Backwood-Rodeo mit Zombies und Tarot (Obscura Filmfest Special)

Obscura Filmfest

Und damit willkommen beim Obscura Filmfest! Wir geben euch hier einen kleinen Vorab-Einblick in das dortige Programm.

Das Obscura Filmfest findet vom 11. bis zum 13. April zum zweiten Mal in Hannover statt. Wir hatten Gelegenheit schon einmal etwas in das Programm hineinzuschnuppern und können euch verraten, was euch erwarten wird. Viel Spaß!

Lasso (2017)

In Lasso verfolgen wir einen Seniorenausflug zu einer Rodeo-Veranstaltung. Werden hier tagsüber wie üblich Tiere gequält, geht es bei Sonnenuntergang dem menschlichen Vieh an den Kragen.

Wodurch der Film auf jeden Fall schon einmal punkten kann, ist mit seinem Rodeo-Setting. Gerade in Verbindung mit dem Senioren-Ausflug bietet dies doch eine schöne Frische im Backwood-Einerlei. Um die Einzigartigkeit von Lasso hervorzuheben, hätten beide Aspekte durchaus noch forciert werden können. Gerade der Senioren-Aspekt verläuft sich leider ziemlich im Nichts. Cockneys vs Zombies hätte hier die Marschrichtung vorgegeben, wie man auch mal ältere Bevölkerungsschichten im Horror würdig repräsentiert. So darf am Ende nur eine einzelne resolute Rentnerin aus der gesichtslosen Masse hervortreten. Dafür packen Regisseur Evan Cecil und Drehbuchautor Roberto Marinas einen Haufen Charaktere dazu für die sich wohl die wenigsten interessieren werden – obwohl diese teilweise sogar von namhaften Schauspielern wie Sean Patrick Flanery (Der blutige Pfad Gottes, Saw 3D) verkörpert werden.

Der Film krankt besonders während der ersten Hälfte an den uninteressanten Charakteren, die durch ein teilweise liebloses wirkendes Setdesign gehetzt werden. Zeitweise geht der Vorteil des Rodeo-Themas sogar komplett verloren und ich fühle mich wie im 27. Sequel von „Ich weiß welche texanische Hütte du letzte Prom Night im Wald gefunden hast“. Da hilft es dann auch wenig, dass die Nachtaufnahmen grandios ausgeleuchtet sind und ein wunderschönes Bild abgeben.

Das größte Problem von Lasso ist zu dieser Zeit, dass weder Spannung noch ein Gefühl von Bedrohung aufkommt. Mit der Bedrohlichkeit seiner Antagonisten hat der Film bis zum Schluss ein riesiges Problem, doch bekommen es Cecil und Marinas in der zweiten Hälfte gebacken endlich einen ordentlichen Spannungsbogen aufzubauen. Die Spannungsschrauben werden so geschickt angezogen, dass es mir ein leichtes ist, selbst mit den platten Charakteren mitzufiebern.

Damit wird aus Lasso auf den letzten Metern zwar kein Meisterwerk, aber für Fans des Backwood-Horrors mit Sicherheit eine vergnügliche Sichtung.

Dead Shack (2017)

Wir begleiten in Dead Shack eine White-Trash-Familie in ihren Urlaub in eine runtergekommene Hütte mitten im verschneiten Wald. Leider wird das idyllische Saufgelage von einer etwas ungewöhnlichen Nachbarin jäh gestört.

Dead Shack nimmt sich zu keinem Zeitpunkt zu ernst, sondern erfreut sich lieber daran in seiner Blutlache zu sitzen und mit Gekröse zu spielen. Der gut aufgelegte Cast spielt dem Film dabei sehr in die Hände. Gerade Donavon Stinson als unverantwortlicher, dauerbesoffener White-Trash-Dad macht irre viel Spaß.

Der Film will jedoch nicht so richtig in die Gänge kommen und erst mit dem letzten Drittel fängt er an aufs Gaspedal zu drücken. So schafft es Dead Shack bis dorthin leider kaum Spannung aufkommen zu lassen, entschädigt dafür aber mit einigen wundervollen Einstellungen in den gruseligen Wäldern.

Im Großen und Ganzen kommt hier eine unterhaltsame Horrorkomödie aus Kanada, die zwar nicht auf voller Strecke überzeugen kann, aber für Freunde der heiteren Horrorkunst sicher einen Blick wert.

First House on the Hill (2017)

In First House on the Hill folgen vier Freunden, die sich eine kleine Villa von einer alten Dame mieten, um dort ein paar schöne Tage zu verbringen. Spätestens als die vier ein altes Tarot-Deck entdecken, ist es jedoch vorbei mit der schönen Zeit.

Es ist von der ersten Minute klar woher Regisseur und Co-Autor Matteo Saradini seine Inspiration hat: aus dem italienischen Horrorkino der 60er und 70er. Ganz besonders den Gialli von Mario Bava (Blutige Seide, Im Blutrausch des Satans) fühlt sich dieser offenbar verbunden. So ist First House on the Hill auch von vorn bis hinten auf retro gestimmt und erstrahlt in knalligen Farben, bevorzugt in rasendem Rot und giftigem Grün. Damit schafft Saradini auch einige wirklich beeindruckende Bilder und kurzzeitig fühlte ich mich tatsächlich zurückversetzt in die Glanzzeiten des Giallos.

Aber leider gibt es auch so einiges, was das Vergnügen trübt. Die Geschichte ist sehr überschaubar und kommt leider auch nie wirklich in Fahrt, was dem Spannungsbogen alles andere als zuträglich ist. Dies mag gerade bei dem Genre vielleicht vernachlässigbar sein. Nicht jedoch wenn jedes Fünkchen an Atmosphäre durch den penetrant nervigen und unpassenden Score, hölzerne Dialoge, durchwegs unsympathische Charaktere und inszenatorische Mängel zerstört wird.

So bleibt unterm Strich außer ein paar schönen Bildern nicht viel übrig, was den Film sehenswert macht. Hardcore-Giallo-Fans können mal einen Blick wagen, alle anderen machen wahrscheinlich nicht viel verkehrt, wenn sie dieses Kunstwerk an sich vorbeiziehen lassen.

Der Streifen hat allerdings einen komplett neuen Soundtrack spendiert bekommen, der beim Obscura Filmfest seine Premiere feiern wird. Das könnte auf jeden Fall noch einmal für ein paar Pluspunkte sorgen. Ihr dürft gespannt sein!


Das war es auch schon wieder von unserem kleinen Einblick. Es gibt auf dem Festival noch weitere sieben Filme und etliche Kurzfilme zu entdecken.

Tickets und alle weiteren Informationen über weitere Filme und Spielzeiten findet ihr auf der Homepage vom 2. Obscura Filmfest Hannover.

Dead Shack © Goodbye Productions / Trilight Entertainment

First House on the Hill © First House Hill / Nocturnal Eye Film

Lasso © Dragonfly Films / Mad Rodeo Productions

Terror-Floh

Terror-Floh

Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
Terror-Floh

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