Reise nach Agatis (2010) – Review

Reise nach Agatis

Wir wenden uns wieder einmal dem deutschen Experimentalfilm zu und begeben uns mit Marian Dora auf die Reise nach Agatis.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Reise nach Agatis
Deutschland
73 Minuten
Marian Dora
Marian Dora

Es ist schon erstaunlich, wie Marian Dora mit einem Minimum von drei Drehtagen und den wenigen finanziellen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, 2008 Reise nach Agatis erschaffen hat. An und für sich ist die Handlung schnell erzählt, da auch viel mehr eine Situation im Mittelpunkt steht: Rafael und Isabell machen Urlaub an der Küste Kroatiens, wobei die Stimmung zwischen beiden alles andere als gut ist. Als Rafael die junge Lisa für sich und eine Boot-Tour gewinnen kann, verschlimmert sich Isabells Laune, während die beiden anderen hemmungslos flirten. Auf dem Boot unterwegs kippt dann die Stimmung jedoch vollkommen, als Rafael seine düstere Seite offenbart und seine erniedrigende Ader zeigt…

Rafael, großartig fies gespielt von Goersch, ist ein Paradebeispiel eines typischen Sadisten, was er schon wenige Augenblicke nach seinem Erscheinen offen darlegt. Dabei fragte ich mich natürlich die ganze Zeit, warum Isabell sich überhaupt so einen Typen an Land gezogen hat. Aber auch sie hat ihr Päckchen zu tragen, was sich in extremen Stimmungsschwankungen bemerkbar macht. Lisa, die dritte im Bunde, ist jung und naiv. Zwischenzeitlich möchte sie die Starke sein, schafft es allerdings absolut nicht sich gegen die anderen durchzusetzen. Es ist daher ganz klar, wem hier die Opferrolle zugeteilt wurde.

Gespräche sind bereits im Vorfeld minimal, sodass ich keinesfalls mit den drei Protagonisten irgendwie warm werden konnte. Die drei Darsteller spielen allesamt überzeugend im Rahmen ihrer vorgegebenen Rollen, was für einen Undergroundstreifen nicht unbedingt üblich ist. Hinzu kommt noch, dass die Damen stellenweise total nackt unterwegs sind und somit viele explizite Einstellungen schonungslos gezeigt werden. Wer allerdings Sympathieträger im Film braucht, sollte sich andere Filme suchen, hier sucht man vergebens.

Der Film gewinnt schnell an Fahrt, die Spannung steigert sich, die Hemmungen fallen, auch die Demütigungen mehren sich und in den letzten Minuten geht es auf einer kleinen Insel nochmal richtig zur Sache. Nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Hier zeigt Dora, was man mit einem Messer alles so anstellen kann – außerhalb der regulären Verwendung, denn hier werden natürlich keine Brote damit geschmiert! Eingebettet wird der Film somit noch in heftige Gore-Einlagen in bester Dora-Manier zu Beginn und Ende der Reise. Diese sind so realistisch gehalten, dass beim Zusehen absolut kein Spaß aufkommt. Besonders bemerkenswert ist auch das Sounddesign, was zwar mit einem oft wiederkehrenden Thema aufwartet, jedoch mit seiner eingängigen Melodie und der Romantik dem ganzen Geschehen den nötigen surrealen Touch verleiht. Außerordentlich sind auf jeden Fall noch Janna Lisa Dombrowskys selbstgeschriebene Gedichte, welche Sie während des Films in Form eines Off-Kommentares wiedergibt.

Einziger Wermutstropfen ist die etwas zu grobe Charakterzeichnung und die minimale Handlung. Aber bei drei Tagen Drehzeit muss man eben Abstriche machen. Und selbst ein schlechter Dora (was der hier definitiv nicht ist) ist immer noch ein Spitzenfilm im Vergleich zu anderen Experimentalfilmen.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt rating4_5
Ekel rating3_5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Reise nach Agatis © Engelfilm

Terror-Floh

Terror-Floh

Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
Terror-Floh

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