The Walking Dead (2010 – ) – Thrill&Kill vs 100 Years of Terror

The Walking Dead macht nunmehr seit 2010 die Wohnzimmer seiner Fans unsicher. Dass sich die Einschaltquoten zur mittlerweile achten Staffel auf einem Rekordtief befinden, wirft natürlich einige Fragen auf: Lohnt es sich, am Ball zu bleiben? Warum springen immer mehr Fans ab? Im folgenden Artikel möchten wir euch näher bringen, warum es sich lohnt, Rick und seiner Gruppe weiterhin den Rücken zu stärken.

Und damit herzlich willkommen zum ersten Teil unseres neuen Formats „Thrill&Kill vs 100 Years of Terror“. Zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen von Thrill&Kill, werden wir uns einem Film, einer Serie oder sonst irgendeinem Thema zuwenden und dieses von zwei Seiten beleuchten. Wenn ihr wissen wollt, wieso The Walking Dead zu Recht untergeht, findet ihr die Antwort bei Thrill&Kill. Wir schauen lieber auf die sonnigen Seiten des Lebens. Viel Spaß!

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

The Walking Dead
USA
ca. 44 Minuten
U.a. Greg Nicotero
U.a. Robert Kirkman

„Wo sind denn eigentlich die ganzen Zombies?“, „GZSZ mit Zombies“, „viel zu wenig Action!“ – Kommentare, die man immer wieder unter Werbebeiträgen zur Erfolgsserie lesen muss. Ist da etwas dran? Nun ja – auch, wenn die Rahmenbedingungen gänzlich verschieden sind, ist eine Gleichsetzung mit der RTL-Seifenoper zumindest teilweise möglich; das postapokalyptische Setting, die Zombies sowie die Kriege sind nämlich nichts weiter, als der Grundstein, auf dem sich das Drama, die eigentliche Handlung, ausbreitet. Charakterentwicklungen, moralische Entscheidungen und Identifikation stehen ganz weit oben auf der Tagesordnung. Die Serie, die auf einer äußerst brutalen Comicvorlage basiert, bedient sich zwar eines actionreichen und schaurigen Settings, stellt aber eine explizite Dramatik in den Vordergrund. Wie würden wir in einer solchen Situation reagieren? Wie entwickelt sich ein Charakter unter solch extremen Bedingungen? Fragen, die wir uns im Laufe der Serie mehr als nur einmal stellen werden.

Das Rekordtief der überaus beliebten Serie ging auch an den Schöpfern nicht spurlos vorbei, und so mussten sie sich zwangsweise der Frage nach den Gründen stellen. Die Freistellung bzw. die Beförderung von Showrunner Scott Gimple zum Chief Creative Officer des „Walking Dead“-Franchises, einem ganz neu geschaffenen Posten, war die erste Reaktion auf die Stimmen enttäuschter Fans, die neben mehreren Petitionen zur Neubesetzung des Showrunner-Postens, durch wütende Beschwerde-Emails auf sich aufmerksam gemacht hatten. Dabei gewinnt die Serie zunehmend an Spannung, konfrontiert uns mit neuen, fantastischen Charakteren und erweitert stetig ihr Setting. Wir wollen euch drei gewichtige Gründe nennen, weshalb Ihr der Serie weiterhin treu bleiben solltet.

Punkt 1: Das Setting

Während wir in den bisherigen Staffeln überwiegend verfolgen konnten, wie Rick und seine Gruppe pro Staffel einen neuen Ort für sich beanspruchten, erweitert The Walking Dead seit nunmehr zwei Staffeln zunehmend ihre Locations. Verschiedene Gruppen und die dazugehörigen Orte bringen somit nicht nur jede Menge Spannung in die Angelegenheit, sondern sorgen ebenfalls dafür, den sonst eher geradlinigen Handlungsverlauf gewaltig auszubauen. Die Szenarien wechseln, verschiedene Charaktere und Gruppen werden nacheinander gezielt in den Vordergrund gerückt und gewinnen durch ausführliche Darstellung zunehmend an Sympathie. Ein wichtiger Punkt ist die auf den verschiedenen Siedlungen aufbauende gesellschaftliche Entwicklung, die durch Negan und seine Saviors ins negative zu kippen scheint. Menschen, die über einen längeren Zeitraum auf sich selbst gestellt waren, erlernen ein neues Miteinander, die Eingliederung in ein friedvolles, soziales Umfeld, und schöpfen neue Hoffnung.

Die Komplexität der vernetzten Gruppierungen und deren Handelns macht die achte Staffel unglaublich spannend! Mit dem Aufbau eines Handelsnetzwerks, gegenseitiger Unterstützung und dem Versuch einer gesellschaftlichen Entwicklung in einem postapokalyptischen Szenario geht man den nächsten Schritt, schüttelt alte Handlungsmuster ab und schlägt neue, kreative Wege ein. Siedlungen leben unter gänzlich verschiedenen Bedingungen, entwickeln sich auf völlig unterschiedliche Weise und ihre Lebensstile und Ansichten unterscheiden sich grundlegend voneinander – doch sie alle versuchen, einer zivilisierten Zukunft ins Auge zu blicken.

Das Königreich und seine Anhänger bereiten sich auf einen Kampf vor. König Ezekiel motiviert seine Krieger. © AMC/Gene Page

Punkt 2: Die Charaktere

Mit dem Charakter Negan wurde nicht nur der bis dato größte Antagonist des TWD-Universums eingefügt – nein, man besetzte die Rolle mit einem Schauspieler, der an Charisma und Enthusiasmus kaum zu überbieten ist! Jeffrey Dean Morgan besticht mit seiner charmanten Art und schafft es gleichzeitig, sowohl Angst als auch Sympathie zu verbreiten. Eine explosive Mischung, wie sich herausstellt, denn der eigentliche Bösewicht gewann binnen kurzer Zeit die Herzen sämtlicher Fans für sich und mauserte sich zu einem der größten TWD-Lieblinge.

Aber nicht nur Negan bringt unheimlich viel Spannung in die Serie; Charaktere wie Simon oder Dwight (gespielt von Steven Ogg und Austin Amelio), die bisher vornehmlich als harmlose Abgeordnete Negans auffielen, erzeugen eine charakterstarke Explosion und nehmen unweigerlich wichtige Rollen ein. Nach wie vor nimmt sich The Walking Dead die Zeit, auf die einzelnen Charaktere einzugehen, sie auf einer authentischen Ebene auszuarbeiten und tragend in die Geschichte einzuführen – ein wichtiger Punkt, dem sich die Autoren in der achten Staffel wieder ganz gezielt annehmen. Reaktionen auf Verluste, auf die Umweltbedingungen und Unterdrückungen nehmen maßgeblich Einfluss auf die Psyche der einzelnen Pro- und Antagonisten und werden somit gezielt in den Handlungsverlauf eingeflochten.

Es ist nach wie vor einfach ungemein spannend, zu beobachten, wie die verschiedenen Personen mit ihren Erlebnissen umgehen; da lässt eine Identifikation nicht lange auf sich warten. Moralische Grenzen werden flexibel ausgelegt und lassen den Zuschauer die vermeintlich „böse“ Seite der Antagonisten hinterfragen. Eine geschickte Angelegenheit, denn so bleibt es jedem selber überlassen, ob der eigentliche Bösewicht wirklich so gemein ist, wie man anfänglich angenommen hat.

Jeffrey Dean Morgan als Negan. Negan bereitet sich auf etwas vor. Lucille, sein mit Stachedraht gespickter Baseballschläger, ist dabei sein stetiger Begleiter.  © AMC/Gene Page

Punkt 3: Die Story

Charaktere scheiden aus, neue Gesichter gliedern sich ein und der gesamte Handlungsverlauf spitzt sich zu. Rick und seine Gruppe versuchen, in Alexandria ein ruhiges Leben zu führen, ehe der Bösewicht Negan auftaucht und mit seiner Sicht einer funktionierenden Gesellschaft dem ganzen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung macht. Von nun an kommt Schwung in das gesamte Leben der Gemeinde. Die achte Staffel besticht durch einen fesselnden Spannungsbogen, der sich Stück für Stück wie ein Puzzle zusammensetzen lässt. Rückblicke, Visionen und Zeitsprünge werden gezielt eingesetzt, um dem dramatischen Verlauf Ausdruck zu verleihen.

The Walking DeadDaryl und Rick befinden sich im Krieg gegen die Saviors. Rick scheint keine Gefangenen machen zu wollen.  © AMC/Gene Page

Auch zur achten Staffel verliert The Walking Dead nicht seinen Reiz. Die verschiedenen Schauplätze, die fantastischen Charaktere und die Bewältigung einer neuen, ungewohnten Situation sind Faktoren, die die Zombie-Drama-Serie auch noch nach so vielen Jahren zu spannender Unterhaltung machen. Freunden des Szenarios und jenen, die vielleicht schon abgesprungen sind, sei gesagt: Wagt Euch nochmal ran – es lohnt sich!

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt rating4_5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: The Walking Dead © AMC

Jan Ott

Jan Ott

Als großer Fan des Horror-Kinos, insbesondere der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein Film mitgibt. Ich freue mich darauf, mich mit euch über die unendlichen Weiten des Horror-Genres auszutauschen! 🙂
Jan Ott

...und was meinst du?