7 Days (2010) vs Daddy’s Little Girl (2012)

7 Days vs Daddy's Little Girl

7 Days oder Daddy’s Little Girl? Zwei Filme rund um Kindesmissbrauch und Rache. Welcher wird dem Thema besser gerecht? Wir haben uns die zwei noch einmal genau angeschaut.

Daddy’s Little Girl ist ein Dauerbrenner in der Horror-Community und macht in seiner Beständigkeit und Kontroversität teilweise schon fast dem Serben Konkurrenz. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt der thematisch ähnlich gelagerte kanadische Film 7 Days. Jedoch gibt es kaum eine Diskussion über den einen Film ohne, dass der andere zumindest einmal erwähnt wird.

In diesem Sinne wollen auch wir in der anhaltenden Diskussion Stellung beziehen.

7 Days (2010) (Thomas)

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:

Les 7 jours de talion
Kanada
105 Minuten
Daniel Grou
Patrick Senécal
Roman „Les 7 jours de talion“ von Patrick Senécal

Die Eröffnung des Films, den ich als Rachedrama bezeichnen möchte, ist bewundernswert ökonomisch und etabliert alles, was ich wissen muss. Dies geschieht hauptsächlich visuell mit minimalem Dialog. Man sieht darin Brueno Amell (Claude Legault), seine Frau (Fanny Mallette) und die 8-jährige Tochter (Rose-Marie Coallier), die er mehr liebt als alles andere auf der Welt. Als das Kind von der Schule nicht mehr Heim kommt, werden Polizisten gerufen. Mit ihnen geht Amell herum und verfolgt den Weg, den sie in die Schule ging und das Feld, wo sie mit ihren Freunden spielte. Dort finden sie sie: tot und vergewaltigt. Amell, der von Beruf Chirurg ist, entführt den Mörder aus dem Polizeigewahrsam und bringt ihn in eine abgelegene Hütte. Er arrangiert alles so, dass er die nächsten 7 Tage allein mit dem Mörder ist, so dass er diesen zu Tode foltern kann…

Jetzt, wo die Folter beginnt, verzichtet Regisseur Grou immer noch auf Aufdringlichkeit und auf Schwelgerei. Die Inszenierung bleibt ruhig, methodisch und klinisch, sehr nüchtern mit gemächlichem Tempo ohne Musik und in blauen und grauen Tönen. Für den Film hat der Horrorautor Patrick Senécal seinen eigenen Roman „Les 7 jours du talion“ zu einem Drehbuch umgeschrieben. Diese Adaption hat viel mehr zu bieten als Daddy’s Little Girl, der einzig und alleine Folterszenen breitwalzt.

Es entsteht das Gefühl, dass man selbst ein Teil des Geschehens ist. Man versetzt sich immer mehr in die Rolle des Vaters und durchlebt dessen gesamtes Gefühls-Chaos, das aus grenzenloser Wut, den stärksten Rachegefühlen, aber auch aus großen Selbstzweifeln an seinen Tun besteht. Die realistische und authentische Inszenierung, die beklemmende Grundstimmung und die grandiose Leistung beider Hauptdarsteller machen 7 Days zu einem kleinen Meisterwerk für mich. Leider kommen dazwischen immer wieder eingespielte Nachrichten, von der Entführung und Szenen mit den Polizisten, die den Verbrechen auf der Spur sind. Diese sollten wahrscheinlich als Verschnaufpause dienen zwischen den Folterszenen, sind aber kaum der Thematik dienlich und untergraben die Intensität des perfekten Zusammenspiels der beiden. Allerdings ist das auch der einzige Kritikpunkt, den man aber aus der Buchvorlage mit übernommen hat.  Ethisch ist die Tat an sich äußerst fragwürdig, jedoch kann ich Amells Motiv verstehen: Wie würde ich mich fühlen, wenn dieser Typ mir alles genommen hätte, was mein Leben lebenswert macht? Das ist wohl die primäre Frage, die sich jeder Zuschauer stellt.

Sicherlich hätten sich viele ein Ende mit einem Wow-Effekt gewünscht, ich jedoch finde es äußerst passend. Es bleibt ein solch nachhaltiger Eindruck, dass man auch nach langer Zeit immer wieder an 7 Days denkt. Ein Film-Erlebnis, das unter die Haut geht und Spuren hinterlässt.

Daddy’s Little Girl (2012) (Lehmi of Terror)

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Daddy’s Little Girl
Australien
107 Minuten
Chris Sun
Chris Sun

Dereks kleine Tochter wurde brutal ermordet. Als er zufällig herausfindet, wer der Killer ist, sinnt er auf Rache.

So lautet der sehr übersichtliche Plot zu Chris Suns Beitrag zum Thema Rache, Daddy’s Little Girl, und hat damit eine enge Verwandtschaft zu 7 Days. Leider ist der Film aber eher der hässliche, verstoßene Bruder.

Aber zerlegen wir den Film mal:

Das Drehbuch ist wirklich dilettantisch verfasst, so fehlt jegliche Reflektion von Dereks handeln, was die ganze Geschichte höchst unglaubwürdig macht. Auch wie der Killer letztendlich identifiziert wird, ist an Plumpheit und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten – mich wundert wirklich, dass das so wenigen Leuten bitter aufstößt. Es werden komplett alle Chancen verschlafen, die übersichtliche Story mit etwas Gehalt anzureichern. Stattdessen wird nur primitiv auf der Racheschiene herum gefahren und an die niedrigsten Instinkte appelliert. Und sei das alles noch nicht genug, lässt die schauspielerische Darstellung doch sehr zu wünschen übrig.

Alleine die zahlreichen, detailreichen Splattereffekte sind relativ gut gemacht.

Daddy’s Little Girl ist ein sehr grobschlächtiger Versuch die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhaschen und ist höchstens für Gorehounds interessant. Der Film kann 7 Days noch nicht mal im Ansatz das Wasser reichen, sondern verliert sich in tumber Stammtischpolemik. Gehalt: nullkommanull. Genau so sollten Horrorfilme/Thriller nicht sein, damit gängige Klischeebilder nicht bedient werden: dumpf, unintelligent, alleine reduziert auf Gewalt und dilettantisch produziert.


Unser Herz schlägt also zweifelsfrei für den wesentlich intelligenteren, reflektierteren und auch besser inszenierten 7 Days. Wie sieht es bei euch aus?

Falls euch Filme mit dieser Thematik interessieren, können wir euch auch noch die israelische Produktion Big Bad Wolves, Denis Villeneuves Prisoners oder Hard Candy mit Ellen Page empfehlen.

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