Cargo (2017) – Review

Mit Cargo liefert uns Netflix erneut eine Deutschland-Premiere, die uns mit Hobbit-Darsteller Martin Freeman, der zuletzt auch in dem erfolgreichen Ghost Stories zu sehen war, in ein post-apokalytisches Szenario schickt, das atmosphärischer und einfühlsamer kaum sein könnte.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Cargo
Australien
105 Minuten
Ben Howling, Yolanda Ramke
Yolanda Ramke

Nach dem Ausbruch einer tödlichen Pandemie sucht der verzweifelte Vater Andy eine sichere Zukunft für seine kleine Tochter. Dem infizierten Vater bleiben nur wenige Stunden um seine Tochter in schützende Obhut zu geben. Von nun an beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…

Das Zombie- und Infiziertengenre erfreut sich seit geraumer Zeit einer enorm großen Beliebtheit. Neben weltweit großen Erfolgen wie The Walking Dead, schaffen es in den letzten Jahren auch immer wieder kleinere Produktionen, wie zum Beispiel das wenig kreative Reboot zu George A. Romeros Klassiker Day of the Dead oder aber der Überraschungshit aus Korea Train to Busan auf die Flimmerkisten seiner Fans. Mit Cargo liefert man jetzt wieder einen Vertreter ab, der sich fernab von Gewaltorgien bewegt und Effekthascherei nahezu komplett aus dem Weg geht.

Downunder entpuppt sich als wunderschönes post-apokalyptisches Setting

Im Laufe der Jahrzehnte durchliefen wir viele mit Untoten übersäte Orte und folgten Überlebenden auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht. Cargo besticht mit einer wunderschönen australischen Idylle, fängt fantastische Bilder ein und beschert seinen Zuschauern so manchen Blickfang. Die Konfrontation mit den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines, sorgt für weitere Sichtweisen und schafft somit eine spannende Interpretationsebene abseits des eigentlichen Handlungsstrangs.
Martin Freemann, der Mann, der einst als Bilbo den Zwergen bei der Rückeroberung ihrer Heimat verhalf, liefert eine gewohnt hervorragende Leistung ab. Sein Charakter erlaubt es, sich im hohen Maße mit ihm zu identifizieren. Das mag zum einem an dem sowieso sympathischen Auftreten des englischen Schauspielers liegen, zum anderen aber an der fantastischen Charakterdarstellung des ehemaligen Hobbits. So ist es ihm uneingeschränkt zuzusprechen, den Film über seine Dauer tragen zu können, wenn man auch zwischendurch sicherlich hier und da ein paar Längen nicht leugnen kann. Denn auch wenn Cargo die Nutzung zwanghaften Füllmaterials nicht gänzlich abschütteln kann, so weiß er dennoch über weite Strecken an sich zu fesseln. Eines der üblichen Probleme, die es mit sich bringt, wenn man einen Kurzfilm auf Spielfilmlänge adaptiert. So gibt es einige Szenen, die im Kurzfilm deutlich mehr Sinn ergaben und in der Langfassung keiner vermisst hätte.

Auch wenn es sich irgendwie „anders“ anfühlt, kann Cargo sich nicht davor schützen, den üblichen Zombieklischees treu zu bleiben; so haben wir es auch hier wieder mit einem Wettlauf gegen die Zeit, der Auswirkung auf die gesellschaftliche Entwicklung und der Suche nach einer schützenden, überlebenswerten Zuflucht zu tun. Das funktioniert zwar sehr gut, bietet aber im Grunde nichts neues und reiht sich somit anstandslos in die Abläufe anderer Vertreter ein. Genau deshalb erzeugt der australische Film keinen „Aha“-Effekt und führt uns ohne große Überraschungen zum Ziel.

Unter dem Strich entpuppt sich Cargo als atmosphärisches, mitfühlendes Zombie-Drama, das zwar ein langsames Erzähltempo aufweist, dennoch für recht spannende 95 Minuten sorgt. Drama-Freunde und jene, die sich in der ruhigeren Post-Apokalypse beheimatet fühlen, werden definitiv ihre Freude haben und sollten unbedingt einen Blick riskieren. Neben den ganzen blutrünstigen Genreauskopplungen versprüht die Netflix-Premiere mal wieder ein wundervolles Flair und ist zudem überaus hübsch anzusehen.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Cargo © Netflix

Jan Ott

Jan Ott

Als großer Fan des Horror-Kinos, insbesondere der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein Film mitgibt. Ich freue mich darauf, mich mit euch über die unendlichen Weiten des Horror-Genres auszutauschen! 🙂
Jan Ott

2 Kommentare

...und was meinst du?