buttgereit, Goran Mimica, Michal Kosakowski, Andreas Marschall
Lola Gave, Axel Holst, Michael Zenner u.a.

Bei German Angst handelt es sich um einen deutschen Anthologie-Horrorfilm, der 2014 in Berlin gedreht wurde und sogar einige Zeit im Kino lief. Zwar wurde dieser zu großen Teilen durch Crowdfunding finanziert, jedoch mussten die drei Regisseure noch draufzahlen, damit er überhaupt realisiert werden konnte. Dies liegt vor allem auch daran, dass es hierzulande für Genrebeiträge dieser Art keinerlei Förderungen gibt.

German Angst ist ein weltweit bekannter Begriff für das Klischee des zögerlichen und angstbestimmten Handelns der deutschen Politik und Bevölkerung. Die drei in Berlin spielenden Episoden sollen also nicht nur alle Angst machen, sondern auch schockierend deutsch sein.

Final Girl von Jörg Buttgereit

In diesem kurzen, aber auch kurzweiligen Streifen geht es um ein junges Mädchen, das zunächst aus dem Off von den Eigenheiten ihres Meerschweinchens berichtet. Als sie über den Ablauf der Kastration des Haustiers erzählt, sieht man sie, wie sie ihren Vater, der sie misshandelte, grauenhaft verstümmelt und eben jene Kastration durchführt.

Hierbei lässt sich kaum unterscheiden, was Einbildung des Kindes und was wirklich geschehen ist. Eine sehr überzeugende Leistung liefert Lola Gave als Hauptdarstellerin ab, welche zum ersten Mal für einen Film vor der Kamera stand. Gore-technisch ist die Episode sehr überzeugend, da hier wieder handgemachte Sauereien zu bestaunen sind.
„Final Girl“ ist ein atmosphärisch dichter und sehr charmant inszenierter Tortureporn, Marke Buttgereit, bei dem wir nicht unbedingt alles glauben sollten, was wir mit ansehen müssen. Die Episode glänzt durch eine ruhige Inszenierung und das quasi nicht vorhandene Budget sieht man der Produktion absolut nicht an. Mein persönlicher Favorit unter den drei Segmenten.

German Angst - Final Girl

Make a Wish von Michal Kosakowski

Die zweite Episode handelt von einem jungen, verliebten, taubstummen Pärchen, welches von Neonazis in einem alten Fabrikgebäude festgehalten und attackiert wird. Das Paar wäre chancenlos gegen die Peiniger, hätte dieses nicht ein anscheinend magisches Amulett, das Seelen wandern lässt.

Make a Wish ließ meinen Puls höher schlagen. Gewalt, Tempo und Ideen gehen hier Hand in Hand.

German Angst - Make a Wish

Alraune von Andreas Marshall

Eden, ein sehr erfolgreicher Fotograf, tritt einem mysteriösen Sexclub bei, der eher nach einer Sekte aussieht. Die Mitglieder nehmen Alraune, eine Droge, die ihr Lustempfinden ins unermessliche steigert, jedoch machen sich bei Eden schon bald ungeahnte Nebenwirkungen bemerkbar.

„Alraune“ ist die teuerste und gleichzeitig die längste Episode und ein würdiger Abschluss der Anthologie. Warum hier fast nur Englisch gesprochen wird und sich die Episode am Ende in Richtung eines Monster-Films orientiert, weiß nur Marshall selbst. Unterhaltsam ist er jedoch trotz der kleinen und größeren Schwächen!

German Angst - Alraune

Fazit:

Schockierend, polarisierend und nicht gerade zimperlich geht es in allen drei Episoden zur Sache. German Angst ist ein schwer verdauliches Stück Episodenfilm, welches noch einige Zeit im Kopf nachhallt!

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: German Angst © Pierrot Le Fou

Thomas Ortlepp

Thomas Ortlepp

Horrorfilme sind für mich das einzige sinnvolle Ventil, um Frust und Aggressionen abzubauen – wenn sie gut gemacht sind. Andernfalls verhält es sich genau umgekehrt: Wenn sie schlecht sind, werde ich zum Hulk!
Thomas Ortlepp

...und was meinst du?