Revenge (2017) – Review

Revenge

Mit Revenge kommt wieder einmal ein großartiger Horrorfilm aus Frankreich. Die Französin Coralie Fargeat lässt es in dem Rape&Revenge-Streifen ordentlich krachen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Revenge
Frankreich
108 Minuten
Coralie Fargeat
Coralie Fargeat
Matilda Lutz, Kevin Janssens

Das Kreuz mit Rape&Revenge

Ich bin kein großer Fan des Rape&Revenge-Genres. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass ich schon dem Exploitation-Kino eher skeptisch gegenüber stehe. Natürlich haben wir diesem anarchischen Kino vor allem der 70er-Jahre viel zu verdanken und ich liebe die grenzensprengenden Aspekte. Ketten zu sprengen, Regeln zu brechen und das Publikum herauszufordern sind Dinge, die ich am Kino sehr schätze, aber wenn es nur noch darum geht die Zuschauer zu schocken und möglichst viele Tabubrüche in 90 Minuten zu packen, löst dies bei mir schnell Ermüdungserscheinungen aus.

Bei Rape&Revenge ist dies oft besonders schlimm, wenn auf ewig lange Vergewaltigungsszenen, die einem Porno entsprungen sein könnten, nur noch unreflektierter Sadismus folgt. Ich erwarte mir hier jetzt auch keinen Gaspar Noé, aber viele Vertreter dieses Subgenres sind einfach besonders stumpf. Dies ist dann auch der Grund warum ich solchen Filmen tendenziell aus dem Weg gehe. Nichtsdestotrotz hat es mich zur Premiere von Revenge verschlagen. Nicht etwa weil ich einen ausgeprägten Hang zum Masochismus pflege, sondern weil es sich um das Debütwerk der 42-jährigen Französin Coralie Fargeat handelt. Ich war schlichtweg neugierig wie die Regisseurin und Autorin das Thema angehen wird.

Revenge

Fargeat selbst nimmt in Interviews interessanterweise nie das Wort Rape&Revenge in den Mund. Wenn sie den Film kurz zusammenfassen soll, tut sie das meistens mit „Rache-Film irgendwo zwischen Kill Bill und Deliverance“. Fargeat ist sehr bemüht nicht einfach nur alte Muster zu bedienen, sondern dem Subgenre neue Facetten abzugewinnen und ihm ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. Dies ist jedoch nicht die einfachste Übung, da der Film sich zumindest oberflächlich nicht stark von den Genrekollegen unterscheidet.

Denn Revenge handelt vom verheirateten Millionär Richard (Kevin Janssens), der mit seiner Geliebten Jen (Matilda Lutz, Rings) ein paar Nächte in der Ferienvilla mitten in der Wüste verbringen will, bevor er sich mit seinen Jagdfreunden, Stanley (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède), trifft. Die Jagdfreunde kommen jedoch früher an als erwartet und besonders Stan macht Jen unerwünschte Avancen, welche schlussendlich in eine Vergewaltigung enden. Um Jen davon abzuhalten zur Polizei zu gehen oder seiner Frau davon zu erzählen, stößt er sie von einer Klippe. Doch Jen überlebt den Sturz…

Wie Phönix aus der Asche

Klingt nach einem 08/15-Rape&Revenge-Streifen und ist doch ganz anders. Dies fängt schon damit an, dass sich die Vergewaltigung fast ausschließlich im Off abspielt. Hier gibt es keine lüsterne Kamera, die über den geschundenen Körper von Jen gleitet. Wir sehen den Beginn und hören danach nur noch was passiert, was bald vom laufenden Fernsehprogramm im Nebenzimmer übertönt wird. Coralie Fargeat ist an der Zerstörung einer hübschen, jungen Frau nicht im Geringsten interessiert. Sie zeigt ihre Protagonistin Jen dann leicht bekleidet, wenn diese es selbst will. Jen ist selbstbewusst und weiß um ihre Wirkung auf Männer mit der sie gerne spielt. Diese selbstbewusste Souveränität stellt Fargeat lasziv zur Schau.
Zu dem Zeitpunkt als Jen ihre Souveränität, sprich ihre Selbstbestimmung, verliert, entfernt sich auch die Kamera von ihr. Später als sie wie Phönix aus der Asche steigt und über sich hinauswachsen muss, hat sich auch ihr Selbstbewusstsein gewandelt. Ihre Macht über Männer geht nicht mehr von ihrer betörenden Schönheit aus, sondern von dem Gewehr in ihren Händen. Auch wenn Jen im letzten Akt genau so wenig an hat, wie im ersten, wird sie von der Kamera jetzt anders eingefangen, sodass ihre körperlichen Reize nicht mehr im Vordergrund stehen. Schlussendlich sind es sogar die Männer, die nackt und somit teilweise ihrer Würde beraubt, ums nackte (höhö) Überleben kämpfen müssen. Ich glaube dies ist auch der einzige Rape&Revenge-Film in dem mehr nackte Männer als Frauen zu sehen sind.

Revenge

Revenge ist jedoch alles andere als eine verkopfte feministische Abhandlung oder ein emanzipatorisches Pamphlet. Viel mehr erschafft Coralie Fargeat mit ihrem Debütwerk eine der coolsten Rächerinnen seit Lady Snowblood (Meiko Kaji), Frigga (Christina Lindberg in Thriller) und der Braut (Uma Thurman in Kill Bill). Genauso wenig ist Revenge an einem ironiefreien Terrorfilm interessiert, was ihn auch stark von der New French Extremity abgrenzt. Viel mehr ist der Film eine Spaßgranate durchaus in der Tradition des Exploitationkinos. Fargeat erzählte in einem Interview, dass sie immer noch mehr Blut haben wollte. Das SFX-Team riet ihr davon ab, weil dies zu unrealistisch aussehen würde. Die Regisseurin ließ sich jedoch nicht beirren und schlussendlich musste das Kunstblut sogar verdünnt werden, weil ihnen ansonsten das Material ausgegangen wäre. Also ja, der Film nimmt für sich nicht in Anspruch zu 100% medizinisch akkurat zu sein, macht dafür aber umso mehr Spaß. Es gab hier einige Szenen an denen das Kinopublikum lauthals lachte und sogar zwischendurch auch mal einen Szenenapplaus spendete.

Zudem sieht der in der marokkanischen Wüste gedrehte Film wahnsinnig gut aus. Kameramann Robrecht Heyvaert gelingen einige wundervolle Einstellungen der Wüste in ihrer gesamten Trostlosigkeit und Schönheit. Allgemein ist die Optik des Films beeindruckend – ein wahrer Augenschmaus.

So gelingt es Coralie Fargeat mit ihrem Debütwerk dem Rape&Revenge-Genre durchaus neue Facetten abzugewinnen. Ohne mit extrem blutigen und expliziten Szenen zu geizen, schafft der Film es sich weder in Vergewaltigungsszenen noch in sadistischen Rachephantasien zu suhlen. Allein dies hebt den Film schon einmal von vielen Genrekollegen ab. Aber am allerwichtigsten er besitzt eine grandiose Heldin, die sich vor anderen starken Frauen des Genres nicht verstecken braucht. Matilda Lutz ist hier eine Offenbarung und wird uns nach diesem großartigen Auftritt sicher noch öfters begegnen. Daher von mir eine absolute Empfehlung für den Film – auch für Menschen, die mit dem Subgenre sonst nichts anfangen können.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Revenge © M.E.S. Productions

 

Terror-Floh

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Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
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