13 französische Horrorfilme, die ihr gesehen haben solltet

Französische Horrorfilme

Wir haben uns dieses Mal etwas genauer mit Horrorfilmen aus Frankreich beschäftigt und wie gewohnt für euch 13 Perlen zusammengesammelt, die ihr hoffentlich noch nicht alle kennt. Viel Spaß!


 

13. In My Skin (2002)

In My Skin ist das Spielfilmdebüt der überaus talentierten Regisseurin und Autorin Marina de Van, die mich zehn Jahre später auch noch einmal mit Dark Touch voll überzeugen konnte. Seitdem ist es allerdings leider sehr ruhig um sie geworden.

In ihrem Debüt spielt sie selbst die Hauptrolle und mimt eine junge Frau, die nach einem Unfall eine Obsession für Selbstverstümmelung entwickelt. Dabei scheut sich de Van nicht mit vollem Körpereinsatz an ihre Grenzen zu gehen. Das ist in In My Skin auch nötig, denn er ist in erster Linie ein überaus physischer Film – ein Film der in erster Linie über die Körperlichkeit der Regisseurin/Hauptdarstellerin selbst funktioniert.

Marina de Vans Inszenierung ist weit weg vom (nicht negativ gemeinten) Krawallkino der New French Extremity, sondern erinnerte mich in seiner Kühlheit vielmehr an das asiatische Kino von Shion Sono, Park Chan-wook oder im speziellen Takashi Miikes Audition. Ein erstklassiges Debüt, das den Body Horror zelebriert und darunter ein starkes Horror-Drama ausbreitet.

12. Amer (2009)

Die belgisch-französische Koproduktion unter Regie von Hélène Cattet und Bruno Forzani lässt den Giallo wieder auferstehen. Der surreale Neo-Giallo dürfte mit seiner experimentellen Inszenierung viele vor den Kopf stoßen. Mangels Dialoge und mit ungewöhnlichen Einstellungen, Schnitten und Montagen werden Sehgewohnheiten auf die Probe gestellt.

Der Film ist ähnlich einem Episodenfilm aufgebaut und gibt uns Einblick in das Leben der Protagonistin in ihrer Kindheit, im Jugendalter und als Erwachsene. Dabei erzählt Amer jedoch keine durchgängige Geschichte, sondern wirft uns immer nur einzelne Fragmente zu, aus denen wir uns selbst ein abschließendes Bild basteln müssen.

Giallo-Fans seien hier allerdings zu Vorsicht aufgerufen. Cattet und Forzani liegt nichts an einer gewöhnlichen Hommage an das gelbe, italienische Subgenre, sondern an einer von allen Konventionen befreiten, immens konzentrierten Form des Giallo. Das Regie-Duo nimmt das stark aufs Audio-Visuelle geprägte Subgenre und entledigt sich jeglichen inhaltlichen Ballasts, um sich voll Sex, Fetisch und Gewalt hingeben zu können.

Giallo für experimentelle Giallo-Puristen.

11. Livid (2011)

Die junge Praktikantin Lucie begleitet eine Altenpflegerin bei ihrer täglichen Arbeit. Madame Jessel ist eine der pflegebedürftigen Menschen, die auf die Hilfe der beiden angewiesen ist. In ihrer geräumigen und weitläufigen Villa wird die im Koma liegende, alte Frau durch eine Sauerstoffmaske und diverse Maschinen am Leben gehalten. Ein Gerücht macht die Runde. Denn wie Lucie erfährt, soll sich ein Schatz in dem Anwesen befinden. Als sie ihrem Freund William davon erzählt, steht der Entschluss schnell fest. Zusammen mit einem Kumpel kehren die beiden ins Anwesen der alten Dame zurück. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellt.

Alexandre Bustillo und Julien Maury bewiesen schon mit ihrem Terror-Hit Inside, dass das Duo durchaus einiges an Talent mit sich bringt. Mit Livid gingen die beiden schließlich den nächsten Schritt ihrer Karriere und liefern einen durchdachten, vielschichtigen Horrorfilm ab, der sowohl mit einer äußerst anspruchsvollen Detailverliebtheit, als auch mit einer wahnsinnig dichten Atmosphäre überzeugen kann. Ein Film, der viele Fragen aufwirft, wenig Antworten bietet und gezielt die Fantasie des Zuschauers fordert. Ein erschreckendes, düsteres Werk, das mit einer ordentlichen Ladung „Mindfuck“ um sich wirft und auf ganzer Strecke, solltet ihr euch darauf einlassen können, überzeugt.

10. Und erlöse uns nicht von dem Bösen (1971)

In den Sommerferien beschließen zwei gelangweilte 14-jährige Klosterschülerinnen dem Teufel zu huldigen und beginnen den Jungs in ihrer Nachbarschaft böse, morbide und erniedrigende Streiche zu spielen – bis die Spiele eskalieren.

Der Film von Joël Séria bietet kontroverses 70er-Jahre-Kino der besten Art. Sind viele der gerade religiösen Tabubrüche heute sicher keine mehr, so bietet der Film dennoch auch heutzutage noch genügend Zündstoff. So ist es nicht nur die Verkehrung von christlicher Sittlichkeit und Moral ins Gegenteil, sondern auch das Erwachen von kindlicher/jugendlicher Sexualität und auch die unerklärliche kindliche Grausamkeit, die nach wie vor an Tabus rütteln und selbst heute noch zu reichlich Verstörung führen könnten. Die Mädchen, die bewusst mit ihren sexuellen Reizen manipulieren und fröhlich kichernd für Trauer und Leid sorgen, konterkarieren das Bild der kindlichen Unschuld.

Es ist eine wahre Wohltat, dass sich Séria nicht der Versuchung hingibt hier billige Psychologisierung zu betreiben und den Ursprung des Schreckens in Elternhaus, Schule, Kirche oder grundsätzlich der Gesellschaft zu suchen. Und erlöse uns nicht von dem Bösen ist ein Werk, das gedeutet werden will – genau das was ich mir von kontroversem Kino erwarte.

9. Possession (1981)

Die deutsch-französische Koproduktion unter dem Regisseur Andrzej Zulawski ist ein Höllenritt von einem Film und bietet die vielleicht besten Performances von Sam Neill und Isabelle Adjani. Beide liefern eine wahre Tour de Force ab, wie ich es selten erleben durfte.

Der Film handelt im Grunde von der Trennung eines Ehepaares, welche schnell düstere Züge annimmt. Viel mehr ist über die Handlung auch nicht zu sagen – also grundsätzlich wäre sehr viel über die Handlung zu sagen, nur ist diese in ihrer fragmentarisch-kafkaesken Form ohnehin eher schwer rational zu erfassen.

Possession gleicht mehr einer Naturgewalt, die man nicht einfach mal so aus der Ferne konsumiert, sondern die einen einfach überrollt. Im Nachhinein kann man versuchen zu überlegen, was da jetzt eigentlich passiert ist, aber erst einmal liegt man am Boden. Zulawskis Monstrum von einem Film wird viele verstören und genau so viele betören – viele womöglich sogar beides. Freunde des Abseitigen und Experimentellen dürfen gerne zugreifen, alle anderen könnten sich schwer tun hier Zugang zu finden.

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Seid gegrüßt,
Ich habe unzählige Namen und erscheine in vielen Gestalten. Hier kennt man mich als Dark Forest und ich bin euer Gastgeber. Ich führe euch durch die verwickelten Bauten, düsteren Wälder und verfallenen Ruinen. Immer mir nach!
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