The Wailing (2016) – Review

The Wailing

Vom Regisseur von The Chaser kommt ein südkoreanischer Horror-Thriller-Cocktail um Mörder, Dämonen, Zombies und einen Cop im Kampf um seine Tochter.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Gok-seong
Südkorea
156 Minuten
Na Hong-jin
Na Hong-jin

Der Polizist Jong-goo verrichtet seine Arbeit in der Provinzstadt Goksung in Südkorea. In der Kleinstadt passiert selten etwas, was nicht nur ihn, seine Frau und ihre kleine Tochter in Frieden leben lässt, sondern auch seinem Phlegma dienlich ist. Eines Tages zieht ein mysteriöser Fremder in ein abgelegenes Haus in den Bergen unweit der Stadt. Wenig später geschehen einige grausame Todesfälle, wobei die zuvor völlig unauffälligen Täter plötzlich von einer Geisteskrankheit befallen wurden. Einer von Jong-goos Kollegen erzählt ihm daraufhin von einem Gerücht, wonach der Fremde ein böser Geist sei. Der ängstliche Jong-goo schenkt dem zwar keinen Glauben, beschließt der Sache aber dennoch auf den Grund zu gehen. Schließlich scheint der Fremde, der zudem noch ein Japaner ist, irgendwie mit den Morden in Verbindung zu stehen. Als er zusammen mit seinem Partner und einem Priester das Haus aufsucht, treffen sie den Verdächtigen nicht an, nur ein angeketteter Hund hält davor Wache. Sie verschaffen sich Zutritt und finden darin einen Altar mit einem Ziegenkopf sowie Fotos und persönlichem Besitz der Täter. Der Japaner ertappt sie bei der illegalen Hausdurchsuchung, woraufhin sie unverrichteter Dinge abziehen. Kurz darauf erkrankt Jong-goos Tochter. Sie scheint von einem bösen Geist besessen zu sein und er muss über sich hinauswachsen, wenn er sie retten will…

Der Film startet mit einem Wurm am Angelhaken. Passend dazu lautet die Headline des Films: „If you go fishing, do you know, what you’ll catch? He’s just fishing. Not even he knows, what he’ll catch.“ („Wenn du fischen gehst, weißt du, was du fangen wirst? Er fischt nur. Nicht einmal er weiß, was er fangen wird.“).

The Wailing: Die Besessenen wurde von Na Hong-jin geschrieben und in Szene gesetzt. Er drehte zuvor mit The Chaser und The Yellow Sea zwei ebenso gelungene wie harte und dramaturgisch durchdachte Action-Thriller.

Mit The Wailing wollte er nun mehrere Filmgenres miteinander verknüpfen, was er erfolgreich umsetzte, wobei er seinem Stil treu blieb. Der Film beginnt wie ein Thriller, um im weiteren Verlauf immer mehr Elemente verschiedener Horrorfilm-Genres beizumischen. Es gibt Paranoia und Okkultismus, Geister und Zombies. Dabei versteht es Na Hong-jin dem Film trotz aller Brutalität eine untergründig humoristische Note zu verleihen. Über allem steht die Suche nach dem Täter, die im Handlungsverlauf von einer logisch-rationalen zu einer spirituellen Suche wird. Na Hong-jin serviert dem Zuschauer keinen Täter, darin bleibt er während der gesamten Spielzeit genauso mehrdeutig, wie in der Frage nach Gut und Böse, schwarz und weiß seiner ambivalenten Charaktere. Er überlässt es bewusst dem Zuschauer, sich anhand der über den Verlauf der zweieinhalb Stunden gestreuten Informationen selbst ein Urteil zu bilden. Zu diesen Informationen gehören zahlreiche religiöse und mythologische Anspielungen. Vor allem finden sich viele, teilweise versteckte Bezüge auf die Bibel, zudem eine ausführliche Beschwörungszeremonie aus dem koreanischen Schamanismus. Darüber hinaus besitzt die Handlung einige Querverweise auf die schwierige japanisch-koreanische Vergangenheit, was darin gipfelt, dass der vermeintliche Antagonist ein Japaner ist. Na Hong-jin inszenierte seinen Film bewusst offen, es finden sich etliche logische Brüche und Widersprüche. Man kann dem Filmemacher den Vorwurf machen, dass er den Film vielleicht ein wenig überladen hat, allerdings nicht so, dass der Film überfrachtet wirkt. Und wie in der Headline geschrieben und in der ersten Filmszene gezeigt – die Story dreht und wendet sich wie ein Wurm am Haken, ebenso wie seine Charaktere.

The Wailing

Die Charaktere wandeln sich, offenbaren immer mehr Facetten und man darf sich nicht sicher sein, wer wo steht. Selbst Jong-goo, den wir am Anfang als phlegmatisch, ängstlich, manipulierbar und dem Spott der Kollegen ausgesetzt sehen, durchläuft eine Wandlung, gewinnt an Stärke und Entschlossenheit. Der Film wird aus seiner Perspektive erzählt und sein Charakter verschafft dem Zuschauer einen recht einfachen Zugang zu dem verschachtelten Stoff. Kwak Do-won spielt seinen Charakter ausgezeichnet und wird von seinen gut aufgelegten Nebendarstellern unterstützt. Hwang Jung-min (A Bittersweet Life) als Schamane, Chun Woo-hee (Mother) als mysteriöse Frau in Weiß und der japanische Routinier Jun Kunimura (Kill Bill 1&2) in seiner ersten südkoreanischen Produktion ragen aus dem Ensemble heraus. Ein Teil der Wirkung des japanischen Fremden ruht auf dem markanten Gesicht von Jun Kunimura.

Dieses Gesicht wird von Kameramann Hong Kyung-pyo (Snowpiercer) eingefangen und fügt sich als Detail in die bestechenden Bilder ein, die für das Horror-Genre außergewöhnlich sind und diesen Film auszeichnen. Die Filmcrew drehte an einem Dutzend verschiedener Drehorte, die man zurecht als ideale Kulissen für den Film wählte. Dabei sticht vor allem die traumhafte Naturkulisse heraus, die gekonnt in die Handlung eingefügt ist und in teilweise atemberaubend schönen Bildern festgehalten wurde. Dabei achteten Na Hong-jin und Hong Kyung-pyo auf einen möglichst realistischen Look, hierfür wurden die Dreharbeiten nach der Wetterlage ausgerichtet, um so Wolken und Regen auf natürliche Weise in Szene zu setzen. Auf den Einsatz von CGI wurde weitgehend verzichtet. Auch die Ausstattung des Films ist außergewöhnlich, es wurden so viele Requisiten wie möglich genutzt, um die Post-Produktions-Arbeit zu reduzieren und die realistische Szenerie zu unterstreichen. Der Film-Score von Dalparan und Jang Young-gyu (The Good, the Bad, the Weird) trägt seinen Teil zur düsteren, fast schon albtraumhaften Atmosphäre bei.

Mit all diesen Zutaten schuf Na Hong-jin einen wunderbaren Film, der trotz seiner Länge keine wirklichen Längen besitzt, spannend inszeniert und gut gespielt ist sowie mit mehreren Böden – und für seine Charaktere – aber doch ohne Netz daher kommt.

 

Bewertung

SpannungRating5_5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: The Wailing © Pierrot Le Fou

Stephan Lydike

Stephan Lydike

Horrorfilme sind der Stoff aus den Albträumen, der im besten Fall zu dem Stoff in den Albträumen wird.
Stephan Lydike

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