Auslöschung (2018) – Review

Annihilation

Nach Ex Machina ist Alex Garland mit seinem neuen Sci-Fi-Horror Auslöschung am Start, der bei uns direkt auf Netflix erschienen ist. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:

Annihilation
USA/Großbritannien
115 Minuten
Alex Garland
Alex Garland
Roman „Die Auslöschung“ von Jeff VanderMeer

Auslöschung handelt von einer Biologin, die dem Verschwinden ihres Mannes auf den Grund gehen will. Zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen betreten wir den Shimmer, eine regenbogenfarbige Blase, die sich nach einem Meteoriteneinschlag gebildet hat und langsam aber sicher ausbreitet. Bisher sind weder Daten noch Erkunder beziehungsweise Soldaten wieder herausgekommen. In der mysteriösen Blase erwarten das bunt gemischte Team die wundervollsten Alpträume und die schlimmsten Wunder…

Ich habe ganz bewusst eine relativ kurze Inhaltsangabe gewählt, denn je weniger man im Vorfeld weiß, desto besser funktioniert der Film. Der Streifen ist äußerst komplex, was ein Grund dafür ist, dass er bei uns keine Kinoauswertung bekam, sondern direkt auf Netflix zu sehen ist. Alex Garland, Regisseur von Ex Machina, hat hier wieder erstklassige Arbeit geleistet. Es ist bedauerlich, dass es solche Filme nicht ins Kino schaffen. Garlands Vision ist mutig. Er hat es geschafft ein als unverfilmbar geltendes Buch in sich aufzunehmen, ideal zu verändern und sein eigenes Ding daraus zu machen.

Garland erklärte im Interview mit dem Magazin „Creative Screenwriting“, dass seine Adaption nur auf dem ersten Teil einer Trilogie basiere.

Als ich mit der Arbeit an Annihilation begann, gab es nur das erste von drei Büchern. Ich wusste zwar, dass der Autor den Stoff als Trilogie geplant hatte, doch es gab zu dem Zeitpunkt nur das Manuskript für das erste Buch. Ich hatte also den Gedanken an eine Trilogie nicht wirklich im Kopf, als ich mit meiner Adaption begann.

Annihilation

Schuld an der großteils fehlenden Kinoauswertung ist ein Streit zwischen den beteiligten Produktionsfirmen von David Ellison und Scott Rudin. Nachdem ein erstes Testscreening äußerst negativ ausfiel, wollte Ellison diesen ändern lassen, da er im Moment zu intelligent und kompliziert sei und kein breites Publikum anspreche. Rudin, der schon bei Ex Machina mit Garland zusammenarbeitete, verteidigte jedoch die Version des Regisseurs und konnte sich schlussendlich durchsetzen. Schlussendlich führte das dazu, dass Paramount die Rechte am internationalen Vertrieb an Netflix verkaufte, welchen diesen kurz nach der Kinoauswertung zur Verfügung stellten.

Nach seinem Sci-Fi-Hit Ex Machina zum Thema künstliche Existenz bleibt Garland ganz nah dran an den existenziellen Fragen des Lebens. Doch dieses Mal geht es nicht um künstlich geschaffenes Leben, sondern um das Leben selbst und ganz besonders um die Entwicklung desselben. Der Brite breitet dabei durchaus einige interessante Fragen aus und versorgt uns gründlich mit Gedankennahrung. Er holt uns auch mächtig auf den Boden der Tatsachen zurück. Nichts mit Krone der Schöpfung. Einfach nur das Ergebnis von Zellteilung und Mutation – und im Geiste bester Sci-Fi treibt er diesen wissenschaftlichen Gedankengang auf die Spitze.
Es ist allerdings nicht so, dass man für den Film Biologie hätte studieren müssen, um diesem halbwegs folgen zu können. Garland beweist hier wieder sein Talent dafür komplizierte Themenkomplexe in ein leicht konsumierbares Gewand zu packen, welches aber zum wiederholten Sehen einlädt.

Annihilation

Dies liegt natürlich insbesondere an der atemberaubenden Garderobe in die Garland seine Geschichte steckt. Er schafft damit ein in strahlende Farben getauchtes Horror-Sci-Fi-Abenteuer. Garlands Evolution im Zeitraffer zeigt sich in einer prächtigen Fauna und vor allem sehr vielfältigen Flora, die zum Staunen einlädt. Setdesigner Mark Digby durfte sich hier wirklich austoben und die geschaffene Welt wird von Kameramann Rob Hardy in langen, wunderschönen Bildern eingefangen.

Besonders hervorzuheben ist auch der absolut phantastische Score, der zu Beginn zwischen Folk-Rock und sanften, instrumentalen Klängen wechselt und zum Ende hin vermehrt auf disharmonische Töne setzt und das Heimkino zum vibrieren bringt.

Bei den Darstellerinnen kann Garland zudem auf eine wundervolle Besetzung zurückgreifen. Nicht nur Portman (Black Swan), sondern vor allem Jennifer Jason Leigh (Dolores) und Gina Rodriguez liefern eine hervorragende Performance ab. Es ist daher schon ein bisschen schade, dass allein Portmans Charakter wirklich etwas Fleisch auf die Rippen bekommt und der Rest sich durch den Film hungern muss. Bei knapp zwei Stunden Laufzeit stellt sich mir da schon die Frage, ob nicht etwas mehr  Zeit in die Charaktere hätte fließen können. Wobei es hier wohl einfach akzeptiert werden muss, dass der Fokus nicht auf den Charakteren liegt, sondern auf der fremden Welt als eigenem Organismus.

Annihilation ist packend, atmosphärisch, spannend, äußerst unterhaltsam und wirft zudem noch einige interessante Fragen auf. Ein in wunderschönen Bildern eingefangener Genremix aus Science Fiction und Horror und Abenteuerfilm, auf den ihr euren Blick richten solltet. Alex Garland hat nach Ex Machina wieder ordentlich abgeliefert.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 5 von 5

Bildquelle: Die Auslöschung © Netflix

Thomas Ortlepp

Thomas Ortlepp

Horrorfilme sind für mich das einzige sinnvolle Ventil, um Frust und Aggressionen abzubauen – wenn sie gut gemacht sind. Andernfalls verhält es sich genau umgekehrt: Wenn sie schlecht sind, werde ich zum Hulk!
Thomas Ortlepp

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