Double Feature: Social Media Horror

Social Media Horror

Liebe Cybergeister und Internetdämonen,

Horrorfilme spiegeln seit jeher die gesellschaftlichen Umstände wider in denen sie entstanden sind. Daher verwundert es nicht sonderlich, dass auch technischer Fortschritt schon immer auf die eine oder andere Weise in Genre-Produktionen verwurstet wurde.

Ganz vorne dabei natürlich die Atomkraft, die eine ganze Dekade insbesondere mit Big-Bug-Movies wie Tarantula (1955) oder Formicula (1954) geprägt hat. Ab den 80ern rückte der TV immer mehr in den Vordergrund insbesondere auch durch die Verbreitung von Home Video mittels VHS-Kassetten, welche später auch noch gesondert thematisiert wurden. Sei es in Poltergeist (1982), Halloween 3 (1982), Videodrome (1983) oder Ringu (1998) – welcome to prime time, bitch!

Mit der stärkeren Verbreitung des Internets Ende der 90er/Anfang der 2000er nahmen dieses Thema auch die ersten Filme auf wie Strangeland (1998), Pulse (2001) oder Feardotcom (2002). Besonderer Beliebtheit erfreute sich dabei das Thema Chatrooms, welches bis heute noch gerne genutzt wird: Megan is Missing (2011), Smiley (2012) oder The Den (2013).

Es war also nur eine Frage der Zeit bis Filmemacher auch Social-Media-Plattformen für sich entdecken würden. In den letzten Jahren gab es zwei Filme, die sich sehr explizit mit dem Thema auseinandersetzten und sich hervorragend für einen Social-Media-Horrorabend eignen. Die Rede ist von Unknown User (2014) und Unfriend (2016)

 

Unknown User (2014)

Skype-Konferenz – Der Film

Die Grundidee für Unknown User oder wie der Originaltitel lautet Unfriended stammt vom russischen Produzenten Timur Bekmambetov (Abraham Lincoln: Vampire Hunter), welche er schon seit 15 Jahren mit sich rumträgt. Das Besondere hierbei ist, dass Bekmambetov, Autor Nelson Greaves und Regisseur Levan Gebriadze das Geschehen komplett auf den Computerbildschirm verlegen.

Den Bildschirm den wir 85 Minuten in Echtzeit beobachten, gehört Blaire, die mit 5 Freunden skypet, auf Facebook surft, chattet, googlet, auf Youtube Videos anschaut, Mails checkt – sprich: was die meisten von uns wohl auch machen. Nur gesellt sich an diesem Abend eine weitere Person dazu, die sie nicht erwartet haben.

08/15-Geister-Slasher im innovativen Kleid

Von Unknown User habe ich mir rein gar nichts erwartet und wurde sehr positiv überrascht. Der alten Story des Rachegeistes, dieses Mal in Kombination mit Cyberbullying, weiß der Film nicht sonderlich viel Neues abzugewinnen und dürfte in seiner Storyentwicklung auch genrefremde Personen nicht vor allzu große Rätsel stellen.

Dies empfand ich allerdings kaum als störend, da der visuelle Umgang mit dem Material vollkommen meinen Geschmack getroffen hat. Durch die Darstellung des gesamten Films über den Bildschirm der Protagonistin und das in einer einzigen Sequenz konnte ich sofort in die Welt des Films eintauchen und war auch schon von kleinen Details gefesselt. Gerade die Szenen in denen Blaire etwas tippt, es wieder löscht, etwas Neues anfängt zu tippen, in der Mitte stoppt und so weiter erhöhen nicht nur das realistische Bild des Gezeigten, sondern geben uns auch einen guten Einblick in den Charakter. Glücklicherweise werden von diesen alltäglichen kleinen Handlungen sehr viele hier eingebaut, was eine tolle Atmosphäre erzeugt.

Auch wenn der Film davon abgesehen nicht über einen 08/15-Geister-Slasher hinaus kommt, habe ich ihn dennoch sehr genossen. Dementsprechend ein wunderbarer Start in den Social-Media-Abend.

 

Unfriend (2016)

Deutsches Titelwirrwarr

Unfriend könnte leicht mit Unknown User verwechselt werden, der im Original ja Unfriended heißt. Zu Beginn sollte Friend Request auch Unknown Error heißen, aber da man Verwechslungen mit Unfriended vermeiden wollte, wurde er umbenannt, außer in Deutschland, da Unfriended ohnehin Unknown User heißt. Leicht verwirrend? Ja, ich weiß.

Die deutsche Produktion, die in Südafrika mit englischsprachigen SchauspielerInnen gedreht wurde, handelt von der populären Laura, die sich aus Mitleid mit der scheuen Außenseiterin Marina anfreundet. Als ihr dies allerdings zu viel wird und sie Marina auf Facebook wieder entfreundet, begeht diese Suizid. Womit die seltsamen Ereignisse beginnen.

Verträumt-märchenhaftes Desinteresse

Wir haben es auch hier wieder mit einer ähnlichen Story zu tun wie bei User Unknown. Außenseiterin. Kränkung. Suizid. Rachegeist. Unfriend hat allerdings kein so außergewöhnliches Konzept zu bieten in welches es seinen altbackenen Content packen kann. Dies soll allerdings nicht heißen, dass der Film deswegen nicht hervorragend aussieht.

Fand ich die Story eher leicht dämlich und vor allem die Antagonistin eine reine Katastrophe, ist die Optik des Films wirklich tadellos und hat in seinen besten Momenten sogar etwas verträumt-märchenhaft Düsteres an sich. Eben genau das was die Antagonisten hätte sein sollen und schlussendlich dann doch nur als trotziges Emo-Kid rüberkommt.

Auch wenn der restliche Cast hier durchaus sympathischer ist, fällt es mir schwer dem Geschehen viel Interesse entgegen zu bringen. Dafür ist die Story zu dünn, die Antagonistin zu lächerlich und die Gruselmomente zu sehr auf Versatzstücke (Insekten im Ohr?) beschränkt. Für Fans des Themas sicher einen Blick wert, ansonsten kann man den auch getrost auslassen.


Das war mein kleines Double-Feature zu Horrorfilmen über Social-Media. Das Thema ist damit natürlich noch lange nicht erschöpft und wird in verschiedenen Formen das Genre in Zukunft sicherlich noch beeinflussen. Wer über die zwei Filme hinaus noch mehr Lust auf Social-Media-Horror hat, kann sich auch noch #Horror zu Gemüte führen, welcher auf recht künstlerische Art Cyberbullying und Social-Media verwurstet, was allerdings nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat oder für alle Found-Footage-Fans ist vielleicht der Snapchat-Horror Sickhouse genau das Richtige, zu dem ihr in den nächsten Tagen hier noch eine Review lesen werdet.

Ich hoffe euch hat’s gefallen und in diesem Sinne besucht mich doch auf Facebook, Twitter oder G+.

 

Bildquelle:  Unknown User © Universal Pictures International Germany; Unfriend © Warner Bros. Pictures Germany

Terror-Floh

Terror-Floh

Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
Terror-Floh

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