Ghostland (2018) – Pro&Contra

Ghostland

Zehn Jahre nach Martyrs ist Pascal Laugier zurück mit seinem neuen Psychohorror: Ghostland. Was euch erwartet, erfahrt ihr in unserem Pro&Contra.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Ghostland
Frankreich/Kanada
91 Minuten
Pascal Laugier
Pascal Laugier

10 Jahre nach Martyrs…

Pascal Laugier hat in 14 Jahren gleich viele Filme gedreht wie Takashi Miike oft in einem Jahr dreht: ganze vier Stück. Und dennoch, oder gerade deswegen, fiebern viele dem neuesten Werk des französischen Horror-Regisseurs entgegen. Dies mag vielerlei Gründe haben, aber einer der wichtigsten ist ein Werk, das Laugier vor genau zehn Jahren auf die Menschheit losließ und seitdem eine treue Fanschar um sich bilden konnte. Die Rede ist selbstverständlich vom, oft als Höhepunkt der New French Extremity bezeichneten, Martyrs. In der Zwischenzeit hatte Laugier nur den oft unterschätzten The Tall Man mit Jessica Biel in der Hauptrolle gedreht.

Der Film handelt von einer Mutter und ihren zwei jugendlichen Töchtern, die in das geerbte Haus ihrer Tante ziehen. Am ersten Abend im neuen Heim werden sie allerdings von brutalen Eindringlingen überfallen. 16 Jahre nach diesem traumatischen Erlebnis treffen sich die zwei sehr verschiedenen Schwestern wieder in jenem Haus. Doch sie merken schnell: etwas stimmt hier nicht…

Unsere zwei Autoren Terror-Floh und Thomas haben sich den Film angesehen und kamen zu recht unterschiedlichen Ergebnissen:

Pro (Terror-Floh)

Ich darf euch jetzt näher bringen wieso Laugiers Ghostland trotz ein paar Schwächen ein Film ist, den ihr euch unbedingt ansehen solltet.

Schon in den ersten Minuten merkt man wie perfekt der Franzose sein Handwerk besteht. Die Genialität des Intros kommt zwar nicht an jene von Martyrs heran, aber dennoch schüttelt er locker leicht die Einführung seiner Charaktere aus dem Ärmel. In wenigen Minuten habe ich zu diesen schon mehr Verbindung aufgebaut als bei vielen anderen während der gesamten Spielzeit. Dabei hat es sicher geholfen, dass für die zwei Schwestern Beth und Vera niemand anderes als er selbst und sein Bruder Pate standen. So steckt in der verträumten, etwas sonderbaren Beth, die nichts mehr liebt als Horrorliteratur ganz viel vom Regisseur selbst.

Die Einführung der Charaktere wird jedoch jäh unterbrochen. Selten habe ich es erlebt, dass Home-Invasion-Horror mit solch brachialer Gewalt inszeniert wurde. Hier ist nichts wunderschön auschoreographiert, hier gibt es keine fiesen Pläne oder sadistische Spielereien. Diese Eindringlinge verkörpern die pure Gewalt – und genau so fühlt es sich auch an. Selten hat mich ein erster Schlag dermaßen in den Kinosessel gedrückt. Pascal Laugier spult hier natürlich keinen 08/15-Home-Invasion-Horror runter, sondern geht wesentlich geschickter vor indem er die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt. Mehr soll aber an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, da zu viel Vorwissen einiges am Kinoerlebnis kaputt machen könnte.

GhostlandSchade nur, dass gerade der Mittelteil etwas versumpft. Zudem fehlt an einigen Stellen die nötige Psychologisierung der Figuren, wodurch dem Film zum Ende hin manchmal etwas der nötige Schwung abgeht, um dem Finale die nötige Schlagkraft zu verleihen.

Was den Film trotz genannter Mängel hervorhebt, ist die psychologische Ebene auf der sich der Film abspielt. Er bietet eine durchaus spannende Perspektive auf die Wirkung von traumatischen Erlebnissen und auf Traumabewältigung. Laugier dreht die Gewaltschraube im Gegensatz zu Martyrs deutlich zurückdreht und deutet vieles  nur an – was den gezeigten Horror aber keinesfalls weniger erschreckend macht und dem Film im Endeffekt gut tut. Allgemein ist Laugiers Inszenierung wieder einmal beachtlich. So ist das Setdesign schlichtweg atemberaubend und versprüht ein märchenhaftes Flair. Und auch die starke Kameraarbeit sorgt in dem verzweigten Märchenhaus für Desorientierung ohne dabei in Hektik zu verfallen. Aus diesen Gründen kann ich euch Laugiers neuesten Streifen nur wärmstens empfehlen.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Contra (Thomas)

Zehn Jahre sind vergangen seitdem uns Pascal Laugier mit Martyrs einen Meilenstein des modernen Horrorkinos präsentiert hat. Dementsprechend bin ich auch mit hohen Erwartungen in den Film gegangen.

Leider wusste ich mit dem Gezeigtem wenig anzufangen. Ich muss dem Film zu Gute halten, dass die Story sehr detailliert konstruiert ist und auch die Darsteller wissen einigermaßen zu überzeugen. Als jedoch schon in der Einführung der Geschichte das erste Mal die Einbrecher auf die Hauptdarstellerinnen losgehen, war der Film für mich vorbei. Absolut schlechte Choreografie in den Kampfszenen, die schusseligen Spezial-Effekte wirken einfach nur banal und den Schockeffekten fehlt es an Timing. Der Versuch dies durch den Sound auszugleichen, geht nach hinten los. Dieser schmettert nur nervig auf die Ohren ein. Die „Bösen“ sind allesamt Zurückgebliebene, die grunzend oder grölend den ein oder anderen Treffer kassieren, dann wieder austeilen/einstecken und so weiter.

GhostlandAußerdem geht der Geschichte nach einigen Drehungen und Wendungen komplett der Handlungsleitfaden verloren. Was dann noch übrig bleibt sind absolut trashige Kloppereien mit dummen Bösewichten und lieblos zusammengeschusterten Effekten, nervtötender Soundkulisse und absolut unpassenden Zeitlupeneinstellungen.

Dies macht auf mich den Eindruck, als solle es irgendetwas neues, hippes und innovatives darstellen. Aber das ist es eben nun einmal nicht, Herr Laugier! Es ist einfach mit der Zeit nur noch nervtötend und ich war echt total erleichtert, als endlich der erlösende Abspann eingesetzt hat.

 

Bewertung

SpannungRating: 1 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
GewaltRating: 3 von 5
EkelRating: 1 von 5
StoryRating: 3 von 5

Bildquelle: Ghostland © Capelight

Ab 05. April 2018 im Kino!

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Ich habe unzählige Namen und erscheine in vielen Gestalten. Hier kennt man mich als Dark Forest und ich bin euer Gastgeber. Ich führe euch durch die verwickelten Bauten, düsteren Wälder und verfallenen Ruinen. Immer mir nach!
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